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Bismarck - Ein Weltroman - Band 2

Karl Bleibtreu: Bismarck - Ein Weltroman - Band 2 - Kapitel 1
Quellenangabe
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typefiction
authorKarl Bleibtreu
titleBismarck ? Ein Weltroman ? Band 2
publisherVerlag der Literaturwerke »Minerva«
printrunDritte Auflage 16. bis 25. Tausend
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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In der deutschen Werkstatt

So verlief die Neuenburger Sache unrühmlich im Sande, ohne ein anderes Ergebnis als neue pathologische Belastung des Königs. Er, der sich in großen Angelegenheiten so wunschlos begnügte und jede Ungebühr einsteckte, empfand es als Nagel zu seinem Sarge, daß man ihm sein Neuchâteler Spielzeug nahm. »Der Triumph der Revolution!« Auf dieser Saite harfte auch der alte Gerlach unablässig herum und haranguierte Otto mit einer Flut brieflicher Dissertationen, reich gespickt mit historischen Kommentarien, deren Entgegennahme eine Lammsgeduld erforderte. Zunächst nannte er seinen langjährigen Genossen einen Bonapartisten, d. h. einen Anhänger der Revolution. Sodann verglich er ihn mit Haugwitz unseligen Angedenkens, der sich vom Korsen umgarnen ließ, Österreichs Niederlage zuzuschauen und so die eigene Niederlage anzubahnen. Der würdige Veteran maßte sich schulmeisterlich belehrende Abkanzelung an. Was Otto die Zornröte ins Gesicht trieb, der Vergleich mit Haugwitz, war besonders sinnig.

Es gehörte außer eiserner Geduld eine treue Gutmütigkeit und Pietät für alte Freundschaft dazu, eine Korrespondenz fortzusetzen, in der sogar vom bourbonischen Thronprätendenten Henri V. (Comte de Chambord) gefaselt wurde. Ein wenig trug auch die Nützlichkeitsrechnung dazu bei, sich dem einflußreichen Beirat des Königs nicht entfremden zu dürfen. Doch daß dieser Grund nicht in erster Linie stand, zeigte das Abbrechen der »Repliken« durch Otto, als er den Blödsinn endlich dick hatte. In einem Briefe Ottos fiel das allerbezeichnendste Wort, daß man »die Realität ignoriere«. (Er hätte zwar schöner schreiben können »die Wirklichkeit nicht wissen wolle«, aber man muß zugeben, daß die Ausmerzung von Fremdwörtern oft nur äußerlich die Schreibart reinigt, dafür aber die Genauigkeit des Ausdrucks schwächt.)

»Was soll dies Festlegen auf Begriffe!« äußerte er sich im gelben Kabinett bei Pfeife und Zigarre vor seinem jungen Kavallerie-Attaché. »War der legitime Louis Quatorze etwa minder feindselig als der illegitime Korse? Ich halte mich an das vorhandene Frankreich, immer das gleiche, und es von meinen Kombinationen ausschließen wäre so, als ob ein Schachspieler erklären wollte, ein im Brett befindlicher Turm sei für ihn Luft. Daß ein Preuße stets ein Franzosenfresser sein müsse, ist auch nur so eine faule Gefühlspolitik, eine echtdeutsche Spezialität. Die andern drapieren sich natürlich auch mit Gemütsschwindel für ihre Selbstsucht, doch nur wir nehmen solche Düpierung ernst. Ich werde Ihnen mal ein paar Sätze aus meiner Korrespondenz mit dem alten Narren Gerlach vorlesen, ich habe die Konzepte hier. Gott verzeihe mir, daß ich so von einem braven, begabten Greis und einem alten Freunde rede! Aber diese Menschen könnten einen Esel zum Ausschlagen bringen.« Er kramte in Papieren und las: »Halten Sie den Kaiser Franz Josef überhaupt für eine aufopfernde, hingebende Natur, und insbesondere für außerösterreichische Interessen? Finden Sie zwischen seiner und der napoleonischen Regierungsweise vom Standpunkte des ›Prinzips‹ einen Unterschied? Und hier, das ist zu unterstreichen: Bündnisse sind der Ausdruck gemeinsamer Interessen und Absichten. Ob wir Absichten überhaupt haben, weiß ich nicht, aber daß wir Interessen haben, daran werden uns andere schon erinnern.‹ Auch die Kleinstaaten, die sich mit v. d. Heydt im Zollverein ab und zu überwerfen, um ihre Wichtigkeit fühlen zu machen. Fühlen die etwa den Beruf, etwas für Preußen zu tun? Übrigens für Österreich auch nicht, wenn sie es nicht gegen Frankreich für den Stärkeren halten. König Max von Bayern ist jetzt in Fontainebleau auf der Hirschjagd, da wird er sicher nicht den Bock schießen, vor Napoleon den Leonidas herauszukehren, über dessen Leiche erst Frankreich in Deutschland einbrechen könne.« Er streckte die Beine lang und durchmusterte die Konzepte. »O diese Berliner! So unverschämt im Laxieren ist doch nur Österreich. Das will uns noch gar in der faulen Neuenburger Sache beigestanden haben! Aber freilich, wer hatte denn von uns zu fürchten und zu hoffen? Hehe, da ist wieder ein hübscher Satz. ›Daß man aus Gefälligkeit oder Rechtsgefühl handelt, das dürfen andere von uns, wir aber nicht von ihnen erwarten!‹ Also ich will mit Frankreich gegen Deutschland konspirieren? Aber die anderen dürfen sich gegen uns verbrüdern mit wem sie wollen, man darf Riemen aus unserer Haut schneiden, denn das edle ›Prinzip‹ benimmt uns die Möglichkeit, uns mit Frankreichs Hilfe solcher Prozedur zu widersetzen. Wir sind wie ein zu nachsichtiger Ehemann, der von Fall zu Fall den schuldigen Teil in flagranti ertappt, aber immer ein Auge zudrückt.«

»Wie stellt sich denn Herr v. Gerlach seine Prinzipien in praktischer Durchführung vor?« fragte der Schüler bescheiden.

»Indem er solche in historischen Diskursen erfindet. Karl der Große und die deutschen Kaiser politisierten über das Christentum, der Deutsche Orden und Brandenburg dito, Österreich und Rußland für das Kreuz gegen den Halbmond, später Preußen und England für den Protestantismus, und die ganze neue Staatenordnung dreht sich um Kampf gegen die Revolution. Wir haben dagegen gesündigt, und müssen uns rehabilitieren, indem wir Frankreich möglichst vor den Kopf stoßen und bündnislos herumtaumeln. Das ist der Weisheit letzter Schluß, so geht die Litanei weiter. Daß Karl der Große und alle anderen Potentaten verdammt praktische Zwecke hatten und daß Phrasenzubehör nur für Ammengläubige die Zutat bildet, verstehen solche verrannten Ideologen nicht. Die republikanische Revolution stammt aus Holland, England, Nordamerika, die wir bereitwillig anerkannten, noch ehe Verjährung eintrat, die Bonapartes haben das Übel nicht zur Welt gebracht, sondern die Bourbons, die taten mehr dafür als alle Bonapartes.«

Was man hier zu hören bekommt! dachte der preußische Jungherr. Darf man sich dann noch konservativ nennen?!

*

Er besuchte auch wieder mal Metternich in Johannesberg, dessen unvergleichlicher Wein ihn mehr anzog als seine Unterhaltung. Er fand ihn noch mehr gealtert als vor Jahren in Wien, wo er ihn flüchtig wiedersah. Der alte Knabe erzählte wild durcheinander, ohne viel Zusammenhang und Pointe.

»Napoleon war ein bäuerischer Parvenü. Ach, wenn Sie Talleyrand gekannt hätten, unser aller Meister! Kennen Sie den Witz, wie Louis Philippe, der elende Renegat, den großen Mann auf dem Totenbett besuchte? ›Ich leide wie in der Hölle.‹ ›Schon?!‹ Ich nenne das roh. Nun, mein Gewissen ist rein. Ich habe das Gute geliebt und das Rechte getan. Die Kaiserin Ludovica war eine schöne Frau. Die erhabene Monarchin hat mal in einem Brief den abscheulichen Tiroler Bauern allerhöchsteigenhändig den Kopf gewaschen, daß sie sich ohne allerhöchsten Befehl des Landesvaters befreien wollten. Wenn sich die Völker selbst befrein, da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn ... Schiller hatte lichte Momente und war überhaupt nicht der Narr, zu dessen Heiligkeit die liberalen Faselhänse beten. Da werden Weiber zu Hyänen ... ach, wenn ich noch an Fürstin Galizin denke, und Frau v. Liewen, wenn diese entzückenden Damen Migräne hatten! Einmal, als ich ein Riechsalz holte ... doch, was ich sagen wollte, Mazzini ist ein Irrsinniger, dagegen Kossuth ein Staatsmann der Revolution.« In diesem Tone ging es fort. Dabei weiß er von Kossuth so wenig wie von Mazzini, der Diplomat alten Stils schöpft jedes Urteil aus den Tiefen seines Gemütes, ungetrübt von Sachkenntnis, und hätte Metternich keine Buhlweiber in Paris gehabt, so hätte er dort so wenig erfahren wie anderswo. Diese Leute kommen wie die Fürsten nie in Berührung mit dem Volke, und von fremden Höfen lernen sie nur die Menüs auswendig.

Immerhin blitzte einmal ein Funke der alten Pfiffigkeit auf, das faltige Gesicht belebte sich und straffte sich mit gehaltenem Ernst: »Ich denke mir, liebe Exzellenz, Sie möchten sich bei mir ausklagen. Sie haben Grund dazu. Als Sie das erstemal hier waren, betonte ich gelegentlich, daß mein System früher verlangte, Österreich möglichst aus den häuslichen Angelegenheiten Deutschlands herauszuziehen und Preußen dort möglichst freie Hand zu lassen. Ich äußerte mich zu Thun-Hohenstein in diesem Sinne und glaubte ihn ähnlich instruiert. Seither nahm ich mit Leidwesen wahr, daß die Politik Schwarzenbergs, die ich perhorreszierte, von Buol-Schauenstein womöglich in noch schärferem Tempo fortgesetzt wird. Umsonst spreche ich mein Mißfallen aus, man hört nicht mehr auf den alten Mann. Merken Sie sich aber, daß ich das Vorgehen gegen Preußen nicht billige, und Graf Rechberg mich deshalb in Wien anschwärzt, wenn ich mal wieder in Frankfurt durchkomme und ihm die Leviten lese, wie es meinem Alter und meiner Erfahrung zukommt.«

»Euer Durchlaucht erkennen also das Mißliche dieser ewigen Trakasserien für Deutschland?«

»Für Österreich, mein Herr. Deutschland geht mich nichts an. Unser Schwerpunkt liegt nicht hier, sondern in Italien, und noch mehr im Osten. Nur unser Verhältnis zu Rußland hat Bedeutung, und uns dabei Preußen entfremden, ist der Gipfel des Unverstandes. Preußen wurde früher durch die Verhältnisse Rußland in die Arme getrieben. Auf dem Wiener Kongreß war der Antagonismus so stark, daß wir mit Frankreich und England gingen, eine unnatürliche Kombination. Mein hochseliger Herr, Kaiser Franz, gottseligen Angedenkens, rief damals: I laß halt schieß'n! Ich darf wohl sagen, ich erwarb mir Meriten um die Menschheit, als ich diese schiefe Bahn reparierte und Heilige Allianz einfädelte. Aber die innerpolitischen Motive, in denen wir beide ja wohl einig sind, mögen die Demagogen schimpfen, jedenfalls sicherte ich auf lange den Frieden Europas.«

»Was dem Ausheilen wirtschaftlicher Wunden nötig war. Ich bestätige Euer Durchlaucht dies große Verdienst. Otto urteilte ehrlich.

»Ich danke Ihnen, auf Ihre Anerkennung lege ich Wert.« Der alte Herr nickte ernst. »Verläßt man diese Grundzüge der großen Politik, so kommt die große wie die kleine der Einzelfragen ins Schwanken. Jetzt haben wir das Vergnügen. Preußen wird sich eines Tages mit Frankreich oder Rußland oder beide zusammen gegen uns verbünden, und dann haben wir das Nachsehen, denn auf England ist nie Verlaß. Sehen wir uns nicht vor, werden wir schon bald Fiasko machen. Sehen Sie sich aber vor, daß Sie nicht einen neuen Rheinbund bekommen. Das würde Ihnen wohl auch nicht angenehm sein. Ja, ich meine persönlich Sie, soweit ich mich in Menschen auskenne.«

Otto lächelte flüchtig. »Euer Durchlaucht sind ein tiefer Seelenkenner. Doch leugnet der Empereur solche Absichten.« »Die wird er Ihnen gerade auf die Nase binden. Nun, Sie sind der Mann danach, sich eigene Gedanken zu machen, Enfin donc leben Sie recht wohl! Mich Alten sehen Sie schwerlich wieder, die Trommel ruft zum Abmarsch, ich scheide aus der Armee. Wie heißt doch der Gladiatorenspruch? Morituri te salutant!« Und mit einem langen Blick nahm die Vergangenheit Abschied von dem Manne der Zukunft. –

Der alte Knabe hatte mehr Grütze im Kopf als ich ahnte. Wäre er nur nicht auf den Hokuspokus der »Legitimität« hereingefallen, den ihm Talleyrand vormachte und der nicht mal den Bourbons anders als vorübergehend nützte. Diese älteren Hexenmeister manipulieren mit Zauberformeln, die nur so lange täuschen, bis ein Klarsehender den Kniff durchschaut. Und die neuen sind nicht anders, Alte und Junge alle miteinander Prinzipienreiter. Dieser schlaue Papa Metternich denkt innerlich, ich würde auch jede Realität meinem Prinzipe opfern, dem Haß wider Österreich. Wie naiv sie alle sind, diese sogenannten Staatsmänner! Sympathien und Antipathien persönlicher Art sind Untreue gegen das Vaterland, dem allein man verantwortlich ist. Ich werde Österreich genau so lange verfolgen, als es Deutschland im Wege steht, darüber hinaus gibt es für mich weder Liebe noch Haß.

Die chronische Holsteinkrankheit zeigt auch wieder akute Symptome. Wenn unsere gesunden nationalen Säfte Krankheitsstoffe aus- und abstoßen wollen, kommen die Quacksalber und impfen uns neuen Aussatz ein, statt uns durch Naturheilverfahren zu kurieren. –

Der Herzog von Augustenburg bedrängte Otto früher mehrfach in Frankfurt, seine Erbberechtigung fand aber dort taube Ohren, und es lief auf massive Geldentschädigung hinaus. Jetzt meldeten sich aber wieder seine Anhänger. –

»Durch Arrangement eines neuen Kleinstaats ist nichts für uns zu holen,« belehrte der Meister seinen Kavallerieattaché, »der Dankbare würde bald ein Undankbarer, der von uns eingesackt zu werden befürchtet. O, Gott, woher nimmt unsereins nur noch die Courage und Ambition? Ich will fortan meine Instruktion vollziehn, meine Tinte sparen und meine Galle dazu.«

»Das bringen Exzellenz ja doch nicht fertig«, lachte sein junger Bewunderer. »Arbeiten ist Ihr Leben.«

»Man treibt mir's zu arg. Diesen Leuten werden die gebratenen Tauben, auf die sie warten, höchstens in den Mund fliegen, wenn sie gähnen. Wozu der ganze diplomatische Apparat, wenn man nur vegetieren und die Hand in den Schoß legen will! Zum Teufel, ich will mein Brot verdienen und nicht umsonst vom Steuerzahler mein Gehalt fressen. Ich möchte, hätte Gott mir die Kraft verliehen, die sieben Arbeiten des Herkules verrichten, und was ich aus diesem jetzigen Morast für mich herausfische, ist bloß Tantalus- und Danaidenarbeit. Napoleon wird schon ungehalten. Der allerchristlichste König nannte den Cromwell Herr Bruder, denn kein Nichtdeutscher ist blöd genug, einem Doktrinenpopanz die Realität zu opfern. Unsere läppischen Konservativen möchten sich so zeitlebens vor Rußland auf die Knie werfen, und wird das nicht anders, so wird in ferner Zukunft noch schweres Unheil entstehen, daß man auf allgemeine dynastische Tendenzen der Zaren baut und nicht glaubt, sie trieben geradeso Nationalpolitik wie alle andern. Wer bürgt denn dafür, daß nicht einst in Rußland geradeso ein Deutschenhaß erwacht, wie bei uns in Preußen der Franzosenhaß in der älteren Generation wurzelt? Wird ein Zar sich dann besinnen, uns auf den Leib zu rücken, und müßte er dabei einen französischen Republikpräsidenten, wenn's so etwas mal wieder gibt, Herr Vetter nennen? Bah, diese kleinbürgerlichen Krähwinkler! Sie weigern dem Gefährlichsten den Schein der Höflichkeit und setzen einen Cäsar auf die Proskriptionsliste, obschon gerade er die Demagogie los sein will, aber England darf ungerügt sein Gewerbe treiben, überall Unfrieden mit Friedens- und Freiheitsphrasen zu stiften. Wer sagt denn, ob nicht England unser natürlicher Feind ist wie Österreich? Es ist jetzt schon neidisch auf unser bißchen Industrie und verpönt jede Möglichkeit unseres maritimen Aufschwungs, wenn wir ihn je bekommen. Wie diese »Bundesgenossen« auf dem Wiener Kongreß und beim zweiten Pariser Frieden uns übers Ohr hieben, schlimmer könnten es Frankreich und Rußland auch nicht treiben. Mit denen uns gut halten, ist unsere einzige Rückversicherung gegen Übervorteilung, läßt uns offene Türen. Österreich wird uns nie ein Äquivalent bieten, Frankreich wohl.«

»Aber wird nicht Mißtrauen beim Deutschen Bund erregt?«

»Der – Gott verzeih mir, ich wollte schon sagen: der Rheinbund – der mißtraut uns ohnehin, und ob unsere Vertrauensseligkeit alle Töpfe überfließen macht. Unsere bloße Existenz ist ihr Fluch. Sie müssen uns fürchten, das allein ist die richtige Bundesakte, die sie im Zaum hält. Der unglückliche Gerlach hält den Baseler Frieden mit der französischen Revolution für den Urgrund der Jenakatastrophe, weil wir Abfall von Gott und Pakt mit der Hölle trieben. Als ob die Kleinstaaten, die noch ganz anders baselten, nicht nachher ihr Schiffchen ins Trockene gebracht hätten, bloß weil sie bei den Großmächten lieb Kind waren gegen das gehaßte Preußen! Wahrhaftig, es muß in dieser instinktiven Furcht vor uns doch irgendwas Reales stecken, eine Ahnung, denn so wie wir jetzt sind, hat uns doch niemand zu fürchten.«

Unsere Armee!« warf der junge Offizier halblaut hin.

»Noch nicht.« Otto schüttelte langsam den Kopf. »Auf den Lorbeeren der Befreiungskriege sind wir nicht eingeschlafen, wie einst auf denen Friedrichs des Großen. Aber wir müssen noch mehr Frühaufstehen lernen, den anderen um einen ganzen Sprung und Arbeitstag vorankommen, unsere Überlegenheit heimlich noch fester schmieden. Die andern sind viel zu faul und oberflächlich dazu, ihnen werden die Augen für moderne Reformen in Heeressachen erst aufgehen, wenn's zu spät ist. Die allgemeine Wehrpflicht muß strenger konsolidiert werden, das soll das Werk des Prinzen von Preußen sein, so Gott will. Ja, dann –!« Sein Auge glänzte. Dann erlosch der Glanz, und er gähnte, die Zigarre hinlegend: »Ich muß Ihnen eine Depesche an den Augustenburger diktieren.«

In Dänemark hatte eine stürmische Demokratie das Ruder an sich gerissen und betrieb mit dem ganzen Feuereifer politischer Unwissenheit eine nationale Danebrogpolitik, die zur Losreißung Schleswig-Holsteins vom Deutschen Bund drängte. Das paßte natürlich auch Österreich nicht, Graf Rechberg erhob gewichtigen Einspruch. Otto zitterte davor, daß diese Schwergeburt, wo wahrscheinlich ein Kaiserschnitt später nötig wurde, eine Frühgeburt werden könne. Er versicherte daher Napoleon bei damaligem Gespräch über die Frage: »Dänemarks Integrität ist vielleicht in Frankreichs Interesse, doch nicht mit dortigem Demokratenregime. Das ist unvereinbar mit Beibehaltung des heutigen wünschenswerten Zustands.«

»Sie denken, das würde zur Auflösung des dänischen Staates führen? Mag sein. Von mir aus hat man keinen Einspruch zu befürchten, wenn man deutscherseits dort Ordnung schafft.«

Tatsächlich hatte der Deutsche Bund die von Österreich und Preußen vor fünf Jahren zugestandene Erbfolge des Prinzen Christian von Sonderburg-Glücksburg nie sanktioniert und dies als Selbstmord deutscher Nachgiebigkeit bezeichnet. Als jetzt die frechen Danskes einer kerndeutschen Bevölkerung das Joch der Danisierung mit Verfassungsbruch aufzwingen wollten, mußte der Aufschrei in ganz Deutschland den Bundestag zur Tat rufen.

Anfang Juli erschien plötzlich auf Durchreise nach Paris der kleine Fürst Gortschakow in Frankfurt, den Otto sofort aufsuchte, weil er wußte, daß dies etwas zu bedeuten hatte. Nach gegenseitigen Komplimenten putzte der Russe seine Brillengläser: »Da hätten wir also wieder die dänische Frage, die unserem hochseligen Zar so naheging!«

»Auch Seiner Majestät dem Zaren Alexander II.?«

»Rußlands System bleibt immer das gleiche,« versetzte der kleine Mann hochtrabend. »Wie ich weiß, beredeten Sie sich darüber mit dem Kaiser der Franzosen.« »Allerdings«, bekräftigte Otto ruhig. »Ich stellte vor, daß es Ehrenpflicht sei, die deutschen Untertanen der Krone Dänemark in ihren verbrieften Rechten zu schützen.«

»Pflicht von Preußen?« fragte der Russe mit einem Anflug von Spott.

»Pflicht von Deutschland. Ich bereite Sie darauf vor, daß diesmal Einstimmigkeit am Bundestage herrscht.«

»Sapristi, geschehen noch Wunder? Das wäre das erstemal! Darf man fragen, wie sich der Kaiser Napoleon dazu stellt?«

»Man darf, denn Sie werden das gleiche in Paris erfahren.« Gortschakow lächelte fein, er lebte und starb in dem Glauben, daß jeder Staatsmann immer zwei verschiedene Eisen im Feuer hat, die er abwechselnd hervorzieht, und daß bewußte Doppelzüngigkeit das wahre Wesen echter Politik sei. Daß dieser Preuße und der unheimliche Empereur beide bis zu einem gewissen Grade das Eindeutige liebten, weil bei unnötiger Falschheit nichts als Aufenthalt und Verwirrung herausschaut und Winkelzüge nur Toren täuschen, begriff er nicht. »Frankreich wird Preußens Forderung in Kopenhagen unterstützen, vorausgesetzt, daß man nicht das Dasein Dänemarks gefährdet.«

»Und wenn die Dänen trotzig bleiben und die Deutschen Gewalt anwenden?«

»Dann behält er sich Aktionsfreiheit vor, jedoch in uns wohlwollendem Sinne.«

»Dieser Sinn richtet sich nach den Umständen, wie bei uns.«

»Rußland hat hier nur das gleiche Interesse wie wir: territoriale Integrität Dänemarks.«

»Freilich. Doch ich dachte mir –«

»Jede Änderung wäre uns unbequem. Doch eben diese neue oktroyierte Generalverfassung ändert den legitimen Rechtszustand.«

»Hm! Diese deutschen Untertanen gaben Proben genug von revolutionärer Unruhe.«

»Heut nicht mehr. Jetzt liegt die Demokratie ganz auf dänischer Seite, wie immer bei nationalistischer Strömung.«

»Demokratie und Nationalismus nahe verwandt? Das läßt sich hören.« Der kleine Herr nahm wieder Zuflucht zu seiner Brille, deren Beschaffenheit er bessern mußte, um klarer zu sehen.

»Jawohl, die Revolutionäre hetzen stets Nationalitäten gegeneinander wie in Italien, Ungarn und Polen.« Das saß!

»Ah, ah! Ich muß gestehen, Sie legen Beziehungen dar ... ich glaube, wir werden handelseins.« –

Es kam sehr gelegen, daß Prinz Friedrich von Hessen ihn zu einer Jagdtour nach Skandinavien einlud. Das bot guten Vorwand, die dänische Frage aus der Nähe in Augenschein zu nehmen.

*

Durch die weiche Augustluft über Kreidefelsen der Küste hin schwamm ein roter Mond, dies Farbenphänomen auf hoher See, das sich allmählich in grasgrüne, orangegelbe, weißliche Tinten wieder auflöst. Auf den Wogenbusen spielten die Mondstrahlen in leuchtenden Ringeln wie Nixenreigen. Hier also längs der Terasse von Helsingör wandelte Hamlet und sah seines Vaters Geist in Waffen. Otto starrte nach dem Seeland hinüber und sah auch einen Geist in Waffen.

König Friedrich VII., der ihn zur Audienz erwartete, hatte sich den Degen umgeschnallt und einen Helm aufgesetzt. Er begann taktvoll mit Schilderungen des letzten Krieges zwischen Dänemark und Preußen, wo er oft allerhöchst dabei war. »Als ich vor Kolding rückte, ha, da hagelte es Granaten. Ich gab den Befehl zum Sturme und setzte mich an die Spitze.« Natürlich saß er damals hübsch zu Hause und ein weiblicher Schatten, den eine sonnige Nebengalerie an die Wand warf, belehrte Otto, daß der ganze Speech an die Gräfin Danner gerichtet war, die mit ihrem Liebhaber wie mit einem Leibeigenen verkehrte. »Ja, die herrliche neue Verfassung werde ich halten. Ich schwor es meinem hochseligen Herrn Vater auf dem Totenbette«, der nämlich sechs Jahre früher starb. Er müßte also wie Papa Hamlet Senior gespukt haben, um seine Einwilligung zu erkennen zu geben.

Wichtiger schien, daß einige Schleswig-Holsteiner mit Otto zusammenkamen und ihre Abneigung aussprachen, ein eigener deutscher Kleinstaat zu werden. Die Baudissin, Liliencron usw. waren darin einig mit den schon seit Jahrhunderten ganz dänisierten deutschen Rantzau: »Das bißchen Europäertum am Hof von Kopenhagen ist uns da schon lieber.«

Während Otto sich die Zeit absparte, das Thorwaldsenmuseum zu mustern, sann er: Wie wenig sich doch Völker ändern! Hier leben immer noch Polonius und Osric, und mögen Rosenkranz und Gyldenstern an jedem Hofe herumschleichen, ganz dänisch bleibt Laertes, der mit spitzer dänischer Zunge französische Phrasen drechselt und sein Germanentum verleugnet. Haß gegen England, das zweimal mit frechstem Völkerrechtsbruch Kopenhagen bombardierte und die Flotte stahl? Keine Spur. Aber den schäbigen Deutschen, die sich so viel einbilden, muß man eins auf den Kopf geben. Dafür weht das rote Danegbrogbanner mit dem weißen Kreuz auf den Orlogs, dafür die schlagfertigen Soldaten im dunkelblauen Rock und braunem Überrock mit rotweißen Schals. Und doch hatte man den dänischen Märchendichter Andersen in Deutschland verhätschelt und wie einen Einheimischen eingebürgert, so daß unsere Dekorationen früher auf seinem eiteln Kinderherzen klimperten als der Danebrogorden. Vom kalten klassizistischen Epigonen Thorwaldsen machte man ein Aufhebens, dessen sich deutsche Originalkünstler wie Cornelius und Kaulbach natürlich nicht erfreuten. Die Deutschen werden sich auf diesem Punkt niemals bessern. Wenn Welschgängerei und Affenliebe für Frankreich überwunden, werden sie zu Skandinavien und Russen beten. Nur das eigene Große werden sie stets benörgeln oder plattzudrücken suchen, wenn es sich regt, es sei denn, es schmuse sich mit zeitlichen Gewalten an. Um diese Zeit rang schon ein weltbewegender deutscher Genius mit der harten Not, bewitzelt und niedergeschrien, jemand, von dem ein Musiksimpeler wie Otto noch nie etwas vernahm, ein gewisser Richard Wagner. Nun, er hatte das Talent, alt zu werden. Auch der Schönhauser ging ja jetzt schon ins 43. Jahr, und nichts für die Unsterblichkeit getan. Da haben die reinen Geistesschöpfer es freilich besser. Ihr Ton, aus dem sie kneten, ist nicht so spröde, nichts hindert sie, wenigstens vor sich selbst und wenigen Verständigen ihres Geistes Spur zu hinterlassen. Wenn aber dieser preußische Gesandte heute starb, was blieb von ihm? Eine Reihe wundervoller Berichte und Depeschen im Archiv des Auswärtigen Amtes. Wenn später mal ein Historiker darin stöberte, würde er sich wundern: dies scheint ein sehr begabter Mann gewesen, schade! Ja, ja, wir stehen alle in Gottes Hand ...

»Königliche Hoheit! – Exzellenz! – Willkommen in Schweden!« empfing sie Baron Blixen mit der unvergleichlichen schwedischen Höflichkeit und Gastfreundschaft. Sein Schloß lag hoch und weiß auf einer Halbinsel inmitten eines breiten Sees. Düstere Eschen beschatteten die sonnige Einsamkeit, die Natur schien hier ewig einen stillen Sonntag zu feiern. Soll man ihn stören durch Schüsse auf feiste Rehböcke? Der Geist ist willig, doch das Fleisch schwach und die Jagdpassion stark. Die Jagden nahmen kein Ende, später bei Graf Plessen in Roeskilde, dann wieder nach Schweden hinein. Heidekraut, Wachholder, Rosmarin, Torfmoor, wunderliche Felsblöcke wie versteinerte Trolls, o, hier unter Harzgeruch einschlummern, wo keine versiegelte Depesche den Europamüden erreicht. Es ist Entweihung, diese Wildnis zu stören und auf scheue Birk- und Auerhähne zu fahnden, aber der sündige Mensch tut es doch und stolpert dabei auf einer Felskante und verletzt sich das linke Schienbein.

Durch Umschläge schien der Schaden bald geheilt, und nun ging es wieder aus dem Urwald zurück, wo graue Bergnasen spöttisch eine Nase zu drehen und tanzende, rotgetupfte Forellen im schäumenden Wasser die menschliche Hetz- und Fraßgier zu verhöhnen schienen. »Ich werde doch wohl noch hierher auswandern«, schrieb er an Nanne. So tief steckt in jedem Germanen der Urmensch, das Einssein mit der freien Natur, was ihn allzeit vom Romanen, Slawen und allen Nichtariern unterscheidet. Doch lebt dies Sehnen nach Frei- und Alleinsein zutiefst im Deutschen, der sich so als der ungemischteste Germane bekundet, mögen ihm dies Geblüt die Skandinavier auch streitig machen. Beim Angelsachsen, der jenes Gefühl in hohem Grade besitzt, geht alles in rohphysischem Sport- und Vertilgungstrieb unter. Schießt er auf big game, kann ihm die ganze Schönheit der Natur gestohlen werden. Möglichenfalls seine Insularerziehung zur Seeräuberei.

Otto war eben ein Deutscher vom Wirbel bis zur Sohle, nichts Deutsches war ihm fremd, ein nationaler Typ, wie ihn in solcher Reinheit kein anderes Volk hervorbrachte und in dem jeder Deutsche sich selbst bespiegeln kann. Von ihm galt, was Goethe vom Nibelungenlied (dieser vom größten Deutschen, dem Alten Fritz, unleserlich genannten Nationalbibel) sagt, daß jeder Deutsche je nach seiner Beschaffenheit etwas darin für sich findet. Das muß eine große Nation sein, in der sich jeder je nach seiner Art diesem riesigen Kerl verwandt fühlt, auf den Wodan – oder Odin hier im Stammland der weißhäutigen, blonden Germanen – absonderlich gnädig lächelt und auf den alle Walküren in Walhalla warten.

In Kopenhagen fand er einen Heilruf seines alten Universitätsgenossen Graf Keyserling, er müsse sofort bei ihm in Kurland gegen Wölfe, Auer und Wisentelche zu Felde ziehen. Das leuchtete ihm ein. Siegfried und Hagen wollten Schwein, Auer und Wisente jagen, was konnte Kühneres sein? Dazu schlug er Bären und einen grimmen Schelch, der Herr von Niederland.

»Na, sind Sie nun entschlossen?« fragte Graf Oriola, sein alter Bekannter, mit dem er für Gott eine Lanze brach, jetzt Gesandter in Kopenhagen, der sich äußerst liebenswürdig erwies. »Ich habe aber einen allerhöchsten Befehl, Sie über Berlin abzuleiten«. Otto stöhnte. Die wollen mir selbst meine Ferien, verleiden. Adieu, Dänemark! Wer weiß, wann wir uns wiedersehen! Ist nicht was faul im Staate Dänemark? Die Möven, die sein Schiff begleiteten, krächzten so übelwollend. In Berlin die alte Schmiere. Nur los davon!

Doch was er erfuhr, war diesmal keine alte, sondern eine neue Peinlichkeit.

»Sie haben schon wieder ohne Ende geraucht«, begann der König mit schwerer, stockender Stimme. Er schnupperte in der Luft und sog sie mit einer Miene des Ekels ein. »Sie wissen doch, daß diese unästhetische häßliche Unart mir ein Scheuel und Greuel ist, wie dem seligen Goethe. Nächstens wird man noch Briefe in meiner Gegenwart siegeln mit dem widerwärtigen Lack. Nicht mal seine Handschreiben dürfen vor ihm gesiegelt werden, was zu grobem Vertrauensbruch hätte führen können. Auch weiß niemand, ob solches nicht manchmal geschah. »Da sind Sie nun! Ich habe einen Erlaß von mir ausgehen lassen, Sie tot und lebendig zur Stelle zu schaffen. Wie ich wahrnehme, hat mein Gesandter in ... in ... Stockholm diesen allerhöchsten Befehl submissest mit gebührender Devotion vollzogen.« Er brach ab und setzte sich, vor sich hinbrütend. Dann rief er mit klagender Weinerlichkeit: »Mein treues Ländle Neuenburg, zertreten unter den unbesohlten Füßen der Gottlosen!«

Fassungslos folgte Otto diesem Auftritt, während der diensttuende Flügeladjutant Edwin Manteuffel ihm fortwährend Zeichen machte. »Neuenburg wird unter die Fittiche Euer Majestät zurückkehren«, redete er dem König zu. »Allerhöchst ihr Wille wird von ganz Europa anerkannt, alles beugt sich vor Ihrer erhabenen Person.«

»Das möcht' ich diversen Illegitimen auch geraten haben!« Eine hektische Röte flog über sein verfallenes Gesicht. »Wenn ich nur nicht so müde wäre!«

»Jawohl, Euer Majestät müssen jetzt ruhen von dero Überbürdung mit Staatsgeschäften.«

»Der Ritter v. Bismarck soll sich beim Schloßhauptmann melden«, winkte der König traumverloren. »Der Kreuzzug wider die Ungläubigen ist beschlossene Sache. Ich genehmige die Gesinnungen, welche Euer Liebden mir auszudrücken die Gewogenheit hatten. Doch müssen einige Übeltäter dem Arm des weltlichen Gerichts überliefert werden.«

Draußen fragte Otto atemlos: »Seit wann?«

Manteuffel war bleich und kaute an seinem Schnurrbart. »Ich stand heut eine Todesangst aus, jede Annäherung von Unberufenen zu verhindern. Bei Ihnen mußte ich eine Ausnahme zulassen, und Sie werden keinen Gebrauch davon machen?«

»Mein Wort darauf! Wie ist das gekommen?«

»Am 9. Juli besuchten Majestät, zur Kur in Marienbad, den Kaiser in Schönbrunn, am 13. kam er über Dresden zurück und traf sich in Pillnitz mit dem König von Sachsen. Dort befiel ihn ein ... Unwohlsein. Die große Hitze bei der Reise hatten ihn angegriffen.«

»So las ich damals im Bulletin der Leibärzte und maß dem keine Bedeutung bei.«

»Man hat es sorgfältig verheimlicht. Am 17. hier in Sanssouci trat die ... die geistige Ermüdung,« Manteuffel suchte nach dem passenden Wort, »sehr deutlich zutage. Die kühle Aufnahme bei den befreundeten Herrschern und andere Eindrücke wirkten erschütternd auf sein Gemüt, es scheint an erregten Debatten nicht gefehlt zu haben. Seither war der hohe Herr nicht mehr der gleiche, doch hatte er sich wieder erholt, heut ist ein bedenklicher Rückfall zu verzeichnen.«

»Ich erinnere mich, am 27. Juni hier sah der König dem Exerzieren zu, ich meldete mich zum Antritt meines Urlaubes nach Kopenhagen und ritt neben ihm. Da entfielen ihm die Zügel plötzlich und ich mußte zugreifen. Auch fiel mir eine Gedächtnisschwäche auf. Doch an solche Katastrophe konnte ich nicht denken.«

»Es ist noch lange nicht so weit. Wenn nicht neue Störungen dazukommen, wird allmähliche Wiederherstellung eintreten, sagen die Ärzte. Ich werde ihn ängstlich hüten, und bitte: reinen Mund!«

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