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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil - Kapitel 155
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Beinwell, Sýmphytum officinále L.

Beinwell erfreute sich früher eines großen Ansehens als Heilpflanze. Ihr Name bedeutet Bein- oder Knochenwohl, weil sie bei Knochenbrüchen angewandt wurde; sie heißt auch Wallwurz (= Wohlwurzel), Schwarzwurz nach der Farbe ihrer Wurzelrinde, Beinheil und Schmalzwurz. Noch heutzutage wird die innen weiße, saftige, fleischige Wurzel, welche sehr schleimig ist und etwas süßlich schmeckt, in Abkochungen als erweichendes und schmerzstillendes Mittel bei Knochenbrüchen, Quetschungen und alten Geschwüren gebraucht. – Der ästige Stengel der Beinwurz ist mit breit lanzettlichen Blättern besetzt, die unten gestielt, oben aber sitzend sind. Die letzteren laufen am Stengel bis zum nächsten Blatt oder noch tiefer herab und bilden in ihrer Gesamtheit eine vorzügliche Wasserleitung. Die Oberfläche der Blätter ist mit einer rauhen Behaarung von Stechborsten besetzt, welche der Pflanze sicheren Schutz vor dem weidenden Vieh und Wild leiht. Die Blüten sind in kurzen, endständigen, gabelig geteilten Trauben vereinigt. Auch hier stellt sich wie bei der Hunds- und Ochsenzunge die Blütenspindel so ein, daß die aufbrechende Blüte die Stellung erhält, in der sie von den anfliegenden Insekten am besten gesehen und am bequemsten erreicht werden kann. Die älteren Blüten, für welche der Insektenbesuch keinen Wert mehr hat, rücken den aufblühenden aus dem Wege und stellen sich so, daß sie den Zugang zu den neuen Blüten ihres Blütenstandes nicht versperren. – Die Blüte des Beinwell gehört zu denjenigen, deren Honig nur für die langrüsseligsten Insekten erreichbar ist. Sie gleicht einer regelmäßigen Vase mit fünf Randzacken. In der Mitte der Vase beginnt eine Ausbauchung, und hier sind die fünf Staubblätter befestigt, abwechselnd mit fünf spitzen, gleichgerichteten Hautschuppen, die mit kleinen Dörnchen bewaffnet sind und den Zugang zum Blütengrunde vollständig schließen, indem sie sich mit ihren Spitzen kegelförmig zusammenneigen. Nur der lange Griffel ragt weit aus der Kelchspitze hervor. Das honigsuchende Insekt wird durch die Dörnchen der Hautschuppen gezwungen, den Schuppenkegel an seiner Spitze zu durchdringen, um den empfindlichen Rüssel nicht zu verletzen; dabei stößt es an die Antheren und wird an Kopf und Rüssel mit Pollen bestäubt, den es in der nächsten Blüte an der weit hervorragenden Narbe absetzt. Hummeln, die gewöhnlichen Besucher der Beinwurzblüten, entfalten bei ihrer Arbeit ungemeinen Eifer und große Stetigkeit. Sie scheinen von den verschieden, entweder gelblich-weiß oder rot gefärbten Blüten immer nur eine Farbe zu bevorzugen. Ich sah an einem schönen Augustmorgen an einem von Schwarzwurzstöcken besetzten Bachufer eine Erdhummel, die fast eine Viertelstunde lang unermüdlich nur rotblühende Pflanzen anflog, die dazwischen stehenden weißblühenden sowie den dicht dabei stehenden Wiesenklee aber durchaus verschmähte. Die besuchten Blüten waren nachher sämtlich honigleer. Eine Woche später wurden von einer andern Art nur die weißblühenden Stöcke besucht. Freilich sind nicht alle Besucher so redlich, ihre Nahrung auf dem vorgeschriebenen Wege um den erwünschten Gegendienst zu erwerben. Sehr oft findet man Schwarzwurzblüten, die am Grunde von außen angebissen und geleert sind. In solchen Fällen hilft sich die Pflanze durch Selbstbestäubung, indem die Blüte sich abwärts neigt, die Schlundschuppen erschlaffen und der herabfallende Pollen die tiefer stehende Narbe trifft.

Boragengewächse, Boraginaceen. Kl. V. Ausdauernde Pflanze. Mai – September. H. 0,30 – 1,00 m.

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