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Borgia

Klabund: Borgia - Kapitel 3
Quellenangabe
typefiction
booktitleBorgia
authorKlabund
firstpub1928
year1928
publisherPhaidon Verlag
addressWien
titleBorgia
pages3-243
created20040921
sendergerd.bouillon
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II

Nephele, die Wolke, gebar nach neun Monaten von Ixion einen Sohn, der den Namen Kentauros erhielt.

Schon früh zog es ihn, wie seinen Vater, zu Pferden.

Er spielte mit der namenlosen Stute im Stall des Zeus und lernte bald, auf ihr nach allen vier Himmelsrichtungen reiten.

Er floh eines Tages auf der Stute aus dem Bereich der Götter und gelangte zu den Reichen der Menschen. Er gewann ein Weib und zeugte sieben Söhne mit ihr.

Seine Söhne vermischten sich, da sie in den Waldgebirgen Thessaliens nicht genug Weiber fanden, mit wilden Stuten.

In Steinbrüchen und feuchten Schluchten warfen die Stuten Kinder: halb Mensch, halb Pferd. Der Oberleib war der eines Menschen, der Unterleib der eines Pferdes. Die Hippokentauren wuchsen heran zu wilden, lüsternen Geschöpfen.

Sie kämpften mit Tieren, Menschen, Halbgöttern. Selbst ein Herakles hatte in Arkadien sich mit ihnen zu messen.

In ihrem Trotz und Übermut versuchten sie auch den Götterberg Olympos zu stürmen. Die namenlose Stute zeigte ihnen den Weg. Sie galoppierten im Schutz des Morgennebels die Berghänge empor. Aber Zeus, von einer aufgescheuchten Eule benachrichtigt, warf Blitze unter sie, daß sie bestürzt flüchteten. Sie sprangen die Felsen hinab und der Steinschlag donnerte hinter ihnen her. Viele brachen sich Genick und Rückgrat und die Adler und Geier fraßen ihre Herzen und Gedärme.

Einige aber kamen ans Mittelländische Meer, stürzten sich in die Wogen und schwammen zu den andern Festländern:

nach Afrika,

nach Sizilien.

Zwei gelangten voller Mühsal nach Spanien. Und von ihnen, so heißt es, stammen die Borgia ab.

 

Die Borgia melden ihre historische Herkunft aus der spanischen Stadt Borja, nicht weit vom Huecha in der Provinz Saragossa gelegen. Acht Ritter Borgia kämpften unter Don Jayme gegen die Mauren und 1238 erscholl zum erstenmal der Schlachtruf:

Borgia! Borgia!

In der Zisterzienserabtei Veruela, am Fuß des Moncayo westlich von Borja gelegen, weihten die Borgia ihre Trophäen aus dem Maurenkriege der heiligen Jungfrau: krumme Säbel, Turbane, Gürtel, Dolche, Spangen. An einer dieser Spangen hatte die Maurin Noa gehangen.

Alle acht Borgia liebten sie im winddurchwehten Zelt am heißen Tajo, bis sie der letzte, voll Eifersucht, daß sieben andere Borgia sie vor ihm gehabt, in der Umarmung erwürgte.

Ein letztes Röcheln aus ihrer Kehle seufzte: Borgia! Borgia!

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