Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Franz Bley >

Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil - Kapitel 193
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20131114
projectid662f33fa
wgs
Schließen

Navigation:
siehe Bildunterschrift

Gemeiner Tüpfelfarn, Polypódium vulgáre L.

»Engelsüß wechßt in den Wäldern, fladert und kreucht auff den miefigen felsen hin und her. Item an den stemmen und wurtzeln der bäum, sonderlich der Eychbäumen. Man findet auch den Engelsüß auff den seer alten Felbern oder Weidenköpffen am allerschönsten«, wie Leonhart Fuchs schreibt. Der Name rührt daher, daß die bittersüßschmeckende Wurzel, die man als Heilmittel bei Schlaganfällen gebrauchte, den Menschen von Engeln gebracht sein sollte. Auf der Rückseite des fiederspaltigen Wedels stehen die aus kapselförmigen Sporenbehältern zusammengesetzten Sporenhäufchen, deren Inhalt im Winter reift. Auf geeignetem Boden keimt die Spore, und es entwickelt sich aus ihr ein grünes herzförmiges Blättchen, der Vorkeim oder das Prothallium, das mit feinen Wurzelhärchen am Boden haftet. Auf seiner Unterseite bilden sich zweierlei Zellen in Form winziger Wärzchen, welche die männlichen und weiblichen Geschlechtskörperchen enthalten. Aus ihrer Verbindung entsteht das junge Farnpflänzchen, das solange vom Vorkeim ernährt wird, bis es selbst Wurzeln und Blätter besitzt. Der Vorkeim stellt die geschlechtliche, die Farnpflanze die ungeschlechtliche Generation dar; wir finden also auch bei den Farnen, wie früher bei Pilzen und Moosen, einen regelmäßigen Generationswechsel. Der Wurzelstock des Tüpfelfarns ist mit braunen Schuppen bekleidet. An trockenen, sonnigen Standorten krümmen sich bei warmem Wetter die Fiederchen des Wedels zusammen, und bisweilen rollt sich der Stengel ein, so daß die Pflanze gegen übermäßige Verdunstung geschützt ist. Gegen Kälte sind die Wedel durch ihre lederartige Beschaffenheit so gut geschützt, daß sie die strengsten Winter überdauern. – In früheren Zeiten, als die Bedeutung der Sporen für die Fortpflanzung der Kryptogamen noch nicht entdeckt war, glaubte man, das Farnkraut blühe nur einmal in der Johannisnacht; wer seinen Samen erlange, könne sich damit unsichtbar machen.

Farnkräuter, Filices. Fam. der Tüpfelfarne oder Polypodiaceen. Kl. XXIV. H. 0,15 – 0,20 m.

 

 << Kapitel 192  Kapitel 194 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.