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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil - Kapitel 161
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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siehe Bildunterschrift

Wiesensalbei, Sálvia praténsis L.

Die Wiesensalbei wächst auf trockenen Wiesen und in Weinbergen stellenweise häufig. Der unterirdische Stamm treibt alljährlich Sprosse, die mit Beginn des Winters verdorren; diese Sprosse sind oberwärts nebst den Deckblättern der Blüten, den Kelchen und Blumenkronen klebrig behaart und besitzen in dieser Behaarung ein Schutzmittel gegen aufkriechende Insekten. Die blaue, seltener rot oder weiß gefärbte Blüte der Salbei besitzt eine merkwürdige, äußerst wirksame Einrichtung zur sicheren Herbeiführung der Fremdbestäubung. Während die Lippenblütler sonst vier Staubblätter besitzen, sind bei den Salbeiarten zwei derselben verkümmert zu kleinen, pollenlosen sog. Staminodien. Die beiden anderen sind in folgender Weise umgestaltet: Die Antherenhälften eines Staubblatts, welche gewöhnlich dicht bei einander am Ende des Antherenträgers sitzen, sind in der Salbeiblüte weit auseinander gerückt, indem das sie verbindende Mittelband ungemein verlängert ist. Vermittelst dieses verlängerten Mittelbandes sitzen nun die Antherenhälften auf ihrem Träger, dem Staubfaden, wie zwei Knaben auf den Enden eines Wippbalkens. Der Balken ist jedoch so am Träger befestigt, daß seine Schenkel ungleich lang sind: an dem längeren Ende sitzt unter dem Helm der Blüte die eine, pollentragende Antherenhälfte; die andere am kürzeren Ende ist unfruchtbar geworden und zu einem löffelförmigen Plättchen ausgebildet. Da in dieser Weise zwei Staubblätter umgewandelt sind, so sitzen unter dem Helm zwei halbe Antheren, während am andern Ende des Mittelbandes zwei mit einander verwachsene Plättchen den Eingang zum honigreichen Blütengrunde verschließen, aus dem sich der Griffel erhebt. Dieser ragt oberhalb der Staubblätter mit der gespaltenen Spitze weit aus der Oberlippe hervor. Die anfliegende Hummel berührt, bevor sie sich auf der mit einem purpurroten Saftmal gezeichneten Unterlippe niederläßt, die Narbe und übt, wenn sie schon eine andere Salbeiblüte besucht hatte, Fremdbestäubung aus. Beim Eindringen des Rüssels in die Kronenröhre stößt sie gegen den Verschluß, welchen die beiden Plättchen bilden, hebt ihn nach innen zu in die Höhe und gelangt so zum Nektarium. Die Hebung der Plättchen aber bewirkt gleichzeitig eine Senkung der durch die beiden Mittelbänder mit ihnen verknüpften Antherenfächer, indem der ganze Apparat wie ein zweiarmiger Hebel wirkt. Die Antheren treten aus der Oberlippe hervor und neigen sich soweit, daß sie den Rücken der Hummel berühren und das Haarkleid mit Blütenstaub bepudern. Zieht das Tierchen nach Entnahme des Nektars Kopf und Rüssel zurück, so kehrt der Hebelapparat der Staubblätter in seine alte Stellung zurück. Auf diese Weise kann bei der Salbeiblüte nur Fremd-, niemals Selbstbestäubung hervorgerufen werden. – Den Namen Salbei, aus dem lateinischen Salvia entstanden, das Heilmittel bedeutet, verdankt die Gattung der Gartensalbei ( Salvia officinalis), deren grauweißfilzige, aromatisch duftende, bittere Blätter als kräftig zusammenziehendes und reinigendes Heilmittel bekannt sind.

Lippenblütler, Labiaten. Kl. II. Ausdauernde Pflanze. Mai – Herbst. H. 0,60 m.

 

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