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Bismarck - Band 3

Karl Bleibtreu: Bismarck - Band 3 - Kapitel 15
Quellenangabe
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typefiction
authorKarl Bleibtreu
titleBismarck ? Band 3
publisherVerlag der Literaturwerke Minerva R. Max Lippold
printrunDritte Auflage 16. bis 25. Tausend
year
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20090128
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IV. Schlacht bei Vitry.

Wir verließen das Leipziger Korps beim Vordrängen auf und über Vitry. Es dachte sich hier in stürmisch begeistertem Andrang die Sache leichter, als sie war. Das 17. K. setzte sich mörderlich zur Wehr; unaufhörlich prasselte Schrapnellhagel in den Waldkessel. Wer ohne statistische Grundlage arbeitet, ahnt nicht den wahren Brennpunkt der Sachsenkämpfe bei der 24. D., die sich dort am längsten hinzogen, wo sie am frühsten begannen. (Schon diese Zeitumstände beweisen das Fehlerhafte in Baumgartens amtlichem Verlustausweis; diese Amtlichkeit addierte anscheinend sehr liederlich.) Noch Bircher verbreitet die Sage von allgemeinem Rückzugsbefehl der O. H. L., die Sachsen hätten am 8. ihn schon erhalten. Sie erhielten nie dergleichen, fanden nur (siehe oben) üble Beeinflussung durch Bülow am 10. Seine grämlich verdrießliche Hoffnungslosigkeit lähmte Hausen, der ihm die Hälfte seines Heeres abtrat, auch auf der Ostseite bei 23., 24. und 40. D. Dieser stimmte durchaus nicht mit Bülows Schwäche überein und überzeugte den Unheilstifter Hentsch, als dieser bei ihm erschien, daß die 3. A. sehr günstig stehe, was den sauberen Herrn aber keineswegs in seinen Absichten beirrte. Allerdings mußte General Laffert, am 7. früh in festem Besitz von Vitry, sich vorerst auf größtes Geschützduell beschränken, wobei er den Kürzeren zog. Man konnte gegen Linie Courdemanges–Glannes nicht glatt vorgehen, das feindliche Feuer war zu mörderisch. Hausen wußte jetzt durch Radfahrpatrouillen und Luftaufklärer, daß sich feindliche Massen bei Brienne im Abtransport befanden. Er paßte sich daher nicht Bülows Eigenmächtigkeit an, der damals allen Ernstes vorschlug, die ganze 3. A. aus der Chalonsebene wegzuziehen und alles westwärts zu schieben, immer in selbstischer Angst um seine rechte Flanke am Morin. Weil er sein Heer so unvollkommen instradierte, sollte Hausen es ausbaden. Kam aber von Vitry später ein starker Feind, so konnte er zwischen 3. und 4. A. durchbrechen. Wahrscheinlich sollte letztere nach Bülows Meinung den Kampf bei Vitry übernehmen, Hausen belehrte sich aber bald, daß von ihr nichts zu erwarten sei. Jede anhaltende Südwestbewegung mußte Laffert in üble Lage bringen, da der Feind schon bis Sommepuis seine rechte Flanke zu überflügeln drohte. So nahm er Front nach Ost und Südost, insbesondere reckte sich 104. südöstlich. Dort sollte 23. D. anrücken; vorerst blieb Laffert allein mit drei Brigaden, denn von 40. D., noch meist zurück, kam nur 88. Brig. zu wirklichem Kampfe. Wie überall verwischt die deutsche Darstellung der Marneschlacht auch hier, wie unheitlich 3. A. ins Gefecht trat. Am 6. fochten schon erhebliche Teile der 1. und 2. A., als nur Vorhut 32. und acht Bataillone der 24. D. am Feinde waren; erst am 9. waren offiziell alle Divisionen da, doch viele Teile erreichten nicht das Schlachtfeld. Man vergesse aber nicht, daß die Entfernung von Reims bis Vitry viel größer war, als bis Petit Morin, daher Bülow natürlich früher auf den Feind stieß. Um so anerkennenswerter, daß gerade Lafferts Vorhut bei Vitry schon am 5. soweit voraus war. Verhältnismäßig brachte Hausen doch noch kompaktere Massen an den Feind als Bülow, zumal die Sachsen im August noch kein Drittel soviel verloren als Bülows vier verfügbaren Korps, ihrer Mitwirkung also besondere Bedeutung zukam. Es ist zwar irrig, daß die Sachsen bisher durch längere Märsche erschöpft waren als Bülows Scharen; das glich sich aus, wohl aber machte sich Bülow jetzt die Sache bequem, außer der Garde sputete sich nur Emmichs 19. Div. (Nur diese meldete nachher ihr Stabsquartier in Vauchamps; unsere Divination, daß 20. D. wesentlich nicht anlangte, gewinnt also neuen Beleg.) Hausens Vorhut und 19. K. waren allerdings schon am 3. in vollem Gange, 12. K. aber ruhte entschieden zu lange bei Rethel und alle verbrauchten daher mehr Marschkraft als 1., 2. und 4. A., um den Feind zu erreichen. Nicht fällt dies Hausen zur Last, der vielmehr jetzt das Äußerste an Pflichterfüllung tat, sondern der allgemeinen Liederlichkeit des völlig ungeregelten Vormarsches. Die Schuld dafür Moltke aufzubürden, ist unverständig; er verließ sich eben auf Bülow, wie sich Napoleon 1815 auf Grouchy verließ. Mit letzterem Marschall genießt Bülow eine gewisse ominöse Ähnlichkeit; denn man zeihte Grouchy irrig der Unfähigkeit, der nachher beim Rückzug bewies, daß Napoleon sich keineswegs in ihm irrte. Bülows Verdienste im August betonten wir genug. Doch wie Grouchy litt er an Eigensinn, hörte auf niemand, so verrannt in vorgefaßte Meinung, daß auch seine Rechtfertigungsschrift wunderbar derjenigen Grouchys gleicht, da auch er sich nicht scheute, mit falschen Zeitdaten seine Sache zu schützen. Wer weiß, ob nicht eines Tages ein Aktenforscher wie bei Grouchy enthüllt daß er absichtlich falsch zitierte! Dagegen darf man Hausen nicht vorwerfen, daß er nicht von Anfang an sich Bülows Bevormundung schon am 6. verbat. Dazu gehört ein unbeugsamer Wille gegenüber Bülows traditionellem Ansehen. Wenigstens leitete Hausen doch 23. D. in die rechte Bahn, die am 6. totmüde und verschwitzt nördlich Sommesons anlangte. Vor Zurückdrückung Eydoux' südlich am 8. früh war dort ihr Vormarsch nicht gesichert; von dort bis Sommepuis (nicht zu verwechseln mit Sommepy nördlich Chalons) ist noch eine weite Strecke. Wir halten daher angeblichen Gefechtseintritt der 23. D. schon am 7. für ausgeschlossen, außer vielleicht mit I/182. und drei Kompanien 100. laut V. L. Das konnte nicht Lafferts 104. erleichtern. Es lag Front südwärts gegen Grenoble Farm, während 106., 107. und 133. nach Südost feuerten. Die 89. Brig. war isoliert. Seit 8 Uhr morgens stockte der Angriff, die Leipziger Artillerie litt schwer. Glücklicher wirkte sie weiter links bei Huison, wo 134. und 139. einen Massenstoß abschlugen, der nordwestlich Courdenanges die rechte Flanke des 8. K. bedrohte. Die Rheinländer brachten dort den Sachsen keine Unterstützung, sondern bedurften ihrer selbst. Der Gefechtsstand der tapferen 24. D. war ungünstig, das Fußvolk fühlte sich unter beklemmender Artillerieeindeckung förmlich erlöst, wenn man den unsichtbaren Feind fassen konnte: wenn es die deutschen Linien reif zum Überennen hielt, bekam es dem 17. K. übel. Beim 104. gestaltete sich das Ringen in sengendem Sonnenbrand besonders furchtbar, der ungeheure Verlust des heldenmütig ausharrenden Regiments beweist klar, daß ihm am 7. noch keinerlei kameradschaftliche Entlastung kam. An einem Tage litt bisher kein Regiment ähnlich außer 37er bei Monthois, deren Verlustziffer wir für etwas überschätzt halten. Nordwestlich Sommepuis aus 5 km Entfernung schallte dieser Schußlärm zu General d'Elsa hinüber, der um 5 Uhr persönlich mit seiner Vorhut erschien und nordwestlich der Bahnstation die Haubitzen der 19. Fußartillerie auffahren ließ. Doch ungedämpft raste die feindliche Kanonade.

Aus südwestlicher Waldung und Humbauville längs der alten Römerstraße schlug vernichtendes Kreuzfeuer aus großem und kleinem Gewehr entgegen. Am 8. entwickelte sich 23. D. südlich, man gewann Boden, besonders die tapferen Freiburger. Der bei Dinant kontusionierte d'Elsa blutete, doch leitete ruhig im Sattel weiter. Das 104. hielt standhaft aus, Laffert drang jenseits Vitry weiter vor trotz des rasenden Feuers. Wir wissen von Elsas Mitkämpfern, daß in seiner Feuerlinie häufig Ablösung erfolgte. Dies Ab- und Zustreuen erklärt vielleicht die geringe Einbuße der einzelnen Teile. Wir bleiben dabei, daß beim neuen Gewaltmarsch manche Bataillone unterwegs und bei Sommesous zurückblieben. So verminderte Gefechtskraft (es hätten sonst 14 Bataillone sein müssen inkl. 11. hessische Jäger) erschwerte Vorgehen durch die Gehölze südlich Sommepuis, trotzdem nistete man sich nach Abschlagen eines großen Angriffs doch noch am Südrand des großen Waldstücks ein. Bei höllischer Schwüle erfrischte eher hitziges Raufen im Baumschatten. 104. drang jetzt über Grenoble vor, 47. Brig. geriet aber wieder in Kreuzfeuer, dagegen gewann 48. Brig. viel Boden bis nahe Schlößchen Raould westlich Courdemanges. Ein Gegenstoß zerschellte, die Lage des 17. K. wurde bedenklich, besonders wenn durch 23. D. umfaßt und durch 23. R. D. ganz von Foch abgezwängt. In der Nacht zum 9. wollten 48. und 88. Brig. die verderbliche Artillerie bei Les Rivieres südlich Raould überfallen, doch der um Beihilfe ersuchte General Tschepe lehnte wie bei ihm üblich ab, da er selber südlich Huiron wenig ausrichtete. Die 47. Brig. ärgerte besonders Batterien an den Hügeln nordöstlich Certine Farm, zu deren Wegnahme das brave 104. sich gestern nachmittag entschloß, doch nur Bahnlinie Sommepuis–Vitry überschreiten und sich dort eingraben konnte. Während Schrapnells unablässig über deutschen Schützengräben platzten, fand die Leipziger Artillerie im Waldgebiet keine genügenden Stellungen für Versendung ihrer Granaten. Das 17. K. hielt sich vermöge seiner trefflichen Batterien, die vorzügliche Deckung wählten, mit rühmlicher Festigkeit, doch in Bedrängnis auf beiden Flügeln. Gab es früher nach, so blieb die Schlacht für Frankreich verloren trotz Bülows und Klucks unentschlossenem Kleinmut. Sehr zustatten kam den Südfranzosen, daß das 8. K. sich schwächlich verhielt und ihre rechte Flanke nicht erschüttern konnte. Die Sachsen hatten den Rheinländern nichts zu danken, durften sich nur auf sich verlassen, zum Dank, wofür die Fama sie benörgelte und die Rheinländer belobigte. So ist der Lauf der Welt. Dagegen kam die Linke des 17. K. südlich des Mauriennebachs ins Gleiten. Die Schlacht stand damals nach Westen großartig, 20 km über Fochs Anfangsstellung Talon–Sommesous hatte deutscher Wille den Sieg vorgetragen. Obwohl die wie rasend feuernden französischen Geschütze, darunter schwere Kaliber, bei Sommepuis nur kargen Raumgewinn zuließen, schwächte sich am 9. um 5 Uhr nachm. die Kanonade zusehends ab, als habe man allzuviel sein Pulver verschossen. 23. D. atmete auf, seit Sonnenaufgang lag sie unter schwerer Beschießung. Am 10. früh war nach erbittertem Feuerkampf das ganze Waldgebiet behauptet, weiteres Vorgehen aber unmöglich, wenn nicht das R. K. endlich ablösende Kräfte vorbrachte und zwingenden Einfluß übte. Das blieb aus; wir sahen, daß Kirchbach 24. R. D. bei Planitz anhängte, 23. R. D. aber ganz südwestlich operierte. Ihre schwere Artillerie hatte indessen am 9. eine anrückende Feindesmasse bei Trouan so eingeschüchtert, daß sie Halt machte. Es war die linke Flügeldivision des Epinalkorps, die aus Lothringen eintraf, bei Brienne ausgeladen. Am 10. griff es die 23. D. an, drang an einer Ecke bei 11. Jg. ein, wurde aber von 12. Jg. abgewiesen und dann durch westliche Überflügelung über Soudé geworfen. (Man nennt hier wieder 108. Schützenregiment, was wir bezweifeln). Um 3 Uhr nachm. vergrößerte sich der Kampf gegen Laffert durch neu auftretende afrikanische Infanterie. Langte betrachtete nämlich die 4. A. als so ungefährlich, daß er eine Kolonialdivision und eine andere entsandte und so mit »6 Divisionen« einen Rammstoß ansetzte. Dieser famose, überall gewichtig betonte Stoß hatte so geringe Wirkung, daß die Sachsen ihn kaum empfanden, auch nahm die linke Division des Epinalkorps daran nur spärlichen Anteil, da sie fortwährend durch ein paar Bataillone der 23. R. D. und stärkere Artillerie gefesselt wurde, 23. R. A. verschob sich nämlich jetzt neben die schwere Fußartillerie dorthin. Was Langles sechste Division betrifft, so soll sie vom 2. K. Gerard gewesen sein, was wir aber dem früheren Standort nach kaum glauben, da es eine beschämende Geringschätzung der 4. A. voraussetzt. Wahrscheinlich war es eine seit Mouzon äußerst geschwächte des 12. K.

Von 5 Uhr nachm. nahm die Schlacht ab, die so günstig für Hausen stand, daß man sich anschickte, in der folgenden (nicht voraufgehenden) Nacht den Feind bei Sommepuis zu überfallen. Den verpuffenden »Rammstoß« bemerkte man sächsischerseits gar nicht als wesentliche Handlung. Vorstoß der 43. Epinaldivision von Les Efforts östlich Trouan fiel nach kurzem Waldeinbruch sehr schwächlich aus, und die vor Mörsern und Haubitzen ausweichende 13. D. blieb ehrfürchtig südlich des Mauriennebachs stehen. Langle sah seine Lage am 10. abends für sehr bedrohlich an, sie wäre bei energischem Vorgehen Herzog Albrechts ohnehin rettungslos gewesen. Da sah er am 11. den im Morgengrauen, nicht »bei Nacht«, unter plötzlich strömenden Regen angetretenen Rückzug der Sachsen vor sich die Waldebene leeren.

Nach Kirchbachs Abzug ließ sich die schon nördlich in der Flanke überhöhte Linie der 23. D. nicht behaupten. Der oft in unsere Fußstapfen tretende, doch stets in Halbheit befangene Bircher (der beiläufig allen Ernstes schon am 9. Sommepuis verloren gehen läßt) nennt dort 101. und 108. als Nachhut, für beide liegt kein Ausweis vor, wohl aber fürs 104., das laut V. L. noch am 11. auf seinem Posten stehen blieb. Nicht am 9., sondern am 11. bewog das Epinalkorps die Nachhut zum Abzug. Wann 107. und 133. Vitry verließen, sagt uns kein Baumgarten, vor 11. mittags zog Langle in Vitry ein, wahrscheinlich überzeugt, sein »Rammstoß« habe gewirkt. Natürlich stellte sich überall vom Ourcq bis zu den Argonnen die alte Finte ein, übergroßer Verlust zwinge die Deutschen, vom Angriff abzustehen! Denn außer allenfalls bei Esperet ließ sich ja der wunderliche Rückzug nur durch irgendein Geheimnisvolles erklären. Ach, wir kennen dies dunkle Geheimnis!

In der Mitte zuletzt eingedrückt, links umfaßt, rechts nach St. Dizier zurückhängend, wären die an Waldrändern und brennenden Gehöften sich so wacker wehrenden Südfranzosen schon am 8. weggequetscht worden, wenn die weit stärkere 4. A. rechtzeitig Langles Rechte aus den Angeln gehoben hätte. Dann hätte selbst Bülows Angsthaberei sich wohl oder übel zur Fortsetzung der Siegesschlacht verstehen müssen. Natürlich war verhängnisvoll, daß Moltke erst am 11. persönlich in Reims erschien, doch kein Unterführer klärte ihn auf, weder über die Unordnung des Vormarsches, noch über Entbrennen einer Hauptschlacht, was schon am 6. klar zu Tage lag. Lange wiegte er sich im Wahn, Joffre ziehe zur Seine ab. Man darf aber nicht sagen, daß er nicht durchschaut habe, wie günstig am 9. alles stand. Der Unglücksrabe Hentsch hatte Hausen am 9. halb überredet, so daß er Vorkehrung zum Rückzug traf, doch am 10. die Schlacht fortsetzte, aus welchem angeblichen Schwanken böswillige Kritik schloß, er habe wieder mal den Kopf verloren. Nichts weniger als das! Noch weniger erhielt er widerspruchsvolle Befehle Moltkes, wie die Sage raunt. Vielmehr klärte ein Funkspruch ½ 11 Uhr nachts Hausen über die wirkliche Auffassung der O. H. L. auf: »3. A. bleibt südlich Chalons, Angriff am 10. sobald wie möglich wieder aufzunehmen«. Darauf erhielt 19. K. Gegenbefehl, es solle in seiner Stellung verharren, was mit Jubel aufgenommen wurde. Bei Hausens Rückzugsanordnung vom 9. abends kam ihm natürlich nicht in den Sinn, daß Bülow, der doch wohl zwingenden Gründen folge, ohne jede Zustimmung Moltkes handele. Für Hausen wurde Hentschs Unheilgekrächz vom Siegesruf der begeisterten Truppen übertönt, jetzt überzeugte er sich, daß man an höchster Stelle ganz anders dachte als Bülow, wiederholter Befehl riß aus jedem Zweifel, was Moltke wünsche. Er hätte nur sofort auf Kirchbachs vorlaute Meldung ihm verbieten sollen, einen Schritt zu tun, ohne Genehmigung seines rechtmäßigen Vorgesetzten. Am 11. aber fiel er wieder aus den Wolken, als er nun wirklich von Moltke zu weiterem Rückzug aufgefordert wurde. Traurig schied er von seinem Siegesfeld, schmerzlich nahmen die Sachsen Abschied und durchwanderten 60 km, ehe sie die erste Ruhe fanden. Zweimal störte die Abgehetzten nicht etwa der Feind auf, sondern krankhafte Rückzugssucht Bülows und auch höchst unnötigerweise Herzog Albrechts, so daß man umsonst schanzte und weiter zurückkrebsen mußte. Das empört umsomehr, als der Feind nicht etwa alles zusammenraffte, wessen er zur Verfolgung habhaft werden konnte, sondern sich ganz untätig verhielt, sterbensfroh und erstaunt über die eigene Rettung. Nur 21. K. holte sich blutigen Kopf, als es am 13. zaghaft vortastete. Wo? Bei Chalons. Denn dort standen laut V. L. noch am 13. das 107. und 134., grade so, wie eine Nachhut von Planitz. Nur 106. ging vorzeitig bis Perthes zurück, 104. und 133. fochten noch am 11. und 23. R. A. verzeichnet noch für 11. »bei Vitry«. Den Abzug der 23. D. auf Sommesous hat man sicher falsch vordatiert. Rückte sie schon am 9. abends ab, was half dann der Widerruf des Abendbefehls? Man wird sie durch Adjutanten angehalten und zu ihrer Nachhut zurückgeleitet haben. Sonst wäre undenkbar, daß Langle nicht die offene Lücke benutzt hätte.

Indem wir Verlusttableau anschließen, wird doch wohl offenkundig, daß die Leipziger es am schwersten hatten und daß die viel später fechtende 23. weniger verlor, als 32. D. Sehen wir nach, so waren kontrollierbare Einzelverluste bei 12. Jg. (50). 11. Jg. (100), 12. Art. (50) und I/182. (25!) äußerst gering. 108. verlor den ganzen Monat sehr wenig, 101. am 10. nur 220, Denn 285 von 108., 210 von 102. und 40 der 48. Art. am 1. und 2. verrechneten wir noch für August. 3 Kompagnien 100. verloren 200. Andererseits dürfte 100. nicht später bloß bei Auberive so gelitten haben, wie wir es eigentlich der betreffenden Liste entnehmen müßten, und II/III/182. litten bestimmt erheblich. Also inkl. Pioniere und mit Zuhilfenahme späterer Listen 1600. Somit 12. K. inkl. 155 Kav. sowie 60 Art. bei Reims rund 4400. Beim 12. R. K. zählt Baumgartens Liste offenbar den Verlust der 23. R. D. auf dem Wege nach Reims mit, der unverhältnismäßig viel Mannschaft auf wenig Offiziere betrug. Das Mißverhältnis der von Baumgarten gespendeten Liste, wo Verlust 12. K. an oberster Stelle prangt, zum wirklichen Kampfverlust wird umso schreiender, als schon allein der enorme Artillerieverlust 19. K. nahelegt, hier einen gründlichen Umtausch vorzunehmen und den Platzwechsel an erster Stelle für 40. D. zu vollziehen. Artillerie und 104. verloren allein fast so viel als die amtliche Angabe fürs ganze Leipziger Korps. Der Unfug wird nur dadurch verständlich, daß man 104. im Verband d'Elsas mitrechnete. Und dabei nehmen wir noch an, daß 179., 181. fast gar nicht da war, 19. Art. nur mit 3 Batterien. Auch hier verstärkt sich der Verdacht, daß außer II/133. noch 3 Batl. vom 134. und 139. fehlten. Wir beruhigen uns damit, daß 40. D. etwa 3000 (180 Art.), 24. nur 1850 (250 Art.) einbüßte, Summa 4850 (430 Art.). 78. Art. verlor 8 Off., 104. Inf. vom 7.–11. volle 1700. In der Marneschlacht steht dieser Verlust erst recht einzig da. Am Schweigen der Autoren über diesen Sonderfall erkennt man ihre – Genauigkeit! So werden die größten Heldentaten übergangen, auf gleichgültige oder fragwürdige Leistungen wie die am Ourcq sinnloses Lob gehäuft. Wer die Karte jener Waldkämpfe studiert, begreift, daß die Gewalt und Furchtbarkeit sich gegen jenes lückenfüllendes Flügelregiment 104 entlud, die viel weiter zurückliegenden Schützenlinien d'Elsas nicht entfernt so litten. Die Sachsen schlugen sich prachtvoll, das lange Ausharren Lafferts ermöglichte ein Verschanzen der neuen Schlachtlinie Moronvillers–Souain und Vorbereitung auf neue Schlacht. Erst in der neuen Linie waren nun die fehlenden Truppenkörper gegenwärtig.

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