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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil - Kapitel 78
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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siehe Bildunterschrift

Sommer- oder Stieleiche, Quercus pedunculáta Ehrh.

Einsam mit kurzem, dickem Stamm und weit ausladender Krone oder gesellig mit anderen Laub- und auch Nadelbäumen Wälder bildend, dann aber hochstämmig mit dünneren Kronen, immer ist der Eichbaum ein Bild kühner, trotziger Kraft. Er entwickelt sich ungemein langsam und braucht etwa zwei Jahrhunderte, um zu seiner vollen Größe und Schönheit heranzuwachsen; dann aber vermag er im äußersten Falle noch das 10fache dieser Zeit zu leben und erreicht dabei als Sommereiche eine Höhe von 40 m und einen Durchmesser bis zu 7 m, während die Wintereiche ( Quercus sessiliflora) hinter diesen Maßen etwas zurückbleibt. Natürlich sind solche Baumpatriarchen selten und erregen die Bewunderung und Verehrung weiter Kreise; meistens muß die Eiche im Dienste des Menschen schon weit früher ihr Leben lassen.

Die Sommereiche, so genannt, weil sie zuerst blüht, hat kurz gestielte Blätter, während ihre Früchte auf langen Stielen sitzen: daher auch Stieleiche; die Wintereiche oder Steineiche hat lang gestielte Blätter, aber fast stiellose, sitzende Blüten und Früchte; daher auch Traubeneiche; sie belaubt sich und blüht 8 bis 10 Tage später als jene. Die Eichen blühen nicht leicht vor dem fünfzigsten Jahre, liefern dann aber viele Jahrhunderte hindurch ihre nahrhaften Früchte, die nicht nur eine Lieblingsspeise der Eichhörnchen und Saatkrähen bilden und von ihnen verschleppt und ausgesäet werden, sondern auch in Form des Eichelkaffees immer mehr Verbreitung finden. Die Rinde junger Eichen ist in der Gerberei als Eichenlohe, das Holz älterer Bäume in der Tischlerei und Böttcherei unentbehrlich. Eichene Truhen und Schränke überdauern viele Jahrhunderte. Der Eichbaum, erklärt der alte Hieronymus Fuchs in seinem 1543 gedruckten Kräuterbuch, »bringt zweierley frücht, eine an den blettern, welche würt zu Latein Galle genent, und auff Teutsch Gallöppfel oder Eychöppfel, darumb daß sie einem kleinen öppfelin gleich ist. Die ander zwischen den blettern, Glandes zu Latein, auf Teutsch Eychel geheyssen.« Daß die bekannten Galläpfel durch den Stich einer Gallwespe erzeugt werden, die in das Gewebe des Blattes ein Ei legt, und daß sie die Kinderwiege der Wespenlarven bilden, scheint den alten Botanikern noch nicht bekannt gewesen zu sein.

Näpfchenfrüchtler, Cupuliferen. Kl. XXI. Holzgewächs. Mai. H. bis über 40,00 m.

 

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