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Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil

Franz Bley: Botanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil - Kapitel 129
Quellenangabe
typereport
authorFranz Bley
titleBotanisches Bilderbuch für Jung und Alt. Erster Teil
publisherVerlag von Gustav Schmidt
year1897
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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siehe Bildunterschrift

Gemeiner Frauenmantel, Alchemílla vulgaris L.

In Wäldern und auf feuchten Wiesen fällt vom Mai bis zum Herbst der Frauenmantel auf, weniger durch seine kleinen gelblichgrünen Blüten als durch die sieben- bis neunlappigen langgestielten Blätter, welche, in jugendlichem Zustande tutenförmig aufgerollt, den Anlaß zur Benennung des Kräutchens gegeben haben. Im Volksmund führt es außerdem den Namen Taubecher. Im Grunde der schalenförmigen Blätter sammeln sich Tau und Regen in großen Tropfen und halten sich hier, wenn die andern Pflanzen schon wieder abgetrocknet sind. Während diese nun, soweit sie nicht durch andere Mittel geschützt sind, von dem grasenden Vieh abgefressen werden, bleiben die Taubecher unberührt und werden augenscheinlich gemieden. Schüttelt man das Wasser ab, so werden die Blätter von den Tieren gern genommen; es muß ihnen also unangenehm sein, Blätter abzuweiden, in denen sich Wasser gesammelt hat, und der Frauenmantel besitzt in dieser Fähigkeit, die Tropfen längere Zeit aufzubewahren, ein gutes Schutzmittel.

Trotz ihrer Kleinheit sind die Blüten des Taubechers doch mit Mitteln zur Anlockung der Insekten und zur Verhütung der Selbstbestäubung versehen. Über dem becherförmigen Fruchtknoten liegt in dem Becken, welches die vier Blumenblätter bilden, eine Ringleiste, deren Oberseite von einer dünnen Schicht Honig glänzt. Beim Öffnen der Blüte sind die Antheren der vier kurzen Pollenblätter noch geschlossen, die bereits geöffnete Narbe aber wartet inmitten der Honigleiste auf Insektenbesuch, und zu dieser Zeit ist nur Kreuzung möglich. Binnen 24 Stunden aber wächst der Griffel und zwar in schräger Richtung, so daß er auf eine der inzwischen ausgesprungenen Antheren trifft und der dort hervortretende Pollen die Narbe bestäubt. Dann bleibt der Pollen der drei übrigen Antheren immer noch für Besucher, zumeist Fliegen, zur Abholung bereit, um so mehr, als die Pollenfächer des Frauenmantels die Fähigkeit haben, in taureichen Nächten und zur Regenzeit sich wieder zu schließen und ihren Pollen einzukapseln, bis warmes Wetter ihnen erlaubt, sich zum zweiten oder dritten Male zu öffnen.

Rosengewächse, Rosaceen. Kl. IV. Ausdauernde Pflanze. Mai bis Herbst. H. 0,15 – 0,30 m.

 

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