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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil - Kapitel 39
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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siehe Bildunterschrift

Warzige Birke, Bétula verrucósa Ehrh.

Als »Maien« bringt sie zum Pfingstfest Freude und als Birkenrute noch öfter Leid in das Haus; im Volksaberglauben spielt sie noch jetzt eine große Rolle, und bei unsern heidnischen Vorfahren im Norden stand sie in hohem Ansehen. Kein Laubbaum wagt sich so weit gegen den Pol hinauf wie die Birke, und trotz ihrer schwanken, hangenden Zweige und ihrer zierlichen Belaubung widersteht sie dem Froste besser als jeder andere Waldbaum. Schön ist sie im Schmuck der ersten Blätter und Kätzchen, die »weiße Frau mit dem grünen Schleier«, wie der Dichter sie nennt. Im April, in rauheren Jahren aber erst im Mai oder Anfang Juni wagt sie es, ihre vorher aufrecht stehenden, jetzt aber durch Krümmung der Ährenspindel in hängende Lage versetzten Blütenkätzchen zu öffnen. Diese Änderung der Stellung schützt den Blütenstaub vor dem verderblichen Regen; denn nun liegt die aus kleinen Vorblättchen und den Perigonblättern bestehende Blütenhülle oben, und die Antheren stehen unter ihr wie unter einem Dache. Sie öffnen sich und lassen den Pollen herausstauben, jedoch nicht gleich in die freie Luft, sondern zunächst in muldenförmige Vertiefungen im Dache der unterwärts stehenden Blüte. Hier wartet er, bis ein Windstoß ihn in Menge ergreift und zu den kleineren Fruchtkätzchen führt. Später hilft der Wind ihr, die winzigen, zweiflügeligen Nüßchen ins Weite zu tragen. Die aus dem Samen hervorgehenden jungen Warzbirken tragen Blätter, welche denen der erwachsenen B. verrucosa durchaus unähnlich sind: jene sind einfach gesägt und fühlen sich in ihrer dichten Behaarung wie Sammet an, diese aber sind doppelt gesägt, kahl und fühlen sich starr und spröde an. So unterscheidet sich bei sehr vielen Pflanzen die Jugendbelaubung von dem späteren Blattwerk.

Bedeutend ist der Nutzen der Birke. Ihr schnell wachsendes Holz ist als Werk- wie Möbelholz gleich geschätzt und wird zu den verschiedensten Schnitzarbeiten verwendet. Es brennt hell und mit starker Hitzentwickelung. Nicht minder geschätzt ist die harzige weiße Rinde. Sie dient in nördlichen Ländern zur Bedachung, zur Anfertigung von Gefäßen und zur Herstellung von Birkenöl und Birkenteer, welcher zur Bereitung des Juchtenleders unentbehrlich ist. Ein vorzügliches Getränk bildet der aus dem Saft der Birke durch Gärung herzustellende Birkenwein.

Birken oder Betulaceen. Kl. XXL Holzgewächs. April, Mai. H. bis 18,00 m. Ehrh. = Ehrhart.

 

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