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Blumen des Bösen/Les Fleurs du Mal

Charles Baudelaire: Blumen des Bösen/Les Fleurs du Mal - Kapitel 107
Quellenangabe
typepoem
titleBlumen des Bösen
authorCharles Baudelaire
translatorTerese Robinson
publisherGeorg Müller Verlag
addressMünchen
year1925
senderreuters@abc.de
created20040730
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Verdammte Frauen

II

Wie müde Tiere lagern sie im Sand,
Den Blick zum Meer gelenkt in stiller Trauer,
Es schmiegt sich Fuss an Fuss und Hand in Hand
In sanftem Sehnen und in Fieberschauer.

Die einen gehn, berauscht von Heimlichkeit,
Am Waldrand, wo der Bach raunt durch die Träume,
Und ritzen wie in erster Liebe Zeit
Geheime Zeichen in die jungen Bäume.

Andre, gleich Schwestern, wandern langsam da,
Wo Truggesichte durch die Wüste ziehen.
Wo Sankt Anton zwei nackte Brüste sah
In der Versuchung Purpurlicht erglühen.

Andre bei halberloschner Fackel Dunst
In heidnischer Gewölbe dumpfen Hallen,
Flehn deine Hilfe an in Fieberbrunst,
Bacchus, Erlöser aus der Reue Krallen.

Andre, die Brust vom Skapulier bedeckt,
Verbergen Geisseln in des Kleides Falten,
Und mischen nachts, im stillen Wald versteckt,
Taumel und Lust mit wilden Schmerzgewalten.

Jungfrauen, Teufel, Dulderinnen ihr,
Des Alltags und der Wirklichkeit Verächter,
Die ihr das Unbegrenzte liebt voll Gier,
Bald Tränen habt, bald Schreie und Gelächter,

Bis in die Hölle folgte euch mein Herz,
Das Bruderliebe und Erbarmen füllen,
Ich lieb' euch, Schwestern, um den finstern Schmerz,
Der unstillbaren Gier und Liebe willen.

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