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Borgia

Klabund: Borgia - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
booktitleBorgia
authorKlabund
firstpub1928
year1928
publisherPhaidon Verlag
addressWien
titleBorgia
pages3-243
created20040921
sendergerd.bouillon
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XXVII

Bei Fra Girolamo, der, im Gebet verloren, in karger Zelle auf seinem Schemel kniete, ließ sich ein junger, anonymer Römer melden, der ihn dringend unter vier Augen zu sprechen wünsche.

Fra Girolamo öffnete die Tür seiner Zelle und bat den jungen Mann, einzutreten.

Der junge Mann wartete höflich, bis der Frater ihn zum Sitzen eingeladen.

Es war nur ein Schemel in der Zelle. Girolamo setzte sich auf den Bettrand.

Der junge Mann, der einen offenen, klaren Blick, eine hohe Stirn und ein feines, zurückhaltendes Benehmen zeigte, eröffnete das Gespräch:

Ich muß Ihnen zuerst meinen Namen nennen. Denn ich kenne Sie – aber Sie kennen mich nicht. Ich heiße Cesare Borgia.

Fra Girolamo fuhr vom Bettrand auf. Cesare hob seine schöne, schlanke Hand: Erschrecken Sie nicht. Ich bin inkognito in Florenz. Ihretwegen. Ich fresse Sie nicht. Und ich habe auch keine Waffe bei mir.

Der Pater wehrte ab.

Ich fürchte Sie nicht.

Cesare verneigte sich höflich.

Um so schlimmer für Sie. Ich unterschätze Sie nicht.

Fra Girolamo ging einmal in der Zelle auf und ab und blieb vor dem Kruzifix und der ewigen Lampe stehen.

Das Licht der ewigen Lampe zitterte unruhig.

Dann wandte er sich plötzlich Cesare zu. Was wünschen Sie von mir?

Cesare:

Friede. Friede zwischen Ihnen und den Borgia.

Girolamo begehrte heftig auf:

Wer hat den Frieden gebrochen? Wer hat Italien, die Welt in Unordnung gestürzt? Wer hat die ewigen Sittengesetze auf den Kopf gestellt? Wer herrscht infolge Krieg und Kriegsgreuel? Wer hetzt alle Menschen gegeneinander – um aus ihrer Zerrissenheit Nutzen zu gewinnen?

Cesare blieb sehr ruhig:

Sie sind ein Phantast, Frater. Wir Borgia sind Realisten. Die Moral ist ein ganz hübsches Gängelband für die Schwachen, die ihrer bedürfen. Aber sie ist so zeitgebunden wie die Mode. Man kann keine Weltanschauung darauf bauen. Sie selbst, Frater, stehen so gut außerhalb der heutigen – Mode wie die Borgia.

Girolamo drängte:

Was ist der Zweck Ihres Besuches?

Cesare schlug seinen Handschuh übers Knie: Mein Vater schickt mich. Sie haben Seine Heiligkeit schwer gekränkt und beleidigt. Wäre sie nicht so großzügig – seine Stimme wurde hart –, so würde sie Ihnen einen Galgen anbieten. Statt dessen bietet sie Ihnen – Fra Girolamo sah erwartungsvoll auf die Lippen des Borgia. Dieser schloß:

den Kardinalshut.

Fra Girolamo lachte hell auf:

Der Kardinalshut pflegt bei Seiner Heiligkeit zehn- bis zwanzigtausend Dukaten zu kosten. Ich bedaure –

Cesare unterbrach:

Sie haben das Gelübde der Armut abgelegt. Sie erhalten den Purpur unter einer Bedingung –

Die wäre?

Sie stellen den Kampf gegen Seine Heiligkeit sofort ein.

Der Mönch donnerte:

Nie! Nie! Nie! Das Gewissen der Menschheit und mein Gewissen verlangt diesen Kampf von mir. Es gibt nur eine Möglichkeit der Verständigung und des Friedens zwischen dem Papst und mir: Der Papst gelobt Reue, Buße, Besserung und geht an eine sofortige Reformation der Kirche.

Cesare Borgia erhob sich.

Er sagte leise:

Nie. Nie. Nie. Sie haben einen harten Kopf und ein steifes Rückgrat. Aber bedenken Sie folgendes: Der Kopf Seiner Heiligkeit ist nicht nur hart, sondern auch klug. Und sein Rückgrat ist die Kirche, während Sie sich nur an die brüchigen Wände eines Florentiner Klosters lehnen können. Aber, wie Sie wollen. –

Der Borgia stand auf, zog sich die Handschuhe an, verneigte sich und ging.

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