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Blinde Liebe. Zweiter Band

William Wilkie Collins: Blinde Liebe. Zweiter Band - Kapitel 20
Quellenangabe
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typefiction
authorWilkie Collins
titleBlinde Liebe. Zweiter Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1890
quellegdz.sub.uni-goettingen.de
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorbruce.welch@gmx.de
senderwww.gaga.net
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Siebenundfünfzigstes Kapitel

Nach einiger Zeit empfing Fanny einen Brief von Lady Harry, die ihr über ihre ersten Londoner Erlebnisse berichtete. Bei ihrer Ankunft war sie auf dem Bahnhof von Mrs. Vimpany empfangen worden, an welche sie telegraphisch die Bitte gerichtet hatte, sie dort zu erwarten. Lady Harrys erste Frage betraf natürlich ihren Vater. Mrs. Vimpany antwortete augenscheinlich etwas verwirrt und halb beschämt, es sei durchaus kein Grund zu ernsteren Befürchtungen vorhanden.

Iris atmete erleichtert auf, fragte aber sofort weiter, seit wann die glückliche Wendung zum Bessern eingetreten. Da erfuhr sie denn zu ihrem nicht geringen Befremden, daß es um ihren Vater gar nie so schlimm gestanden habe, wie sie aus dem an sie gelangten Telegramm schließen mußte. Mrs. Vimpany hatte nur zufällig erfahren, er sei von einem Podagraanfall heimgesucht worden. Das war alles. Zugleich aber hatte Fannys Brief sie mit einer so lebhaften Sorge um Lady Harry erfüllt, daß sie den nächsten besten Vorwand benützte, um die Lady von Passy zu entfernen.

»Wenn ich daran dachte,« sagte sie, »daß Sie sich in der Gewalt meines elenden Mannes befänden, der, wie es mir nur zu klar ist, an Ihrem Gatten einen würdigen Genossen gefunden hat, vermochte ich nicht anders zu handeln, als ich gethan. Ich schäme mich vor mir selber; aber, Lady Harry, ich hatte zu große Angst um Sie. Bitte, verzeihen Sie mir! Ich liebe Sie ja so sehr und bin so glücklich, Sie jetzt hier in Sicherheit zu wissen. Gehen Sie nicht wieder zurück! Um Gottes willen, gehen Sie nicht wieder zurück!«

Iris hatte auch gar nicht die Absicht, zurückzukehren, so lange der Doktor und sein Patient sich in Passy aufhielten, und sie fand in Mrs. Vimpanys herzlicher Teilnahme guten Grund, ihr eine Voreiligkeit zu vergeben, die sie nur aus aufrichtiger Liebe zu ihr begangen und durch ehrliches Bekenntnis wieder gut gemacht hatte.

Fanny las aufmerksam die nächste Seite des Briefes, auf welcher Lady Harry ihr erstes Zusammentreffen mit Mr. Mountjoy nach seiner Krankheit schilderte. Die Ausdrücke des Glücks, in denen ihre Herrin über die Wiedererneuerung ihrer freundschaftlichen Beziehungen zu ihrem alten und lieben Freund sprach, bestärkten Fanny in ihrer ersten Empfindung, daß vorderhand keine Furcht vorhanden sei, Iris würde zu vorzeitig nach Passy zurückkehren mit der Entschuldigung, daß sie sehnsüchtiges Verlangen, Lord Harry wiederzusehen, empfunden habe.

Auch nach dem, was auf der letzten Seite des Briefes stand, schien Mr. Mountjoys Einfluß sich in heilsamster Weise geltend zu machen. Daneben fanden sich auch einige Stellen, in welchen Iris Befürchtungen wegen Fannys Sicherheit aussprach und ihre Begierde, zu erfahren, welche Entdeckungen ihr Mädchen wohl schon gemacht habe. Die einzige Erwähnung Mylords bestand in oberflächlicher Nachfrage nach seinem Befinden. War das nun ein Beweis dafür, daß ihre Gefühle für ihren Gatten abgestumpft waren, oder legte sie sich nur der Dienerin gegenüber Zurückhaltung auf?

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