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Böcklin und Thoma. Acht Vorträge über neudeutsche Malerei

Heinrich Thode: Böcklin und Thoma. Acht Vorträge über neudeutsche Malerei - Kapitel 1
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authorHenry Thode
titleBöcklin und Thoma. Acht Vorträge über neudeutsche Malerei
publisherCarl Winter's Universitätsbuchhandlung
year1905
firstpub1905
correctorreuters@abc.de
senderbakcm@aol.com
created20100727
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Vorwort

Hiermit bringe ich die in diesem Sommersemester von mir gehaltenen Vortrage einem größeren Publikum zur Kenntniß. Da ich kein Manuskript für sie benutzt, sondern meiner Gewohnheit gemäß frei geredet habe, sah ich mich für ihre Wiedergabe auf Stenogramme angewiesen. Die Berücksichtigung der Unterschiede in der Wirkung des gesprochenen und des geschriebenen Wortes veranlaßte mich zu kleinen Abänderungen und schärferer Fassung des Ausdruckes im Einzelnen, ohne daß hierdurch der Sinn im Geringsten beeinflußt oder ein literarischer Stil angestrebt worden wäre. Auch erwiesen sich mir einige ausführende Ergänzungen als wünschenswerth, doch konnte ich sie auf ein geringes Maaß beschränken, da nähere Erläuterungen meinen anderen Büchern und Schriften, vornehmlich in die deutsche bildende Kunst (in Meyers Volksbüchern), die Malerschule von Nürnberg (Frankfurt 1891), Böcklin und Thoma (Heidelberg 1905), und Michelangelo (Einleitung des II. Bandes, Berlin 1903) zu finden sind. An dem Wortlaut der Äußerungen polemischer Art, wie er, im Wesentlichen getreu, durch die Zeitungen wiedergegeben worden ist, habe ich nichts geändert, damit ein Jeder sich davon überzeugen könne, ob die Angriffe, welche Max Liebermann auf Grund jener Referate gegen mich gerichtet hat, berechtigt waren.

Diese öffentlichen Angriffe, wie die auch von anderen Seiten erfolgenden, waren nicht sachliche Erwiderungen, sondern persönliche Schmähungen, dazu bestimmt, mich als Einen hinzustellen, dessen Meinung keinen Werth besitze, und der kein Vertrauen verdiene. Sie sprachen mir, unter Zeugenanrufung eines durch seine anmaaßenden Ausfälle bekannten Wiener Kunsthistorikers, jedes Verständniß für die alte nicht minder wie für die neue Kunst ab. Sie legten mir unsinnige Behauptungen in den Mund, wie z. B. die, daß der Deutsche keine Begabung für die bildende Kunst besitze. Ich bin der intellektuellen Immoralität geziehen, ein Komödiant genannt worden – und was nicht noch sonst! Meine einzige Antwort ist die Veröffentlichung dieses Buches.

Bedenke ich aber die Art der mir widerfahrenen Anfeindungen und die Zustände, die ein solches Vorgehen möglich machen, muß ich mich fragen: sind wir denn so weit gekommen, daß man wichtige allgemeine Angelegenheiten nicht mehr behandeln kann, ohne sich Insulten auszusetzen? Als wäre es nicht schon traurig und beschämend genug, daß der Deutschgesinnte sich genöthigt sieht, deutsche Kunst und deutsches Wesen zu rechtfertigen, und im eigenen Vaterlande sich wehren muß, um zu sein, was er ist!

Heidelberg, 13. September 1905.

Henry Thode.

*

Gieb also, werde ich dem jungen Freund der Wahrheit und Schönheit zur Antwort geben, der von mir wissen will, wie er dem edeln Trieb in seiner Brust bei allem Widerstande des Jahrhunderts Genüge zu thun habe, gieb der Welt, auf die Du wirkst, die Richtung zum Guten, so wird der ruhige Rhythmus der Zeit die Entwicklung bringen. Diese Richtung hast Du ihr gegeben, wenn Du, lehrend, ihre Gedanken zum Nothwendigen und Ewigen erhebst, wenn Du, handelnd oder bildend, das Nothwendige und Ewige in einen Gegenstand ihrer Triebe verwandelst. Fallen wird das Gebäude des Wahns und der Willkürlichkeit, fallen muß es; es ist schon gefallen, sobald Du gewiß bist, daß es sich neigt; aber in dem innern, nicht bloß in dem äußern Menschen muß es sich neigen. In der schamhaften Stille Deines Gemüthes erziehe die siegende Wahrheit, stelle sie aus Dir heraus in der Schönheit, daß nicht bloß der Gedanke ihr huldige, sondern auch der Sinn ihre Erscheinung liebend ergreife. Und damit es Dir nicht begegne, von der Wirklichkeit das Muster zu empfangen, das Du ihr geben sollst, so wage Dich nicht eher in ihre bedenkliche Gesellschaft, bis Du eines idealischen Gefolges in Deinem Herzen versichert bist. Lebe mit Deinem Jahrhundert, aber sei nicht sein Geschöpf!

Schiller:
Über die ästhetische Erziehung des Menschen.

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