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Blumen des Bösen/Les Fleurs du Mal

Charles Baudelaire: Blumen des Bösen/Les Fleurs du Mal - Kapitel 48
Quellenangabe
typepoem
titleBlumen des Bösen
authorCharles Baudelaire
translatorTerese Robinson
publisherGeorg Müller Verlag
addressMünchen
year1925
senderreuters@abc.de
created20040730
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Plauderei

Du bist der Schein rotgoldnen Herbsteslichts,
Allein in mir schwillt wie ein Meer das Leid
Und lässt, rückflutend, müder Lippe nichts,
Als Nachgeschmack von Schlamm und Bitterkeit.

Du streifst die Brust mir. – Ach, ein holder Wahn!
Verwüstet liegt, was deine Hand erheischt,
Zerrissen durch der Weiber wilden Zahn;
Du suchst mein Herz, – die Bestie hat's zerfleischt.

Ein Tempel bin ich, den das Volk geschändet,
Verzweiflung, Tod und Taumel herrscht darin –
Welch warmen Duft dein nackter Busen spendet!

Du willst es, Schönheit, Seelenquälerin!
Mit deinem Blick, dem strahlend sieggewohnten,
Verbrenn die Fetzen, die die Bestien schonten!

Herbstgesang

I

Bald wird man uns ins kalte Dunkel drängen;
Fahr wohl du Licht, du flüchtige Sommerwelt!
Schon hör' ich, wie im Hof mit dumpfen Klängen
Das Holz erdröhnend auf das Pflaster fällt.

Nun dringt der Winter ein. Und kein Erretten!
Zorn, Schauder, Hass, erzwungner Arbeit Pein;
Der Sonne gleich in des Polarlands Ketten
Wird bald mein Herz ein eisiger Klumpen sein.

Der Scheite Fallen lässt mich fröstelnd schauern;
Kein Mordgerüst, das dumpfer widerhallt.
Mein Geist bebt wie ein Turm, an dessen Mauern
Der Stoss des Widders unermüdlich prallt.

Mir scheint, von diesem hohlen Lärm benommen,
Als ob in Hast, – für wen? – den Sarg man baut,
Sommer war gestern, Herbst ist heut gekommen,
Und Abschied heisst der rätselhafte Laut.

II

Wohl lieb' ich deiner Augen grünen Schimmer,
Du Süsse, aber heut wird alles schwer,
Nicht deine Liebe, nicht Kamin und Zimmer
Ersetzt mir heut das sonnbestrahlte Meer.

Und doch lass mir dein zartes Herz erblühen,
Sei Mutter du dem Frevler irr und krank;
Geliebte! Schwester! Sei das sanfte Glühen
Des flüchtigen Herbst's, der Sonne, die versank.

Nur kurze Müh! – Hörst du mein Grab bereiten?
Die heisse Stirne ruht auf deinen Knien.
Des fahlen Sommers Glut fühl' ich entgleiten,
Sanft goldnen Herbst durch meine Seele ziehn.

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