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Bob Singleton

Daniel Defoe: Bob Singleton - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
booktitleLeben und Abenteuer des weltbekannten Seeräubers Bob Singleton
authorDaniel Defoe
translatoranonymus
editorJoseph Grabisch
firstpub1720
year1919
publisherGeorg Müller Verlag
addressMünchen
titleBob Singleton
pages1-425
created20060713
sendergerd.bouillon
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Nachdem wir das Schiff erbeutet hatten, war unsere erste Verlegenheit, was wir mit den Negern beginnen sollten. Die Portugiesen in Brasilien würden sie uns alle abgekauft haben und mit dem Handel wohl zufrieden gewesen sein, wenn wir uns dort nicht als Feinde gezeigt hätten und nicht als Seeräuber bekannt wären. Aber wie die Sachen standen, durften wir es nicht wagen, in dieser Gegend irgendwo an Land zu gehen oder mit einem der Pflanzer zu unterhandeln, weil wir das ganze Land gegen uns aufgebracht hatten. Wären Kriegsschiffe in einem dortigen Hafen gewesen, so hätten wir ganz sicher darauf rechnen dürfen, von ihnen und von der ganzen schlagfertigen Bande angegriffen zu werden.

Ebensowenig konnten wir auf einen besseren Erfolg hoffen, wenn wir uns nördlich nach den Pflanzungen wandten. Einen Augenblick beschlossen wir sie alle nach Buenos Aires zu führen und dort an die Spanier zu verkaufen, aber es waren ihrer wirklich zu viele, als daß wir dort alle hätten unterbringen können. Und sie auf der Südsee herumzuführen, was das einzige Mittel war, das uns übrig blieb, kostete soviel Zeit, daß wir nicht imstande gewesen wären, sie auf einer so langen Reise zu unterhalten.

Endlich half uns unser alter nie verlegener Freund William abermals, wie er uns schon so oft aus schweren Nöten geholfen hatte. Sein Vorschlag war: er selbst wollte mit etwa zwanzig Mann der zuverlässigsten Leute als Schiffsherr fortgehen und die Schwarzen auf der brasilianischen Küste unter der Hand an die Pflanzer zu verkaufen suchen, jedoch nicht in den Haupthäfen, weil es dort nicht gestattet wäre.

Wir stimmten alle bei und beschlossen uns nach dem Laplatafluß zu wenden, wohin wir schon vorher hatten segeln wollen.

Mittlerweile begab sich William nach dem Norden und landete am Vorgebirge St. Thomas. Zwischen diesem und den Tuberonischen Inseln fand er Gelegenheit alle seine Neger, sowohl Männer als Weiber, zu sehr guten Preisen zu verkaufen; denn William, der vorzüglich Portugiesisch sprach, erzählte ihnen eine recht hübsche Geschichte, wie das Schiff schlecht mit Lebensmitteln versehen und sie von ihrem Kurse abgekommen wären, und daß sie sich jetzt nördlich nach Jamaika wenden oder hier auf der Küste ihre Sklaven verkaufen müßten. Dies war eine recht wahrscheinliche Erzählung, die auch leicht Glauben fand, und wenn man die Art, wie die Neger segelten, und das, was ihnen auf ihrer Fahrt begegnete, in Betracht zog, so war auch jedes Wort daran wahr.

Auf diese Art, und da niemand ihm widersprach, galt William für das, was er eigentlich war, nämlich für einen ganz ehrlichen Burschen, und mit Hilfe eines Pflanzers, der zu seinen Nachbarn schickte und den Verkauf unter ihnen besorgte, machte er schnell einen guten Markt. Und in weniger als fünf Wochen verkaufte William alle seine Neger, zuletzt selbst das Schiff und kam mit seinen zwanzig Mann und zwei Negerknaben, die er noch übrig behielt, auf einer der Schaluppen, mit denen die Pflanzer die Neger geholt hatten. Mit dieser Schaluppe segelte Kapitän William, wie wir ihn damals nannten, ab und traf uns in Port Santo Pedro.

Nichts überraschte uns mehr, als eine Schaluppe mit den portugiesischen Farben längs der Küste daher fahren zu sehen, die gerade auf uns lossteuerte, nachdem sie unsere beiden Schiffe entdeckt hatten. Wir feuerten, als sie näher kam, eine Kanone ab, um sie zum Ankern zu veranlassen, allein die Schaluppe begrüßte uns sogleich mit fünf Kanonenschüssen und ließ ihre englische große Fahne wehen. Nun begannen wir zu erraten, daß es Freund William war, wunderten uns aber, wie er zu einer Schaluppe gekommen sein sollte, da wir ihn in einem Schiffe von etwa dreihundert Tonnen abgeschickt hatten. Allein er erzählte uns bald seine ganze Geschichte, mit der wir alle Ursache hatten sehr wohl zufrieden zu sein.

Außer der Schaluppe hatte William für sein Schiff dreihundert Gulden in Gold erhalten, und für diese Summe die Schaluppe mit soviel Mundvorrat, als sie fassen konnte, besonders mit Brot, Schweinefleisch und etwa sechzig lebenden Schweinen versehen. Unter anderm hatte er achtzig Tonnen gutes Schießpulver, das uns sehr erwünscht war, gekauft, und auch die Vorräte, die sich noch in dem französischen Schiffe befunden hatten, ebenfalls mitgenommen.

Dies war eine sehr angenehme Kunde für uns, namentlich als wir sahen, daß William an geprägtem oder gewogenen Golde und einigem spanischen Silber 60 000 spanische Piaster bekommen hatte, und außerdem eine neue Schaluppe nebst einer bedeutenden Menge Mundvorrat.

Wir waren mit der Schaluppe überaus wohl zufrieden und begannen zu beraten, was wir tun sollten: ob es nicht das beste wäre, unser großes portugiesisches Schiff wegzuschicken und uns auf unser erstes Schiff und die Schaluppe zu beschränken, zumal da wir nicht Mannschaft genug für alle drei hatten, auch das größte Schiff für unser Geschäft als zu groß erachtet wurde. Indes beschleunigte ein anderer Streit, der jetzt beendet werden mußte, diese Entscheidung. Es handelte sich nämlich um die Frage, wohin wir gehen sollten. Mein Kamerad, wie ich ihn jetzt nannte, nämlich mein Kapitän vor der Erbeutung des portugiesischen Kriegsschiffes, meinte, wir sollten uns nach der Südsee wenden und auf der westlichen Seite von Amerika, wo wir unfehlbar den Spaniern mehrere gute Beuten abjagen könnten, an der Küste entlang fahren, möglicherweise könnten wir dann durch die Südsee nach Ostindien zurückkehren und so die Welt umschiffen, wie andere es vor uns getan hatten.

Aber in meinem Kopfe war ein anderer Plan gereift. Ich war in Ostindien gewesen und hatte seither immer die Meinung, wenn wir dorthin segelten, müßten wir unfehlbar gute Geschäfte machen, dort hätten wir eine sichere Zufluchtsstätte und könnten unser Schiff bei meinen alten Freunden, den Einwohnern von Zanguebar auf der Küste Mozambique oder der Insel St. Lorenzo mit gutem Ochsenfleisch versehen. Ich sagte, meine Gedanken hätten diese Richtung genommen, ich schwatzte ihnen nun soviel von den Vorteilen vor, die sich bei ihrer Stärke gewiß von den Fängen erringen ließen, die sie im Golf von Mocha, im Roten Meer und an den Küsten von Malabar oder in der Bucht von Bengalen machen müßten, daß ich sie in große Verwunderung setzte.

Mit diesen Gründen setzte ich auch meine Meinung durch. Wir beschlossen einstimmig südöstlich nach dem Kap der guten Hoffnung zu steuern, und infolge dieses Beschlusses wurde auch ausgemacht, die Schaluppe zu behalten und mit allen drei Fahrzeugen fortzusegeln, denn auf meine Versicherung hin zweifelte niemand daran, daß wir dort Leute finden würden, um unsere Zahl zu ergänzen; wo nicht, so könnten wir ja eines der Fahrzeuge abgeben, wenn wir wollten.

Wir konnten auch nichts besseres tun, als unsern Freund William zum Kapitän der Schaluppe machen, die er uns durch seine guten Handelsgeschäfte zugeführt hatte. Er sagte uns jedoch, wiewohl mit sehr viel Artigkeit, er werde das Kommando nicht übernehmen, aber wenn wir ihm das Fahrzeug für seinen Anteil an dem Guineaschiff geben wollten, zu welchem wir so ehrlich gekommen waren, so würde er uns auf unsern Befehl als Proviantmeister Gesellschaft leisten, solange er unter derselben Macht stünde, die ihn weggenommen habe.

Wir willigten ein und gaben ihm die Schaluppe unter der Bedingung, daß er nicht von uns gehen und durchaus unter unserm Kommando stehen sollte. Indes war William nicht mehr so munter wie zuvor, und als wir nachher die Schaluppe und einen recht durchtriebenen Piraten für sie brauchten, um Einkäufe zu besorgen, so sehnte ich mich so sehr nach William, daß ich nicht länger ohne ihn bleiben wollte, denn er war bei allen Gelegenheiten mein Ratgeber und Begleiter gewesen. Ich schickte daher einen Schotten, einen kühnen unternehmenden Burschen namens Gordon, auf die Schaluppe und gab ihm zwölf Kanonen nebst vier Matrosen, obgleich es uns an Mannschaft fehlte, denn keines von unsern Schiffen war im Verhältnis zu seiner Größe gehörig bemannt.

Wir segelten zu Anfang des Oktober nach dem Kap der guten Hoffnung und kamen, nachdem wir viel schlechtes Wetter gehabt hatten, in die Sehweite desselben. Wir erblickten auf diesem Wege mehrere Kauffahrteischiffe, sowohl englische als holländische, konnten aber nicht sagen, ob sie für das Ausland oder die Heimat bestimmt waren. Dem sei nun wie ihm wolle, wir hielten es nicht für geraten zu ankern, da wir nicht wußten, wer sie wären oder was sie vielleicht gegen uns unternehmen würden, wenn sie uns erkannten. Da wir indes frisches Wasser brauchten, so schickten wir die zwei zum portugiesischen Kriegsschiffe gehörigen Boote nebst allen portugiesischen Matrosen und Negern an den Wasserplatz, um Wasser zu holen. Inzwischen zogen wir aber auf See eine portugiesische Flagge auf und verhielten uns die Nacht über ruhig. Sie wußten nicht, wer wir wären, denn sie hielten uns augenscheinlich für andere.

Ehe jedoch unsere Leute das letztemal zurückkehrten, hatte sich ein sanfter Westwind erhoben, und wir bemerkten in der Morgendämmerung ein Boot, das in aller Eile auf uns zusegelte, als fürchtete es sich, wir möchten weiter fahren. Wir fanden bald, daß es eine englische wohlbemannte Schaluppe war, und konnten uns nicht denken, welcher Zweck sie zu uns führe. Da es nur eine Schaluppe war, so hielten wir es nicht für gefährlich die Leute an Bord kommen zu lassen. Wenn es sich dann herausstellte, daß sie bloß kamen, um Erkundigung über uns einzuziehen, so gedachten wir, ihnen einen genauen Bericht über all unser Tun und Lassen abzustatten und sie mit uns zu nehmen, zumal da es uns sehr an Mannschaft gebrach, allein sie ersparten uns die Mühe, uns wegen ihrer Behandlung die Köpfe zu zerbrechen, denn wie es schien, waren unsere portugiesischen Matrosen, welche Wasser holten, an dem Wasserplatz nicht so verschwiegen gewesen, als wir von ihnen erwartet hatten. Der Fall war kurz, der Kapitän des nachmals für China bestimmten ostindischen Kauffahrteischiffes hatte Ursache gefunden, gegen seine Leute sehr streng zu sein, und einige von ihnen auf St. Helena äußerst hart behandelt, sie hatten daher unter sich beschlossen, bei der nächsten besten Gelegenheit das Schiff zu verlassen, und sich lange vergebens danach gesehnt. Einige von diesen Leuten waren, wie es schien, mit unserer Bootmannschaft auf dem Wasserplatz zusammengetroffen und hatten sich erkundigt, wer wir wären und welches Geschäft wir trieben. Ob nun die portugiesischen Matrosen dadurch, daß sie nicht gewandt genug Rechenschaft gaben, den Verdacht erweckten, daß wir auf einem Kaperzuge begriffen wären, oder ob sie es auf gut englisch sagten, kurz, kaum hatten sie die Nachricht an Bord gebracht, daß die östlich liegenden Schiffe englische und im Geschäft begriffen seien, was beiläufig gesagt der Matrosenausdruck für Seeräuberei treiben ist, ich sage, kaum hatte sie dies gehört, so gingen sie ans Werk, packten bei Nacht alles, was sie in die Hände bekamen, ihre Koffer, Kleider, und was sie sonst noch erwischen konnten, zusammen, segelten vor Tage ab und erreichten uns gegen sieben Uhr.

Nach einigen Tagen schlechten Wetters ankerten wir auf der Rheede der Augustinsbucht, am südwestlichen Ende meiner alten Bekannten, der Insel Madagaskar. Hier lagen wir eine Weile und erhandelten von den Eingeborenen einige gute Ochsen ein, die ausgezeichnet und fett waren und so zart und schmackhaft wie in England und uns um so besser schienen, da wir schon sehr geraume Zeit kein Ochsenfleisch mehr in England gekostet hatten.

Als wir einige Zeit hier verweilt hatten, begannen wir zu bedenken, daß dies kein Ort für unsere Geschäfte war, und ich, der ich noch einige besondere Privatabsichten hatte, sagte ihnen, dies sei kein Platz für Leute, welche Geschäfte beabsichtigten. Ich sagte ihnen, was ich bei meiner Umseglung der Insel auf einer früheren Fahrt bemerkt hätte: wie auf dem nördlichsten Punkte derselben sich mehrere gute Häfen und Rheeden für unsere Schiffe befänden, die Eingeborenen wären womöglich noch höflicher und umgänglicher als da, wo wir jetzt weilten, weil sie noch nicht so viele Mißhandlungen von europäischen Schiffen erlitten hätten wie die auf der Süd- und Ostseite: wir könnten daher jedenfalls eines guten Rückzugsortes versichert sein, wenn wir durch irgendeine Not, sei es durch Feinde oder durch die Witterung, genötigt würden zu landen.

Sie ließen sich von der Zweckmäßigkeit meines Planes leicht überzeugen, und auch Kapitän Wilmot, den ich jetzt unsern Admiral nannte, trat ihm bei, obgleich er anfangs der Ansicht gewesen war, wir sollten an der Insel Mauritius anlegen und auf einige europäische Kauffahrteischiffe von der Reede von Koromandel oder der Bucht von Bengalen her warten. Es ist wahr, wir fühlten uns stark genug, um ein englisch-ostindisches Schiff erster Größe anzugreifen, obgleich man sagte, daß einige von ihnen fünfzig Kanonen führten, allein ich stellte ihm vor, daß es dabei unter allen Umständen Schläge und Blut genug setzen würde, und wenn wir es auch in unsere Gewalt bekämen, so wäre seine Ladung für uns nicht von so großem Wert, weil wir keinen Raum hätten die Waren unterzubringen; bei unsern damaligen Verhältnissen würden wir besser tun, ein einziges nach dem Auslande bestimmtes Schiff mit seiner baren Kasse an Bord im Betrage von vielleicht vierzig- bis fünfzigtausend Pfund wegzunehmen, als drei für England bestimmte, wenn auch ihre Ladung in London dreimal so viel wert wäre, denn wir wüßten ja nicht, was wir mit den Waren anfangen sollten, während die Londoner Schiffe außer ihrem Geld eine Menge Sachen bei sich führten, die wir recht gut gebrauchen könnten, wie ihre Vorräte an Lebensmitteln, Spirituosen und dergleichen Dinge, welche den Gouverneuren und Faktoreien der englischen Niederlassungen zugesandt würden. Wenn wir schon entschlossen wären, unser Augenmerk auf Schiffe unseres eigenen Landes zu richten, so sollten wir solche ausersehen, die von London herkämen, nicht aber solche, die auf der Rückfahrt dorthin begriffen wären.

Alle diese Gründe zusammen stimmten den Admiral vollkommen für meine Ansicht. Nachdem wir daher an unserm damaligen Aufenthaltsort, das heißt nahe am Kap Santa Maria auf der südwestlichen Ecke der Insel, Wasser und einige frische Mundvorräte eingenommen hatten, lichteten wir die Anker und steuerten südwärts, sodann südsüdöstlich um die Insel herum, und nach einer etwa sechstägigen Fahrt kamen wir aus dem Kielwasser der Insel und steuerten weiter gegen Norden und kreuzten nördlich nach der arabischen Küste hin. Wir hatten hier noch nicht über drei Tage gekreuzt, als wir ein Schiff erspähten und Jagd darauf machten; als wir aber in seine Nähe kamen, so fanden wir den elendsten Fang, den je ein Pirat gemacht hat, denn es enthielt nichts als ein paar arme halbnackte Türken, die nach Mekka zum Grabe ihres Propheten Mohammed wallfahrteten. Die Dschonke führte nichts, was der Mühe des Nehmens wert gewesen wäre, als ein bischen Reis und ein bischen Kaffee, worin der ganze Mundvorrat dieser armen Schelme bestand, wir ließen sie daher ziehen, denn wir wußten nicht, was wir mit ihnen machen sollten.

Noch an demselben Abend trieben wir eine andere zweimalige Dschonke auf, die etwas besser aussah als die erste. Als wir an Bord kamen, fanden wir, daß die Leute dieselbe Absicht hatten, doch etwas vornehmer waren als die andern, hier plünderten wir ein wenig, nahmen einigen türkischen Mundvorrat, etliche Diamanten aus den Ohrringen von fünf oder sechs Personen, einige feine persische Teppiche, worauf sie gewöhnlich lagen, und etwas Geld, dann ließen wir sie gleichfalls ziehen.

Wir verweilten hier noch elf Tage, ohne etwas anderes ausfindig zu machen als dann und wann ein Fischerboot. Am zwölften Tage unserer Kreuzfahrt erst spähten wir ein Schiff aus. Wir holten es ein und nahmen es ohne Kampf, obgleich es auch einige Kanonen an Bord hatte. Es war mit portugiesischen Matrosen bemannt, stand aber unter der Führung von fünf türkischen Kaufleuten, die es auf der malabarischen Küste von einigen portugiesischen Handelsleuten gemietet und mit Pfeffer, Salpeter und Spezereien befrachtet hatten, der Rest der Ladung bestand hauptsächlich aus Kattun und gewirkten Seidenstoffen, unter denen einige sehr kostbare waren.

Wir nahmen es, wußten aber nicht, was wir damit machen sollten, denn alle ihre Güter hatten wenig oder gar keinen Wert für uns. Nach einigen Tagen nahmen wir Gelegenheit, einem der türkischen Kaufleuten zu verstehen zu geben, wenn er das Schiff auslösen wollte, so würden wir uns mit einer Geldsumme abfinden und sie ziehen lassen. Er sagte mir, wenn ich einem von ihnen erlauben wollte nach dem Lande zu gehen, um das Geld zu holen, so würden sie es tun, worauf wir die Ladung auf dreißigtausend Dukaten anschlugen. Nach dieser Übereinkunft ließen wir ihn auf der Schaluppe nach Dofar in Arabien fahren, wo ein reicher Kaufmann das Geld für sie auslegte und selbst mit unserer Schaluppe kam. Nach der Zahlung der Summe ließen wir sie dann ehrlich und friedlich weiterziehen.

Einige Tage darauf nahmen wir eine arabische Dschonke, welche von dem persischen Golf nach Mocha fahren wollte und einen großen Vorrat an Perlen an Bord hatte. Wir erleichterten sie um die Perlen, die, wie es schien, einigen Kaufleuten in Mocha gehörten, und ließen sie ziehen, denn es war hier sonst nichts aufzutreiben, was unsere Mühe belohnt hätte.

So kreuzten wir noch längere Zeit hin und her, bis wir merkten, daß unsere Vorräte auf die Neige gingen, worauf Kapitän Wilmot sagte, es sei Zeit an die Rückkehr nach dem Sammelplatze zu denken, die übrige Mannschaft sagte dasselbe, da sie ein wenig überdrüssig waren, sich länger als drei Monate herumwerfen zu lassen und wenig oder gar nichts aufzutreiben, was unsern großen Erwartungen entsprochen hätte. Ich aber verließ höchst ungern das Rote Meer mit so geringer Ausbeute und drang deshalb darauf noch ein wenig länger hier zu bleiben. Drei Tage darauf erfuhren wir zu unserm großen Leidwesen, daß wir durch die Aussetzung der türkischen Kaufleute in Dofar die ganze Küste bis zum Golf von Persien in Schrecken gesetzt hatten, so daß kein Fahrzeug mehr diesen Weg nehmen wollte, und somit von dieser Seite her nichts mehr zu erwarten war.

Diese Nachricht ärgerte mich sehr, und ich konnte nun nicht länger den ungestümen Wünschen meiner Mannschaft, nach Madagaskar zurückzukehren, widerstehen. Da indes die Winde fortwährend von Südsüdost her bliesen, so waren wir genötigt, nach der Küste Afrikas zu steuern, weil die Winde in der Nähe des Landes mehr wechseln als auf der offenen See.

Hier überfielen wir eine Beute, an die wir nicht gedacht hatten, und die uns für alles Warten entschädigte, denn in derselben Stunde, da wir Land entdeckten, erspähten wir ein großes Schiff, das in südlicher Richtung am Ufer entlang segelte. Es war aus Bengalen und gehörte dem Lande des Großmoguls an, hatte aber einen holländischen Steuermann an Bord, dessen Name, wenn ich mich recht erinnere, Vandergeest war, und einige europäische Matrosen, darunter drei Engländer. Es war durchaus zu schwach, um uns Widerstand zu leisten. Die übrigen Matrosen waren Untertanen des Moguls, auch einige Malabaren waren darunter. Es waren auch fünf indische und einige armenische Kaufleute an Bord. Wie es schien, waren sie mit Spezereien, Seidenstoffen, Diamanten, Perlen, Kattunen, wie sie ihr Land erzeugt, nach Mocha gefahren und hatten jetzt nichts an Bord als Geld in spanischen Piastern, woran es uns, beiläufig gesagt, jetzt eben mangelte. Die drei englischen Matrosen zogen mit uns, und der holländische Steuermann würde es auch getan haben, allein die zwei armenischen Kaufleute baten uns, ihn nicht zu nehmen, denn er sei ihr Steuermann und der einzige von ihrer Mannschaft, der sich auf die Lenkung eines Schiffes verstünde. Auf ihre Bitten schlugen wir also seine Dienste aus, nahmen ihnen aber das Versprechen ab, ihn seine Geneigtheit mit uns zu gehen nicht entgelten zu lassen.

Wir bekamen auf diesem Schiffe gegen zweihunderttausend spanische Piaster, und wenn sie die Wahrheit sagten, so hatte ein Jude in Goa, welcher allein zweihunderttausend Piaster mit sich führte, beabsichtigt sich zu gleicher Zelt mit ihnen einzuschiffen, allein sein gutes Glück verhinderte es, er wurde in Mocha krank und konnte die Reise nicht antreten, wodurch er sein Geld rettete.

Bei diesem Fange war niemand bei mir als die Schaluppe, denn da Kapitän Wilmots Schiff leck war, so war er vor uns nach dem Sammelplatz abgesegelt und langte Mitte Dezember daselbst an. Da ihm indes der Hafen nicht behagte, so ließ er ein großes Kreuz auf dem Ufer zurück mit einer bleiernen Platte, worauf er schrieb, wir sollten ihm in die große Bucht von Mangahella nachfolgen, wo er einen sehr großen Hafen gefunden hätte, indes erfuhren wir hier etwas, das uns lange Zeit von ihm ferne hielt, wodurch sich der Admiral beleidigt fühlte. Wir stopften ihm übrigens den Mund mit seinem Anteil an den zweihunderttausend Piastern für sich und seine Mannschaft. Die Veranlassung, aus welcher wir ihm nicht so schnell nachsegelten, war nämlich folgende: Zwischen Mangahella und einem andern Punkt, dem sogenannten Kap St. Sebastian, hatte bei Nacht ein europäisches Schiff angelegt, und ich weiß nicht, war es die ungestüme Witterung oder der Mangel an einem tüchtigen Steuermann, kurz das Schiff strandete und konnte nicht weiter kommen. Wir lagen in der Bucht oder dem Hafen, den wir, wie oben gesagt, zu unserm Sammelplatz bestimmt hatten, und waren noch nicht an Land gewesen, hatten somit auch die Anweisungen noch nicht gesehen, die uns unser Admiral hinterlassen hatte.

Unser Freund William, von dem ich schon geraume Zeit nichts mehr gesagt habe, verspürte eines Tages große Lust ans Ufer zu gehen und bestürmte mich, ich möchte ihm zur Sicherheit einen kleinen Trupp mitgeben, er wolle das Land besehen. Ich war aus vielen Gründen dagegen, besonders aber sagte ich ihm, er wisse doch, daß die eingeborenen Wilden sehr heimtückischer Natur wären, deswegen wünschte ich, daß er bleibe, und hätte er weiter in mich gedrungen, so hätte ich es ihm, glaube ich, geradezu abgeschlagen.

Um mich indes zu überreden ihn gehen zu lassen, sagte er, er wolle mir den Grund erzählen, warum er so sehr in mich dringe. In der letzten Nacht habe er einen Traum gehabt, der einen so lebhaften Eindruck auf sein Gemüt ausgeübt hätte, daß er nicht habe ruhig sein können, bis er mir diesen Vorschlag gemacht; wenn ich es ihm nun abschlage, so glaube er, daß sein Traum bedeutungsvoll gewesen, wo nicht, so würde er doch über denselben ins klare kommen.

Es hatte ihm nämlich geträumt: es wäre mit dreißig Mann, darunter dem Befehlshaber der Schaluppe, auf die Insel gegangen und hätte dort eine Goldmine gefunden, welche sie alle zu reichen Männern machte. Dies wäre übrigens, sagte er, noch nicht die Hauptsache, sondern an demselben Morgen, wo er diesen Traum gehabt, wäre der Schaluppenführer gerade auf ihn zugekommen und hätte ihm gesagt, es hätte ihm geträumt: er wäre an der Insel Madagaskar an Land gegangen, dort wären einige Leute zu ihm gekommen und hätten gesagt, sie wollten ihm einen Platz zeigen, wo er einen Schatz finden würde, der sie alle reich machte.

Diese beiden Träume zusammen machten mich ein wenig stutzig, und obgleich ich niemals geneigt war Träumen Aufmerksamkeit zu schenken, so ließ ich mich doch endlich durch Williams ungestüme Bitten bewegen, denn ich legte immer großes Gewicht auf sein Urteil. Ich gab ihm also die Erlaubnis zu gehen, befahl ihnen übrigens sich nicht weit von der Küste zu entfernen, damit wir, wenn sie vielleicht gegen das Ufer zurückgedrängt würden, sie sehen und sie mit den Booten holen könnten.

Sie gingen frühmorgens weg, einunddreißig Mann stark, sehr gut bewaffnet und lauter tapfere Burschen, sie wanderten den ganzen Tag und gaben uns in der Nacht durch ein Zeichen, nämlich durch ein großes Feuer, das sie nach Verabredung auf der Spitze eines Hügels anzündeten, zu erkennen, daß alles gut stünde.

Tags darauf zogen sie, wie sie versprochen hatten, den Hügel hinab nach der andern Seite, welche sich gegen die See hinneigt, und sahen vor sich ein sehr hübsches Tal mit einem Fluß in der Mitte, der groß genug schien, um kleine Schiffe zu tragen. Sie gingen auf den Fluß zu und wurden durch einen Flintenschuß überrascht, der dem Schall nach aus der Nähe kommen mußte. Sie lauschten lange, konnten aber nichts mehr hören und gingen daher nach dem Flusse, der eine sehr schöne frische Strömung hatte, aber sehr bald breiter wurde. Sie hielten sich an seinem Ufer, bis er sich auf einmal zu einer großen Bucht oder einem Hafen erweiterte, und sie sahen, was ihnen noch überraschender war, in der Mündung des Hafens oder der Bucht ganz deutlich das Wrack eines Schiffes.

Da eben die Flut eingetreten war, so ragte es nicht sehr über dem Wasser hervor, als sie aber weiter hinabkamen, entdeckten sie, wie es immer größer und größer wurde, und bald darauf, als die Ebbe eintrat, fanden sie es auf dem Sande liegen, es schien ihnen das Wrack eines größeren Schiffes zu sein, wie man in diesem Lande keines erwarten durfte.

Nach einiger Zeit hörte William, der sein Glas herausgezogen hatte, um es näher zu besehen, zu seiner großen Verwunderung einen Flintenschuß an ihm vorbei zischen, und unmittelbar darauf vernahm er den Knall eine Kanone und sah den Rauch von der andern Seite, worauf unsere Leute sogleich drei Flinten abfeuerten, um wo möglich zu erfahren, wer die Unbekannten wären. Auf den Knall der Schüsse rannten eine Menge Leute unter den Bäumen hervor ans Ufer hinab, und die unsrigen konnten leicht merken, daß es Europäer waren, obschon sie nicht wußten, von welcher Nation. Gleichwohl hallooten unsere Leute, so laut sie konnten, ihnen zu, nahmen dann eine lange Stange, steckten sie auf und hingen ein weißes Hemd daran, als Flagge des Friedens. Die auf der andern Seite bemerkten es mit Hilfe ihrer Gläser ebenfalls, und bald darauf sahen unsere Leute ein Boot und zwar, wie sie meinten, vom Ufer her, aber es kam aus einer andern Bucht, und die Leute ruderten sogleich auf die unsrigen zu, indem sie ebenfalls eine weiße Flagge als Friedenszeichen aufgesteckt hatten.

Es ist schwer, die Überraschung und Freude zu beschreiben, welche beide Teile empfanden, an einem so fernen Platze nicht bloß Weiße, sondern auch Engländer zu sehen, aber wie mußte es ihnen erst sein, als sie einander erkannten und fanden, daß sie nicht nur Landsleute, sondern daß dies das Schiff war, welches Kapitän Wilmot, unser Admiral, befehligte, und dessen Gesellschaft wir im Sturm bei Tabago verloren hatten, nachdem wir Madagaskar als Sammelplatz bestimmt.

Sie hatten, wie es scheint, Nachricht von uns erhalten, als sie an den südlichen Teil der Insel gekommen, und waren bis an den Golf von Bengalen gestreift, wo sie den Kapitän AveryEiner der bekanntesten Seeräuber jener Zeit, der in Madagascar einen Staat gründete, den zu annektieren Defoe in einer besonderen Schrift den Engländern rät. getroffen hatten, mit welchem sie sich vereinigt, mehrere kostbare Beute gemacht und unter anderm sich eines Schiffes mit der Tochter des Großmoguls und einem unermeßlichen Schatz an Gold und Juwelen bemächtigt hatten. Von da waren sie an die Küste von Koromandel gekommen, nachher an die von Malabar, in den Golf von Persien, wo sie ebenfalls einige Beute machten, und hatten ihre Richtung nach dem südlichen Teile von Madagaskar nehmen wollen, da die Winde aber scharf von Südost und Südsüdost bliesen, so waren sie an den Norden der Insel gekommen, sie waren nachher durch einen wütenden Sturm von Nordwest her getrennt und in die Mündung dieser Bucht getrieben worden, wo sie ihr Schiff verloren hatten. Sie sagten uns auch, sie hätten gehört, daß Kapitän Avery ebenfalls nicht weit davon sein Schiff verloren hätte.

Als wir auf diese Art einander unsere Schicksale mitgeteilt hatten, gingen die armen Leute hocherfreut zurück, um ihren Kameraden die fröhliche Nachricht zu überbringen, sie ließen einige von ihren Leuten bei uns, während der größte Teil umkehrte, und William war so begierig sie zu sehen, daß er und zwei andere mit ihnen zurückgingen, worauf er in das kleine Lager gelangte, wo sie sich aufhielten. Sie waren im ganzen etwa hundertsechzig Mann stark und hatten ihre Kanonen sowie ihren Schießbedarf ans Land gebracht, jedoch einen großen Teil ihres Pulvers verloren. Dessenungeachtet hatten sie eine hübsche Befestigung errichtet und zwölf Kanonen darin aufgepflanzt, die ihnen auf dieser Seite der See einen hinlänglichen Schutz gewähren konnte. Unmittelbar am Ende der Plattform hatten sie einen Stapel nebst einem kleinen Dock gemacht und waren alle sehr beschäftigt ein anderes kleines Fahrzeug zu bauen, um damit wieder in See zu stechen.

Als unsere Leute in ihre Hütten kamen, wurden sie wahrhaft überrascht durch den Reichtum, den sie dort antrafen, durch das viele Gold, Silber und die Menge Juwelen. Dies wäre jedoch, sagten sie, nur eine Kleinigkeit gegen das, was Kapitän Avery hatte, als er sie verließ.

Fünf Tage lang hatten wir auf unsere Leute gewartet und keine Nachricht von ihnen erhalten, ich hatte sie bereits verloren gegeben und war daher überrascht, nach der genannten Zeit ein Schiffsboot auf uns zusteuern zu sehen. Ich wußte nicht, was ich davon denken sollte, war aber schon beruhigter, als unsere Leute mir sagten, sie hörten sie hallooen, und sähen auch, wie sie ihre Hüte gegen uns schwenkten.

In kürzer Zeit waren sie vollends bei uns, und ich sah Freund William im Boote stehen und Zeichen machen. So kamen sie an Bord; als ich aber nur fünfzehn von unsern einunddreißig Mann darin erblickte, fragte ich, was aus ihren Kameraden geworden sei. O, sagte William, sie sind ganz wohl, mein Traum ist vollkommen in Erfüllung gegangen und der des Schaluppenführers auch.

Wir waren nun im Besitze von zwei Schiffen und einer Schaluppe, worin wir dreihundertzwanzig Mann hatten, die indes zu einer gehörigen Bemannung durchaus nicht ausreichend waren, das große portugiesische Schiff erforderte allein beinahe vierhundert Mann, um vollständig gerüstet zu sein. Was unsere verlorenen aber wiedergefundenen Kameraden betraf, so bestand seine vollständige Mannschaft etwa aus hundertachtzig Mann, und der Kapitän Avery hatte gegen dreihundert Mann bei sich, worunter zehn Zimmerleute, die größtenteils an Bord des erbeuteten Schiffes gefunden worden waren. Da Avery ohne Schiff war, so kamen wir alle dahin überein, unsere eigenen Leute auf das portugiesische Kriegsschiff und die Schaluppe zu bringen und dem Kapitän Avery die spanische Fregatte samt allem Takelwerk und den Gerätschaften, den Kanonen und dem Schießbedarf für seine Mannschaft zu überlassen, wofür er uns, da er Gold im vollauf hatte, vierzigtausend spanische Piaster bezahlte.

Jetzt war die erste Frage, welche Richtung wir einschlagen sollten. Kapitän Avery machte den Vorschlag, wir sollten uns hier niederlassen und eine kleine Stadt mit guten Festungswerken zu unserer Verteidigung bauen. Da wir ja Reichtümer genug besäßen und diese nach Belieben noch vermehren könnten, so sollten wir uns begnügen, hier ein zurückgezogenes Leben zu führen und der Welt Trotz zu bieten. Ich überzeugte ihn aber bald, daß dieser Platz uns keine Sicherheit bieten könnte, im Falle wir unser Geschäft hier fortsetzen wollten; denn alle Nationen von Europa und gewiß auch dieses Weltteils würden sich dann zu unserer Vernichtung vereinigen. Wenn wir uns indes entschließen wollten hier ein zurückgezogenes Leben zu führen, in Frieden das Land zu bebauen und unser Seeräuberhandwerk aufzugeben, so könnten wir allerdings Pflanzungen gründen und uns niederlassen, wo wir wollten, dann aber, sagte ich ihm, würde es das beste sein, mit den Eingeborenen zu unterhandeln und ihnen einen Strich Landes weiter im Innern der Insel an einem schiffbaren Strom abzukaufen, wo zwar nach Belieben Boote auf- und abwärts gehen könnten, aber keine Schiffe, die uns Gefahr bringen könnten. Wenn wir dann den Boden anpflanzten und Viehzucht trieben, zumal das Land von Kühen und Ziegen wimmele, so könnten wir hier wahrhaftig so gut leben, als irgend jemand in der Welt. Ich gab zu, daß ich dies für einen guten Rückzugsort für diejenigen hielte, welche Lust hatten das Geschäft aufzugeben, und es nicht wagten nach Hause zu gehen, um sich hängen zu lassen, oder sich wenigstens dieser Gefahr auszusetzen.

Als wir einige Zeit hier lagen, fand ich bei unsern Leuten eine gewaltige Meinungsverschiedenheit: die einen wollten diesen, die andern jenen Weg einschlagen, bis ich es zuletzt vorauszusehen begann, daß sich die Gesellschaft auflösen würde, und wir vielleicht nicht Leute genug beisammen behalten möchten, um das große Schiff zu bemannen. Ich nahm daher den Kapitän Wilmot beiseite und fing an mit ihm darüber zu sprechen, merkte aber bald, daß er für seine Person Lust hatte in Madagaskar zu bleiben, und daß er, da ihm als Anteil an der Beute bedeutende Reichtümer zugefallen waren, geheime Absichten hegte, auf die eine oder die andere Art wieder in seine Heimat zu gelangen.

Ich überzeugte ihn von der Unausführbarkeit dieses Wunsches und von der Gefahr, in die er sich begeben würde, entweder auf dem Roten Meere in die Hände von Räubern zu fallen, welche in keinem Falle Schätze wie die seinigen unangetastet lassen würden, oder in die Gewalt der Engländer, Holländer oder Franzosen zu geraten, die ihn ganz gewiß als Seeräuber hängen würden. Ich erzählte ihm von der Reise, welche ich selbst von dieser Gegend aus nach dem Festlande von Afrika gemacht hatte, und von den Gefahren und Mühseligkeiten einer Fußwanderung.

Aber nichts vermochte ihn zu überzeugen, sondern er wollte durchaus mit der Schaluppe in das Rote Meer stechen, dort, wo einst die Kinder Israels trockenen Fußes hinübergegangen waren, landen und sodann zu Lande nach Kairo reisen, von da würde er sich über Alexandrien nach irgendeinem Teile der Welt einschiffen.

Ich stellte ihm die Gefahr und die wirkliche Unmöglichkeit vor unangegriffen durchzukommen, ich setzte ihm meine Gründe hierfür so gründlich und mit solchem Erfolg auseinander, daß keiner von seinen Leuten mit ihm gehen wollte. Sie sagten ihm, sie wollten ihn sonst überallhin begleiten und ihm dienen, dies aber hieße ihn selbst und sie in ein gewisses Verderben stürzen ohne irgendeine Möglichkeit es zu vermeiden oder eine Wahrscheinlichkeit seinen Zweck zu erreichen. Der Kapitän nahm das, was ich ihm sagte, sehr übel auf und erklärte, er werde es mir gedenken. Er ließ trotzige Piratenäußerungen gegen mich fallen, ich erwiderte ihm aber nur soviel, daß ich ihm zu seinem Besten geraten hätte, aber wenn er es nicht so aufnähme, so sei das sein eigener Fehler, nicht der meinige, ich hätte ihm ja nicht verboten zu gehen, und auch niemanden von seinen Leuten abwendig gemacht mit ihm zu gehen, obgleich dieser Weg sie in das offensichtliche Verderben führen würde. Warme Köpfe sind jedoch nicht so leicht abgekühlt. Der Kapitän war so erbost, daß er unsere Gesellschaft verließ, mit dem größten Teile seiner Mannschaft zu Kapitän Avery überging und mit seinen Leuten abrechnete, wobei er alle Schätze mit sich nahm, was beiläufig gesagt, nicht ganz schön von ihm war, da wir miteinander verabredet hatten, all unsern Erwerb zu teilen, ob nun der eine mehr oder weniger hätte, ob er die Beute gemacht hätte oder nicht. Unsere Leute murrten ein wenig darüber, aber ich beschwichtigte sie so gut ich konnte und sagte ihnen, es würde uns ein leichtes sein ebensoviel zu bekommen, wenn wir nur die rechten Gelegenheiten wahrnähmen; Kapitän Wilmot habe uns hier ein recht gutes Beispiel gegeben, denn nach derselben Regel sei die Verbindlichkeit, jeden weiteren Gewinn mit ihm zu teilen, zu Ende. Ich ergriff diese Gelegenheit, ihnen von meinen weiteren Plänen etwas mitzuteilen, welche dahin gingen, den östlichen Teil des Meeres zu durchstreifen und zu sehen, ob wir uns nicht ebenso reich machen könnten wie Avery, der allerdings eine ungeheure Summe zusammengebracht hatte, jedoch nicht die Hälfte von dem, als man in Europa sagte.

Unsere Leute waren so wohl zufrieden, daß sie mir bis auf den letzten Mann versicherten, sie würden mit mir durch die ganze Welt gehen, wohin ich sie auch führen würde, und was Kapitän Wilmot beträfe, so wollten sie nichts mehr mit ihm zu tun haben. Dies kam ihm zu Ohren und versetzte ihn in so große Wut, daß er drohte, wenn ich an Land käme, würde er mir die Kehle abschneiden.

Ich erfuhr dies unter der Hand, nahm aber durchaus keine Notiz davon, sondern war darauf bedacht, ihm nicht ungerüstet in den Wurf zu kommen, und ging selten ohne genügende Begleitung aus. Dennoch trafen Kapitän Wilmot und ich zuletzt zusammen und sprachen sehr ernsthaft über die Sache, ich bot ihm die Schaluppe an, damit er gehen könne, wohin er wolle, oder wenn er damit nicht zufrieden wäre, so machte ich mich anheischig, selbst die Schaluppe zu übernehmen und ihm das große Schiff zu überlassen. Allein er lehnte beides ab und wünschte nur, ich möchte ihm sechs Zimmerleute abtreten, deren ich auf unserm Schiff mehr hatte als ich bedurfte, um seinen Leuten die Schaluppe vollenden zu helfen, welche die Mannschaft, die ihr Schiff verloren hatte, begonnen hatte, ehe wir hierher kamen. Ich willigte gern ein und lieh ihm noch mehr Hände, die ihm so von Nutzen waren, daß sie in kurzer Zeit eine starke Brigantine erbaut hatten, welche imstande war vierzehn Kanonen und zweihundert Mann zu fassen.

Welche Maßregeln sie hierauf ergriffen, und wie sich Kapitän Avery nachmals benahm, dies zu erzählen würde zu weit führen, auch würde es nicht in meinen Plan passen, da ich bloß meine eigene Geschichte zu erzählen gedachte.

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