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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil - Kapitel 192
Quellenangabe
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authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
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Die Halmgewächse, Gramineae.

Der aus drei Familien, den Maisgewächsen, den echten Gräsern und den Bambusen bestehende Stamm der Halmgewächse umfaßt Pflanzen mit aufrechtem, gegliedertem Halm, zum Teil einjährig mit büscheligen Wurzeln, zum Teil ausdauernd mit bewurzelten Rhizomen. Die Blätter gliedern sich in eine ungeteilte, lineale, von parallellaufenden Strängen durchzogene Spreite und eine den Halm umfassende Scheide, an deren Grenze das Blatthäutchen sitzt. Der Blütenstand ist eine Ähre oder eine Rispe, welche aus einzelnen Blüten, häufiger aber aus mehrblütigen Ährchen zusammengesetzt sind. Als Ersatz der fehlenden Blumenblätter sind die Spelzen anzusehen, welche den bei den meisten Gramineen zweinarbigen Fruchtknoten und die drei (selten zwei) Staubblätter einschließen. – Die Riesen unter den Halmgewächsen sind die Bambusen, welche eine Höhe von 25 und eine Dicke von ½ m erreichen. Sie sind dem Tropenbewohner als Baumaterial für Palast, Hütte, Brücke und als Rohstoff für alle möglichen Hausgeräte unentbehrlich. Die echten Gräser sind gesellig und bilden entweder gemischt oder in einzelnen Arten gewaltige, Tausende von Quadratmeilen umfassende Bestände. In Europa sind diese Grassteppen, die ungarischen Pußten und die südrussischen Steppen, durch die Kultur größtenteils in Ackerland verwandelt worden, ebenso in Nordamerika die Prärien, der ehemalige Tummelplatz der Rothäute und ihres Jagdwilds, der Büffel. Dagegen erstrecken sich die Llanos im Norden und die Pampas im Süden Südamerikas noch wie unermeßliche Grasmeere in ihren alten Grenzen, und die Grassteppen Centralafrikas werden noch lange den Zufluchtsort der großen Raubtiere und ihres Beutewilds, der grasfressenden Huftiere, bilden. – Der Mensch verdankt den Grasgewächsen unendlich viel. Aus den 4000 über alle Erdteile verbreiteten Arten hat er einige wenige, die sich durch mehlreiche Samen auszeichneten, in seine Obhut genommen, ihren Nährwert durch jahrtausendelange Pflege gesteigert und auf sie seine ganze Kultur gegründet. Vier Weltteile haben Getreidearten geliefert: Europa und Asien unsere vier einheimischen Kornpflanzen, Weizen, Roggen, Gerste und Hafer, und Asien außerdem den Reis, dessen Samen die meisten Menschen ernähren, Amerika den Mais und Afrika die Durrahirse.

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siehe Bildunterschrift

Gemeiner Roggen, Secále cereále L.

Als die wichtigste Getreideart Nord- und Mitteleuropas wird der Roggen vom Landmann einfach als das Korn bezeichnet, neben dem Weizen, Gerste und Hafer weit geringere Bedeutung haben. Er wird entweder im Herbst gesäet, keimt und überdauert den Winter, um im nächsten Jahre Frucht zu tragen, und heißt dann Winterroggen, oder er wird im Frühling gesäet und reift noch im Verlauf desselben Sommers und wird dann Sommerroggen genannt. Die ersten grünen Blätter der jungen Pflanze stehen aufrecht, während die späteren vom Halme ausgehenden im Bogen gekrümmt abwärts hängen, eine Stellung, in der sie vom Anprall des Windes weniger leiden und dem Pollen, der aus den Antheren geschüttelt wird, nicht den Weg zu den benachbarten Narben versperren. Die Starrheit der hohen Halme und ihre Widerstandsfähigkeit gegen den Wind wird durch die Blattscheiden verstärkt. Die endständige Ähre trägt zwei Reihen Ährchen, ist also zweizeilig. Der Träger dieser Ährchen, die Spindel oder Achse, besteht aus 1 – 2 Dutzend keilförmigen, seitlich etwas ausgehöhlten Gliedern, in deren Nischen die Ährchen stehen. Jedes derselben besteht aus zwei Blüten, zwischen denen der stielförmige Ansatz zu einer dritten steht. Unter jedem Ährchen sitzen zwei Hüllspelzen; jede Blüte hat zwei besondere Spelzen, die untere, kahnförmige, mit einer steifhaarigen Granne besetzte Deckspelze und die obere Vorspelze. Die Staubblätter sind in der Dreizahl vorhanden; tiefer als sie stehen die zwei federigen Narben. Das Stäuben geschieht zwischen 6 und 7 Uhr morgens.

Gräser, Gramineen. Kl. III. einjährig u. zweijährig. Mai, Juni. H. 0,75 – 1,50 m.

 

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