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Gutenberg > Klabund >

Borgia

Klabund: Borgia - Kapitel 38
Quellenangabe
typefiction
booktitleBorgia
authorKlabund
firstpub1928
year1928
publisherPhaidon Verlag
addressWien
titleBorgia
pages3-243
created20040921
sendergerd.bouillon
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XXXVII

Der Himmel wölbte sich wolkenlos über den Borgia.

Die Sonne schien nur über die Ungerechten. Cesare Borgia vermählte sich mit einer französischen Prinzessin.

Als sie ihn in der Hochzeitsnacht zum ersten Mal ohne Helm und Stirnband sah, erschrak sie und war einer Ohnmacht nahe.

Der Borgia trug auf der Stirn unverkennbar das Zeichen der Franzosenkrankheit.

Madame, lächelte der Borgia, dieses Mal an der Stirn stammt von Gott und Frankreich. Sie werden es mich nicht entgelten lassen. Ich bin bereit, die Ehe mit Ihnen vorerst nur in effigie zu vollziehen.

Und er setzte sich auf den Bettrand, nahm eine Laute und begann Charlotte d'Albret römische Volkslieder vorzusingen, bis sie in die Hände klatschte und lachend den Refrain mitsang.

Cesare, der nach Italien zurückkehrte, hat seine Gattin in der Folge nie wiedergesehen.

 

Die Franzosen verbanden sich den Borgia. Die Colonna unterwarfen sich freiwillig.

Die Türken waren nach dem Tode Dschems in Italien eingefallen und hatten venezianische Häfen überrumpelt.

Der Papst predigte einen Kreuzzug, um bald mit den Türken insgeheim Frieden zu schließen.

Inzwischen führte Cesare, mit der Rückendeckung des französischen Königs, seinen Krieg gegen die italienischen Städte und Fürsten Mittelitaliens.

Eine Stadt nach der andern fiel ihm anheim.

Ein Fürst nach dem andern fiel im Feld oder floh.

Er war auf dem Wege zur italienischen Königskrone. Auf dem Wege – zu sich.

Sein Wahlspruch, auf seinem Degen eingraviert, lautete: Aut Cesare aut nihil.

 

Cesare Borgia liebte es, elegant und korrekt nach der letzten Mode gekleidet in die Feldschlacht zu ziehen. Er war mit seinem Schneider unzufrieden.

Du Hund von einem toskanischen Kleiderpfuscher, brüllte er ihn an, du hast mir die ganze Schlacht bei Forli versaut. Fünf grelle Farben hast du mir übern Leib gezogen, daß ich wie ein Arlecchino ausgesehen habe. Meinst du vielleicht, so ein Krieg sei ein Karneval, he?

Der Schneider raffte sich zu einer Erwiderung auf:

Sehr viel anderes ist der Krieg auch nicht. Nur fließt hier Blut und beim Fasching fließt Wein.

Verschone mich mit deiner bilderreichen Philosophie. Du bist nicht dazu da, um zu denken, sondern Röcke zuzuschneiden, und wenn du mir noch einmal ein solch jämmerlich verpatztes Kostüm lieferst, wie es das letzte war, schneide ich dir mit deiner eigenen stumpfen Schere die Nase und das ab, was dir zwischen den Beinen hängt und ihr ähnlich sieht. – Mund halten! Maß nehmen! Schluß!

 

Cesare belagerte die Burg Forli.

Er belagerte darin Annabella Sforza.

Annabella Sforza hatte Vater, Bruder, Gatten und Geliebten durch Mord und Gift verloren. Sie trug einen Kettenpanzer und ein eisernes Herz. Sie schlug sich für ihren kleinen Sohn Ottaviano.

Sie stand auf der Burgmauer und forderte Cesare zum Zweikampf. Sie höhnte ihn und warf ihm eine Brennesselstaude ins Gesicht.

Er begehrte sie, aber er ließ es sich nicht merken.

Er ließ ihr sagen, er sei bereit mit ihr zu kämpfen – im Olivenhain vor Forli – aber ohne Zeugen.

Sie lachte: sie fürchte sich nicht.

Am nächsten Morgen trafen sie sich im Hain.

Er schlug ihr im ersten Gang den Degen aus der Hand,

warf seinen Degen zu ihrem Degen ins Gras, umarmte sie und zwang sie, ihm zu Willen zu sein.

So wurde sie seine Gefangene, Leibes und der Seele.

 

Mit dem kleinen Ottaviano spielte Cesare Murmeln.

Als er eine von den bunten Glaskugeln gewann, in denen das Universum sich feurig drehte, schrie der Kleine zornig auf und schlug ihn mit der geballten Faust ins Gesicht.

Cesare rieb sich die leicht gerötete Wange: Du bist der einzige Mann, der Cesare Borgia hat erröten machen. Ich werde dir die Glaskugel wiedergeben. Und später, wenn du erwachsen bist, sogar Forli –

 

Cesare beugte sich über eine Karte von Italien. Er fuhr mit nervösen Fingern den Strömen und Gebirgszügen entlang.

Er hieb auf die einzelnen Städte ein – und sein Finger krümmte sich wie ein Geierschnabel.

Siena! Navarra! Genua! Neapel! überall herrschen andere Leute.

Er dachte »andere Leute«, denn im Grunde hatte es nur die einen Leute zu geben, die zum Herrschen berufen waren: die Borgia. Diese anderen, die Flachköpfe, Hohlhirne, Fettbäuche, zitternden Bohnenstangen – hatten stumm zu dienen, schweigend zu gehorchen.

Niedergeworfen waren die Riarier von Imola und Forli.

Und alsbald neigten sich, wie die Ähren vor dem Winde, alle Fürsten Italiens vor Cesare Borgia, Herzog von Valence, der heiligen römischen Kirche Bannerträger und Generalkapitän.

Es neigten sich Colonna und Orsini und sogar die Este und Gonzaga brachen ins Knie. –

Cesare kehrte nach Rom zurück, denn er brauchte Geld, Geld und wieder Geld für seine Kriegsfahrten.

Er zog als Triumphator in Rom ein, im Triumph Cäsars.

Auf einem Wagen führte er eine schöne nackte Frau mit sich, die wie ein Fisch in einem Netz zappelte.

Es war die Italia.

Von der Loggia Beneficione segnete der Papst den Einzug des siegreichen Sohnes und seine segnend erhobene Rechte zitterte vor Stolz.

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