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Gutenberg > Klabund >

Borgia

Klabund: Borgia - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
booktitleBorgia
authorKlabund
firstpub1928
year1928
publisherPhaidon Verlag
addressWien
titleBorgia
pages3-243
created20040921
sendergerd.bouillon
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V

Auf der Falkenjagd traf der Kardinal Rodrigo Borgia und der Graf Jean d'Armagnac zusammen. Sie zogen die Hüte und beschlossen, die Jagd gemeinsam fortzusetzen.

Beim Picknick, als die Korke von den Weinflaschen gesprungen, ergab es sich, daß der vom Weine sehr erhitzte Graf d'Armagnac den jungen Kardinal, der ebenfalls dem Weine reichlich zugesprochen hatte, aber völlig nüchtern geblieben war, um eine Unterredung unter vier Augen bat. Sie gingen abseits, und an zwei Bäume gelehnt, schwiegen sie sich zuerst eine Zeitlang an, ehe der Graf den Mut zu den ersten Worten fand.

Er schlug mit seiner Reitgerte in das Laub der Bäume.

Ob der hochwürdige Herr Kardinal sich irgendwie mit dem Wesen der Liebe beschäftigt habe – in der freien Zeit, die seine geistlichen Exerzitien ihm ließen –? Der Kardinal lächelte höflich:

Gewiß, mehr theoretisch allerdings, mehr platonisch, wie es einem Kirchenfürsten gezieme.

Gewiß, gewiß. Der Graf pflichtete ihm bei. Aber gerade auf die Theorie, auf das Prinzipielle komme es ihm an. Nämlich: inwieweit Heirat zwischen Blutsverwandten kirchlich gestattet oder – so wolle er sich ausdrücken– möglicherweise geduldet würde? Die Iris in den Augen des Kardinals begann aufzuleuchten.

Dürfe er den Herrn Grafen fragen, wen der Herr Graf zu heiraten wünsche?

Der Graf war vor Aufregung fast nüchtern geworden. Er bereute seine Offenherzigkeit dem undurchdringlichen Borgia gegenüber. Aber es war zu spät, das Geheimnis zu behalten. Er senkte den Kopf wie ein auf unrechtem Pfade ertappter Schüler:

Ich liebe – meine Schwester.

Der Kardinal schwieg.

Oben in den Bäumen sauste der Wind.

Und im Wind schrie ein Merlan, ein Raubvogel.

Hören Sie, sagte der Kardinal, wie schön, wie stark, wie ehrlich dieser Vogel schreit! Wir Menschen sind erbärmliche Lügner gegen ihn.

Der Graf blieb stumm. Er meinte sich von diesen glühenden, schwarzen Augen, die er kaum ertragen konnte, abgeblitzt.

Der Kardinal drehte den Ring mit dem Mondstein an seiner linken Hand.

Ein Halbedelstein – aber ein Glücksstein. Sie sollten sich und Ihrer Schwester – Ihrer Geliebten – und bald Ihrer Gattin – einen Mondstein schenken.

Der Graf fühlte sein Antlitz von Purpurröte übergossen.

So beschimpft und verachtet Ihr mich nicht wegen meiner unnatürlichen Liebe und Leidenschaft?

Der Kardinal lächelte:

Wie kann, was in der Natur ist, wider die Natur sein?

Und Ihr meint, Ihr könntet bei Seiner Heiligkeit, Eurem erhabenen Herrn Oheim, ein gutes Wort für einen Dispens einlegen?

Er senkte wieder die Stirn:

Yvonne erwartet in sieben Monaten ein Kind.

Der Kardinal löste sich vom Baum, als ob er wie ein Waldgott aus dem Stamm heraustrete:

Seid unbesorgt. Ich selbst werde die Bulle mit dem Ehedispens für Euch ausfertigen. Ihr werdet die Gewogenheit haben, meinem Bankier 25.000 Dukaten zu überweisen, wovon ein nicht unbeträchtlicher Teil für den Sekretär Seiner Heiligkeit, Herrn Giovanni di Volterra, und einen zweiten gegenzeichnenden Kardinal bestimmt ist.

Und die Unterschrift des Heiligen Vaters?

Der Kardinal lachte schallend.

Der Heilige Vater gibt seine Unterschrift umsonst! Kommen Sie, Graf, unser Gefolge vermißt uns schon.

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