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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil - Kapitel 23
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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siehe Bildunterschrift

Schuppenwurz, Lathraea Squamária L.

Um das Leben dieser merkwürdigen Pflanze gebührend zu schildern, bedürfte es ebenso vieler Seiten, als uns hier Zeilen zu Gebote stehen. Die Schuppenwurz ist ein Schmarotzer. Der größte Teil der Pflanze bleibt im Boden verborgen und zeigt Elfenbeinfarbe, während die über die Erde hervortretenden Blütenstöcke hellpurpurn oder violettrötlich gefärbt sind. Es fehlt ihr also völlig an dem Blattgrün oder Chlorophyll, mittels dessen die grünen Pflanzen der umgebenden Luft unter Beihilfe des Sonnenlichts einen großen Teil ihrer Bau- und Nährstoffe entnehmen. Sie entsendet aus den unterirdischen Teilen feine Würzelchen, welche solange wachsen, bis sie auf die Wurzel einer Nährpflanze, z. B. der Hasel, der Pappel oder Esche, treffen. Hier heften sie sich mit kleinen scheibenförmigen Saugwarzen fest, senden aus dem Kern der Saugwarze ein Bündel von Zellen in das Innere der befallenen Wurzel und entziehen ihr so die nötige Nahrung. Sobald die Wirtspflanzen im Herbst ihr Laub abwerfen und das Wachstum einstellen, sterben auch die Saugwurzeln des Schmarotzers ab; wenn der Frühling das Strömen des Saftes von den Wurzeln in die Äste und Zweige wieder erweckt, »beißt« auch die Schuppenwurz mit frischen Saugwarzen aufs neue an.

Das so auf unrechtmäßige Weise erworbene Gut genügt ihr aber nicht. Sie betreibt daher nebenbei noch etwas Jagd. Die fleischigen Blattschuppen sind zum großen Teile ausgehöhlt und die so entstehenden mehrzelligen Kämmerchen durch eine Öffnung an der Unterseite nahe dem Stengel zugänglich. Durch diese engen Blattöffnungen schlüpfen winzige Tierchen aller Art, vorwitzige Milben, Infusorien, Wurzelfüßler, Rädertierchen ins Innere: zu ihrem Verderben! Denn nach einiger Zeit findet man von ihnen nichts mehr als die unverdaulichen Außenteile, während Fleisch und Blut spurlos verschwunden sind. Die Schuppenwurz wird bei diesem Parasitenleben dick und fett; Exemplare von 5 kg Gewicht sind keine Seltenheit. – Dieselbe Anpassungsfähigkeit zeigen auch die Blüten unserer Pflanze. Sie sind während der ersten Zeit ihres Lebens richtige Insektenblumen, werden aber bei ausbleibendem Insektenbesuch oder wenn der Honig verzehrt ist, vollkommen windblütig.

Braunwurzgewächse oder Scrofulariaceen. Klasse XIV. Ausdauernde Pflanze. März – Mai. H. 0,15 – 0,30 m.

 

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