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Borgia

Klabund: Borgia - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
booktitleBorgia
authorKlabund
firstpub1928
year1928
publisherPhaidon Verlag
addressWien
titleBorgia
pages3-243
created20040921
sendergerd.bouillon
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XVII

Einige Tage nach seiner Wahl zum Papst beschied Alexander Cesare und Lucrezia in sein Schloß von Nepi.

Er schickte für einen Nachmittag sämtliche Bedienstete fort, und es blieb niemand im Haus als die drei Borgia.

Sie saßen im großen Saal um den großen Tisch, auf dem die Karte Italiens, ein Globus und ein Totenkopf lagen.

Niemand lauschte ihnen als die dicken Mauern.

Ein Sonnenstrahl fiel durch das schmale Fenster auf den Scheitel Lucrezias, der hell aufleuchtete.

Mit Wohlgefallen betrachteten sie Alexander und Cesare.

Im Strahl tanzte eine grüne spanische Fliege.

 

Als der Papst die erste offizielle Messe las, bestiegen mit ihm die schönsten Frauen Roms die Sitze der Chorherren von Sankt Peter. Ich will die Priester, diese grauen Raben, nicht zu dicht vor mir sehen: sie riechen auch schlecht, die ungewaschenen Heiligen, mir und Gott wohlgefälliger sind die wohlduftende Julia Farnese, meine innigst Geliebte, meine Madonna, die ich malen lassen werde, mich selbst davor in Anbetung versunken, Lucrezia, mein Töchterchen, und all die anderen reizenden Rotkehlchen, Nachtigallen und Kolibris.

Sie zwitscherten und lächelten und lachten in seine Messe hinein.

Sie lächelten nach oben, er nach unten,

und Julia Farnese warf eine Kußhand in sein Amen. –

Unter dem Publikum, das die Kirche füllte und diese Messe mit Erstaunen teils und teils mit Abscheu sah, befand sich der Florentiner Mönch Fra Girolamo, der während der unheiligen Handlung ohnmächtig zu Boden stürzte und von seinen Nachbarn hinaus ins Freie getragen werden mußte. Sie ließen ihn zwischen den Säulen der Vorhalle liegen.

Als er erwachte und aus einem wahnwitzigen Traum zu erwachen glaubte,

stand er auf

und lehnte sich an eine Säule.

Die Tränen rannen ihm, als er wieder zu sich kam, und er umarmte die Säule und küßte sie.

O Säule! Wie froh bin ich, daß du kein Mensch bist! Sei auch du dessen froh! Du hast keine Augen, die Schande Roms und der Welt zu sehen. Du hast kein Herz, die Qual dieses Lebens zu empfinden.

O Stein, o kühler Stein, o lieber Stein! Kühle meine heiße Stirn, hinter der das Fieber brennt und die Simsonsehnsucht, dich und alle Säulen dieser Kirche an mich zu reißen, daß Sankt Peter über dem Papst und seinen Päpstlingen krachend zusammenstürze!

Aber ach – er preßte seufzend die Säule an seine Brust –, ich bin zu schwach.

Zu schwach und zu feige.

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