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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil - Kapitel 60
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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siehe Bildunterschrift

Gebräuchlicher Himmelsschlüssel, Prímula officinális Jacquin.

Wenn am buschigen Abhang die Primel blüht, naht die ganze Erfüllung dessen, was Blauveilchen schüchtern verhieß. Als Schlüsselblume, »Karkenslötel«, d. h. Kirchenschlüssel, wie sie im Niederdeutschen heißt, erschließt sie uns den ganzen Lenzeshimmel, wie sie den alten Nordgermanen den Zugang zu Freyas, der Frühlingsgöttin, Schätzen öffnete. Und die Dichter finden immer wieder herzbewegende Worte, sie zu preisen als die »Blume des Glaubens, daß der ersehnte göttliche Frühling endlich gekommen!«

Straff aufgerichtet und kraftstrotzend drängen sich die starkgeäderten Blätter und die Blütenstiele aus der Erde hervor. Die ganze Poesie der Pflanze geht von dem anmutig geneigten Blütenbündelchen aus, einer echten Dolde, deren Blumen sich in regelmäßiger Folge vom Umfang nach der Mitte zu öffnen. Durch seine fünf Spitzen und die stark erhabenen Adern deutet der grüne, glockenförmige Kelch seine Entstehung aus fünf Einzelblättern an, und dieselbe Herkunft fällt auch bei der hochgelben, wohlriechenden Blumenkrone ins Auge. Die Primel ist also eine Vertreterin der Verwachsenblumblättrigen (Sympetalen), wie z. B. das Veilchen die Getrenntblumenblättrigen (Eleutheropetalen) repräsentiert.

Auch die Primeln sind zur Fremdbestäubung auf vollendete Weise eingerichtet, und zwar auf gleiche Art wie das Lungenkraut (s. Tafel III), durch Heterostylie. Bei den meisten Primulaceen tragen gewisse Stöcke nur langgriffelige, andere nur kurzgriffelige Blüten, und diese Ungleichgriffeligkeit ist mit verschiedener Länge der Staubblätter verknüpft. Die Antheren oder Staubbeutel der langgriffeligen Form stehen in derselben Höhe, welche in der kurzgegriffelten Blüte die Narbe einnimmt, und umgekehrt. Durch diese Einrichtung ist Fürsorge dafür getroffen, daß gewöhnlich Fremdbestäubung eintritt, indem die honigsuchenden Insekten den Pollen der langgriffeligen Form auf die tiefstehenden Narben und den Blütenstaub der kurzgriffeligen Blüten auf die hochstehenden Narben übertragen müssen. Die Befruchtung geht nun folgendermaßen vor sich: das auf die Narbe gebrachte Pollenkörnchen beginnt zu einem feinen Schlauche auszuwachsen, der sich durch die ganze Länge des Griffels hindurch bis zum Fruchtknoten erstreckt. Hier trifft das Ende des Pollenschlauchs auf ein Eichen, den Keim des zukünftigen Samens. Mit diesem Eichen verbindet sich der Inhalt des Pollenschlauchs, worauf dasselbe zum reifen Samen erwächst.

Himmelsschlüsselgewächse oder Primulaceen. Kl. V. Ausdauernde Pflanze. April, Mai. H. 0,15 – 0,30 m.

 

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