Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > William Wilkie Collins >

Blinde Liebe. Erster Band

William Wilkie Collins: Blinde Liebe. Erster Band - Kapitel 24
Quellenangabe
pfad/collins/blindli1/blindli1.xml
typefiction
authorWilkie Collins
titleBlinde Liebe. Erster Band
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
year1890
quellegdz.sub.uni-goettingen.de
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorbruce.welch@gmx.de
senderwww.gaga.net
created20120103
modified20160718
projectidea17925b
Schließen

Navigation:

Dreiundzwanzigstes Kapitel

Mrs. Vimpany schloß die Thür. Sie sprach zu Iris in sehr respektvollem Ton, wie sie irgend eine Fremde angeredet haben würde, die im Leben eine höhere Stellung einnahm als sie.

»So ist also das Ende unserer kurzen Bekanntschaft da, Fräulein, und zwar, wie wir beide wissen, ein Ende für alle Ewigkeit. Als wir uns zuerst trafen – lassen Sie mich Ihnen zum letztenmal die volle Wahrheit gestehen – fand ich ein boshaftes Vergnügen darin, Sie zu täuschen. Nach dieser Zeit bemerkte ich zu meinem lebhaften Erstaunen, daß Sie mir von Tag zu Tag lieber wurden. Können Sie die Schlechtigkeit verstehen, die mich immer wieder dazu antrieb, diesem Gefühl Widerstand zu leisten? – Es war nutzlos; Ihr guter Einfluß auf mich war schon stärker geworden als alles andere. Ist das nicht sonderbar? Ich habe ein Leben voll Lug und Trug hinter mir, das ich unter schlechter Gesellschaft verbringen mußte. Kann man nach einer solchen Vergangenheit etwas besseres erwarten? Ich häufte Lüge auf Lüge – ich würde sogar geleugnet haben, daß die Sonne am Himmel stünde – ich hätte alles mögliche Schlimme eher gethan, als daß ich mich in Ihrer Achtung gesunken sehen sollte. Nun, das ist jetzt alles vorüber – nutzlos, vollkommen nutzlos! Bitte, verstehen Sie mich nicht falsch. Ich versuche nicht, mich zu entschuldigen, aber ein offenes Bekenntnis war ich Ihnen schuldig, und dieses Bekenntnis habe ich jetzt abgelegt. Es ist zu spät, als daß ich hoffen dürfte, Sie könnten mir verzeihen. Wenn Sie es mir aber erlauben, so möchte ich Sie noch um eine letzte Gunst bitten: vergessen Sie mich!«

Sie wendete sich ab nach einem letzten hoffnungslosen Blick, welcher deutlicher als alle Worte sagte:

»Ich bin einer Antwort nicht wert.«

Iris bestand jedoch in ihrem Edelmut darauf, noch einige Worte zu ihr zu sprechen.

»Ich glaube Ihnen,« sagte sie, »daß Sie aufrichtig bereuen, was Sie an mir gesündigt haben. Ich werde dies nie vergessen können – ich werde Sie niemals vergessen können.«

Sie hielt ihr verzeihend und mitleidig die Hand hin; aber Mrs. Vimpany gedachte mit zu bitterer Reue der Vergangenheit, als daß sie es gewagt hätte, diese reine Hand zu berühren. Thränen erfüllten die Augen der unglücklichen Frau, als sie Iris den letzten Blick zuwarf.

Nach einer kurzen Pause wurde die Thür des Empfangszimmers wieder geöffnet. Der irische Lord, der auf der Treppe wartend stand, fragte, ob er eintreten dürfe.

Iris antwortete kühl:

»Das Haus gehört nicht mir. Ich muß es Ihnen überlassen, darüber zu entscheiden.«

Lord Harry betrat darauf das Zimmer, um mit ihr zu sprechen, blieb jedoch gleich am Eingang stehen, denn er bemerkte kein Zeichen der Nachgiebigkeit in diesem so zärtlich geliebten Gesicht.

»Ich glaube, es wird Ihnen eine große Erleichterung gewähren,« sagte er mit sanfter Ergebenheit in der Stimme, »wenn ich von hier fortgehe.«

Um aufrichtig zu sein, hätte sie antworten müssen: »Ja!« Aber ist denn auf der ganzen Welt eine Frau zu finden, welche, wenn sie sich in der gleichen Lage wie Iris befindet, hartherzig genug sein kann, dieses Wort auszusprechen? Sie wies auf einen Stuhl. Er war ihr für diese Nachsicht unendlich dankbar und versuchte nun, sein Benehmen zu entschuldigen.

»Es gibt nur eins, was ich für mich anführen kann,« bekannte er, »ich habe nicht damit angefangen, Sie zu betrügen. So lange Sie mir Ihre Zuneigung schenkten, Iris, war ich ein ehrenhafter Mensch.«

Diese außergewöhnliche Verteidigung ließ sie verstummen. Welcher andere Mann auf der Welt hätte wohl auf diese Weise um Verzeihung gebeten?!

»Ich fürchte, ich habe mich Ihnen nicht verständlich gemacht. Darf ich es noch einmal versuchen?«

»Bitte!«

Der elegante Vagabund strengte sich diesmal wirklich an, sich verständlich zu machen.

»Hören Sie! Wir haben damals auf der unglücklichen Insel Abschied von einander genommen. Ich glaubte zu jener Zeit, daß es wirklich ein Abschied für immer wäre, denn ich mußte mir selbst eingestehen, daß ich Ihrer nicht würdig war. Ich habe Ihnen nicht widersprochen, als Sie mir sagten, daß Sie niemals mein Weib werden könnten nach einem derartigen Leben, wie ich es geführt hatte. Erinnern Sie sich auch daran, daß ich mich willig und wortlos Ihrer Rückkehr nach England unterwarf, ohne eine Klage laut werden zu lassen. O mein süßes Mädchen, es war leicht, sich zu unterwerfen, so lange ich Sie noch sehen konnte, so lange ich noch den süßen Laut Ihrer Stimme hören konnte und um den letzten Kuß bitten durfte – und ihn auch erhielt. Hochwürdige Herren sprechen über den Fall von Adam. Was hat er aber zu bedeuten gegenüber dem Fall von Lord Harry, als er in sein eigenes kleines Haus zurückgekehrt war ohne die Hoffnung, Sie jemals wiederzusehen! Ich fand die Schlange, welche mich versuchte wie einstens Eva; sie saß wartend auf meinem Armstuhl und hatte keine schlimmere Absicht, als sich von mir eine kleine Summe Geldes zu borgen. Brauche ich es Ihnen zu sagen, wer es war? – Ich hege nicht den mindesten Zweifel, daß Sie sie für ein schlechtes Weib halten.«

Iris, die niemals gern von eigenen menschenfreundlichen, wohlthätigen Handlungen und Gesinnungen ihrerseits sprach, antwortete mit einer gewissen Zurückhaltung: »Ich habe über Mrs. Vimpany besser zu denken gelernt, als Sie voraussetzen.«

Lord Harrys Gesicht nahm den Ausdruck eines glücklichen Mannes an, zum erstenmal, seit er das Zimmer betreten hatte.

»Ich hätte es wissen sollen,« rief er aus, »Sie besitzen einen Geist, der niemals aus dem Gleichgewicht kommt, liebe Iris, und der die Gerechtigkeit durch Barmherzigkeit mildert. Mutter Vimpany hat ein hartes Leben gehabt. Versetzen Sie sich einmal in ihre Lage für einen Augenblick, und Sie werden verstehen, was sie schon alles hat durchmachen müssen. Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie befänden sich in Irland und besäßen nicht die geringsten Mittel, um nach England zurückkehren zu können. Rechnen Sie dazu einen Gatten, der Sie ausschickt, um für ihn als Schauspielerin Geld zu verdienen, und einen Theaterdirektor – Gott sei Dank, keinen Irländer! – welcher sich weigert, Sie zu engagiren, nachdem Ihr Spiel einstens in vergangenen, besseren Tagen seine leeren, schmutzigen Taschen gefüllt hat, nur weil Ihre Schönheit während der Zwischenzeit dahingewelkt ist. Kann sich Ihre lebhafte Phantasie jetzt alles dies vorstellen? – Meine alte Freundin Arabella, gern bereit und eifrig bemüht, mir einen Dienst zu erweisen, und auf der andern Seite der Schmerz, den das Herz dieses guten Kameraden empfand, als ich ihr erzählte, daß ich, wenn ich Ihre Spur jetzt verlöre, sie für immer verlieren würde, – das ist die Verwicklung, wie man es auf der Bühne nennt. Ich wollte, ich könnte dies für mich sagen, was ich für Mrs. Vimpany sagen kann. Es gewährt einer klugen Frau kein geringes Vergnügen, wenn man sie an einer kleinen Intrigue teilnehmen läßt. Können wir sie deshalb tadeln?«

Iris machte in ruhiger, freundlicher Weise Einwendungen gegen die Annahme, daß es ihrem Geschlecht gestattet sein sollte, solche Sachen ungestraft zu thun. Aber Lord Harry verstand es vortrefflich, mit der bewunderungswürdigen irischen Geschmeidigkeit sich aus der Verlegenheit herauszuwinden; er stimmte mit Miß Henley vollständig überein und gab zu, daß er sich vollkommen im Unrecht befunden habe.

»Schonen Sie mich nicht, wenn Sie gegen mich aufgebracht sind,« fuhr er fort, »werfen Sie alle Schuld und alle Schande für dieses schimpfliche Vergehen auf meine Schultern. Es war wirklich verächtlich, so etwas zu thun. Wenn ich Sie überwachen ließ, so handelte ich in einer Weise, die – ich will nicht sagen, eines Ehrenmannes unwürdig war; denn bin ich ein Ehrenmann gewesen, seit ich zum erstenmal von zu Hause weglief? Man hat sogar gesagt, daß meine Art zu sprechen nicht mehr die eines solchen sei; nun, das ist auch eigentlich kein Wunder, wenn man die Gesellschaft in Betracht zieht, in der ich mich damals bewegte. Das mag aber sein, wie es will, jetzt, mein süßer Liebling, bin ich wieder im Begriff, mich auf die See zu begeben. Willst Du mir daher jetzt verzeihen oder willst Du warten, bis ich zurückkomme, wenn ich überhaupt je zurückkomme? Gott allein weiß es!« Er fiel auf die Kniee vor ihr, ergriff ihre Hand und küßte sie innig. »Einerlei,« sagte er, »ob ich lebe oder sterbe; es wird mir eine gewisse Beruhigung und ein Trost sein, daß ich Dich um Verzeihung gebeten habe und daß ich vielleicht auch Verzeihung erhielt.«

»Ich verzeihe Ihnen, Harry, ich kann nicht anders, ich muß Ihnen verzeihen!«

Sie hatte zuerst ihr Bestes gethan, um ihm zu widerstehen; jetzt antwortete sie ihm mit diesen trostreichen Worten.

Aber die Wirkung davon wurde erst sichtbar, erschreckend sichtbar, als er sich von seinen Knieen erhob. Die einzige Möglichkeit, die es für sie gab, die Entfernung zwischen ihnen beiden aufrecht zu erhalten, auf welcher zu bestehen sie zu schwach gewesen war, lag darin, daß sie ihn nicht durch Stillschweigen ermutigte. In ihrer Verzweiflung stellte sie ganz unvermittelt eine recht nichtssagende Frage über die Reise, die er zu unternehmen beabsichtigte.

»Wohin wollen Sie denn gehen, wenn Sie England verlassen?«

»Ich will Geld verdienen, wenn es möglich ist,« antwortete er. »Ich will Diamanten suchen oder Gold graben oder sonst irgend etwas anstellen.«

Vermöge ihrer feinen Beobachtungsgabe bemerkte Iris sofort, daß in der Art und Weise, in der er die Antwort gab, etwas nicht ganz richtig war. Er versuchte das Gespräch auf einen andern Gegenstand zu bringen; sie kam aber immer wieder mit voller Absicht darauf zurück.

»Was Sie mir da von Ihren Reiseplänen gesagt haben, klingt aber wirklich sehr unbestimmt. Wann gedenken Sie denn wieder zurückzukommen?«

Er ergriff ihre Hand. Einer der Ringe an ihren Fingern hatte sich zufälligerweise verdreht. Er schob ihn wieder zurecht und entdeckte daran einen Opal.

»O, dieser unglückselige Stein!« rief er aus und drehte ihn wieder nach der Innenseite der Hand.

Sie entzog ihm darauf ihre Hand und wiederholte noch einmal:

»Ich habe Sie gefragt, wann Sie wieder zurückzukommen gedenken?«

Er lachte, aber nicht so heiter und ungezwungen wie gewöhnlich.

»Wie kann ich wissen, ob ich überhaupt jemals wieder zurückkomme!« antwortete er. »Das Meer ist heimtückisch und gefährlich. Ich bin schon in so mancher schlimmen Lage gewesen und bin doch heil davongekommen, aber ich kann nicht erwarten, daß mein Glück in dieser Beziehung von ewiger Dauer ist.« Er machte einen zweiten Versuch, dem Gespräch eine andere Richtung zu geben. »Ich möchte wohl wissen,« sagte er, »ob Sie noch einmal Irland besuchen werden. Mein Haus steht vollständig zu Ihrer Verfügung, liebe Iris, natürlich, wenn ich weit entfernt bin. Der Platz schien Ihnen damals zu gefallen, als Sie ihn sahen. Ich bürge Ihnen dafür, daß Sie mein Haus in dem besten Zustand finden werden.«

Iris fragte ihn, wer denn während seiner Abwesenheit sein Haus verwalten würde.

Das Gesicht des wilden Lords nahm plötzlich einen traurigen Ausdruck an. Er zögerte einen Augenblick, dann stand er unruhig von seinem Stuhl auf und trat an das Fenster. Nach einer Weile kehrte er zurück und antwortete:

»Liebe Iris, Sie kennen sie. Es ist die alte Haushälterin von –«

Die Stimme versagte ihm. Er war unfähig oder wollte nicht den Namen Arthur Mountjoys aussprechen. Iris wußte natürlich sofort, – es ist eigentlich unnötig, es noch ausdrücklich zu sagen – daß er Mrs. Lewson meinte. Sie ergriff die Gelegenheit, ihm warm zu empfehlen, für ihre alte Wärterin gut zu sorgen. Zugleich aber erinnerte sie sich, in welch unfreundlicher Weise die alte Haushälterin Lord Harrys gedacht hatte, als sie von ihm sprachen.

»Hat es denn keine Schwierigkeiten gemacht,« fragte sie, »Mrs. Lewson zu überreden, in Ihre Dienste einzutreten?«

»O ja, sehr viel Mühe hat es gekostet – mein schlechter Ruf stand hinderlich im Weg wie immer.«

Es gewährte ihm eine gewisse Erleichterung, jetzt von Mrs. Lewson zu reden. Der Humor der Irländer und ihre eigentümliche Aussprache zeigten sich deutlich in seiner Antwort.

»Die merkwürdige alte Frau sagte mir offen ins Gesicht, daß ich ein Lump wäre. Ich nahm Veranlassung, sie daran zu erinnern, daß es die Pflicht einer ehrbaren Person sei, schlechte Menschen zu bessern. Ich erwähnte auch, daß ich im Begriff stünde, fortzugehen, und daß sie daher als Herr und Herrin zugleich auf meinem kleinen Besitztum schalten und walten könne, wie sie wolle. Endlich ließ sie sich doch erweichen. Sie werden meistens finden, daß alte Frauen willfährig sind, wenn man sie bei ihrer Ehre faßt. Außerdem gab es aber noch einen andern günstigen Umstand, der mir zu Hilfe kam. Die Nachbarschaft meiner Besitzung hat für Mrs. Lewson eine gewisse Anziehung. Sie sagte nicht ausdrücklich, was es sei, und ich habe sie auch nie darum gebeten, es mir zu sagen.«

»Sie werden es wahrscheinlich, auch ohne daß Sie es aussprachen, erraten haben,« entgegnete Iris; »das treue Herz der alten Lewson hält das Andenken des armen Arthur in hohen Ehren – und Arthurs Grab liegt nicht weit von Ihrer Besitzung entfernt.«

»Sprechen Sie nicht von ihm!«

Er sagte diese Worte laut, bestimmt und erregt. Er sah sie an mit angstvollem Erstaunen in seinem Gesicht.

»Sie hatten ihn doch auch gern,« sagte er, »und können trotzdem so ruhig von ihm sprechen? Dieser edelste, aufrichtigste und beste Mensch, der jemals von der Erde zum Himmel aufgeschaut hat, ist auf schändliche Weise ermordet worden, und der Schurke, der ihn tötete, der lebt noch, geht noch frei herum! O, wo bleibt da Gottes Vorsehung und Gerechtigkeit – gibt es denn keine Vergeltung mehr, gibt es keine Hand mehr, welche Arthurs Tod rächen wird?!«

Als diese heftig ausgestoßenen Worte ihm entschlüpften, war er nicht mehr der leichtsinnige, liebenswürdige und heitere Mann, als welchen ihn Iris kannte und liebte. Die wilden Leidenschaften der keltischen Rasse funkelten unstät in seinen Augen, und die gesunde Farbe, welche sein Gesicht gewöhnlich hatte, verwandelte sich in tiefe, erschreckende Blässe.

»O mein unglückseliges Temperament!« schrie er laut, als Iris schaudernd vor ihm zurückwich. »Jetzt haßt sie mich, und das ist auch gar nicht zu verwundern!«

Wankend entfernte er sich von ihr und brach in ein krampfhaftes Schluchzen aus. Mitleid, himmlisches Mitleid gewann die Oberhand über das irdische Gefühl des Schreckens in dem großen Herzen des jungen Mädchens, das ihn liebte. Sie ging ihm nach und legte zärtlich ihre Hand auf seine Schulter.

»Ich hasse Sie nicht, Harry,« sagte sie; »ich bin betrübt Arthurs wegen – und ich bin auch betrübt Ihretwegen.«

Er umschlang sie mit seinen Armen. Seine Dankbarkeit, seine Reue und sein wortloser Abschied, alles dies kam zum innigen Ausdruck in einem letzten heißen Kuß. Es war ein Augenblick, den sie niemals vergaßen bis an das Ende ihres Lebens. Bevor sie wieder sprechen, bevor sie überhaupt wieder denken konnte, hatte er sie verlassen.

Sie rief ihn zurück durch die offenstehende Thür. Aber er kam nicht wieder; er antwortete nicht einmal. Sie eilte an das Fenster und riß es auf; sie kam gerade noch zur rechten Zeit, um zu sehen, wie er dem Kutscher ein Zeichen gab und in den Wagen sprang.

Ihr Erschrecken über das verhängnisvolle Vorhaben, welches sie nur zu deutlich aus seinen Worten herausgehört hatte – ihre Ueberzeugung, daß er sich auf die Suche nach dem Mörder begeben würde, um selbst die schreckliche Strafe, Blut für Blut, auszuführen – gaben ihr den Mut, laut aus dem Fenster zu rufen.

»Komm zurück,« schrie sie, »ich muß, ich will mit Dir sprechen!«

Er winkte ihr nur mit der Hand noch einen letzten Abschiedsgruß zu.

»Halten Sie Ihre Pferde an!« wandte sie sich nun an den Kutscher. Beunruhigt durch den verzweifelten Klang ihrer Stimme und durch seinen traurigen Blick, fragte der Mann unschlüssig, wohin er denn fahren sollte. Lord Harry zeigte nur wütend auf den vor ihnen liegenden Weg.

»Fahren Sie zum Teufel!« antwortete er heftig.

 << Kapitel 23  Kapitel 25 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.