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Bis zum Tode getreu

Felix Dahn: Bis zum Tode getreu - Kapitel 3
Quellenangabe
authorFelix Dahn
booktitleFelix Dahn. Neue wohlfeile Gesamtausgabe. Zweite Serie. Band 2
titleBis zum Tode getreu
publisherBreitkopf und Härtel
printrun21. bis 30. Tausend
yearo.J.
firstpub1887
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20161205
projectid45c3a429
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Zweites Buch.

*

 

Erstes Kapitel.

Viele Tagereisen weit dehnte sich nördlich von der Eider der Eiderwald oder, wie die Sachsen und Franken sagten: »der Dänenwald«: echter Urwald; der Bär fand da reiche Honigbeute bei den von Menschen nie gestörten Wildbienen in uralten Hohlstämmen; die Wölfe trabten in Rudeln hinter dem breitschaufeligen Elch; Wisent und Ur staken im Sumpf bis an den mächtigen Nacken; auf dem wagrechten Baumast, wagrecht hingestreckt, lag der Luchs und lauerte auf den Hirsch, der zum Moosbronn wechselte; der Wald war hier so weit gedehnt, so dicht bestanden –, das Eichhorn mochte von Wipfel zu Wipfel springen sieben Tage hintereinander, ohne zu Boden gehen zu müssen.

Zwischen Schleswig und Husum lag mitten im dichtesten Wald eine kreisförmige Lichtung: gerade unter den hochgehobenen Knorrwurzeln einer uralten Eiche hervor quoll ein mächtiger Quell, der war ein gemeinsames Weihtum von vier dänischen Gauen, deren Landmarken hier zusammenstießen; die Burg des Königs dieser Gaue hieß Sliesthorp (Schleswig).

Es war gegen Ende des Erntemonds, des August; reichlich war das Getreide gediehen und von allen Dörfern und Gehöften glücklich eingebracht; voll Dankes gegen die guten, gnädig spendenden Götter hatten die Leute der vier Gaue das Ernteopfer, das Dankopfer dargebracht; drei Nächte hatte es gewährt: – die dritte, die letzte Nacht ging nun zu Ende.

In weitem Kreis um die heilige Stätte lagerten Männer, Weiber und Kinder; auf Wagen waren sie herangefahren, auf Rossen geritten; Wagen und Rosse waren zusammengestellt, letztere angepflöckt; auf den Wagen oder unter ihnen hatten die Opfergäste geschlafen, auch wohl in Hütten aus Zweigen, welche die Frauen rasch und geschickt herzustellen verstanden.

Vor der Eiche aber, so weit davon entfernt, daß Stamm und Zweige nicht geschädigt werden mochten, brannte ein mächtig Feuer; um dieses, das den Mittelpunkt gebildet hatte, lagen, saßen und standen die vornehmsten Opfergäste; ihre breiten Armringe, die Wehrgehänge, die nackten Schwerter, die Speerspitzen glänzten bald hier, bald dort aus dem Rauch, wie der Schein der flackernden Flamme, hupfend im regen Winde, in phantastischem Wechsel sie streifte.

In grauer Vorzeit, bald nachdem zuerst Germanen aus dem Quell geschöpft, war derselbe gefaßt worden, wo er bei der damals noch jungen Eiche emporsprudelte, in mächtige, graue, unbehauene Steine.

Hoch von dem Geäst des Baumes schauten gebleichte Pferdeschädel nieder, von alten Opferfesten herrührend; seltsam nahm sich daneben ein Kreuz aus: es bildete die Spitze eines blauen, reich mit Gold bestickten viereckigen Banners, das, den Schaft nach oben, die Spitze nach unten, an den Stamm genagelt war. Und neben dieser Kreuzfahne hing ein altes Kriegszeichen: offenbar ebenfalls dereinst ein Fahnenschaft, mit goldenen Nägeln beschlagen, mitten durchgehackt, oben auslaufend in eine breite Querstange, auf der saß der Rest eines goldenen Vogels, aber Kopf und Hals und die eine Schwinge waren hinweggerostet – nur ein halb gehobener goldener Flügel und die Griffe der Füße waren noch erhalten.

Gerade oberhalb dieser Steinfassung der Quelle war an dem gewaltigen Stamm der Eiche – er war breiter als drei nebeneinander gestellte Männer – aus Holz ein reliefartig Schnitzwerk angebracht: – eines Mannes oder eines Gottes Gestalt, aber in übermenschlich hohen und breiten Maßen; Das Bild war jetzt nicht zu erkennen, ganz zugedeckt von dem Gedränge der Männer vor dem Stamm.

Unter der Eiche stand, vom roten Feuerschein beleuchtet, ein Mann in reichstem Waffenschmuck: auf dem Erzhelm sträubte der graue Geier die ungeheuern schwarzen, lichtgrau geränderten Schwungfedern; ein schmaler Zackenreif von Gold lief um die Stirndeckung; in langen Locken flutete das rote Haar auf die breiten Schultern, auf das schwarzbraune Bärenfell, dessen Pranken mit vergoldeten Krallen und kaum sichtbaren Ösen unter der Kehle des Mannes ineinander griffen; auf der schöngewölbten Erzbrünne spielte des Feuers Glast; die Linke war in die Hüfte gestemmt, die Rechte hob ein mächtig Wisenthorn: die hellblauen Augen der kraftstrotzenden, aber schlanken Gestalt musterten die Krieger, die sich um den Hünen drängten: diese Augen suchten und fingen und hielten gebannt jedes einzelnen Blick und mit dröhnender Stimme begann er: »Hört mich, auf Erden ihr, Dänenhelden, Schildgenossen, Schiffgenossen, Segelbrüder! Und ihr, hoch da droben in Walhall, meine Thor entsprossenen Ahnen, die ihr auch da oben unter Krone geht! Und endlich ihr, hilfreiche Asen selbst, Odhin von Asgard und Thor und Freir mit dem Schwert! Achtet, ihr alle, des Eides, den ich eide, ich, Göttrik, Gottwins Sohn, ein König der Dänen. Ich eide auf den Eber, vor meinen Füßen, und auf das hallende Horn voll alten Aeles in meiner haltenden Hand: ich gelobe das gute Gelübde!

Alt ward zu Aachen König Karl, den zum Kaiser gekrönten Pfaffen und Priester: schwach ward sein Schwert: verschollen scheint er in fremden Fernen. Schon drangen meine Drachen dräuend nach Frankland: schon schatzte mir Friesland. Schon holt' ich dies Heiligtum des gekreuzigten Christus, dies bunte Banner am Baum dort, aus dem gewüsteten Weihtum zu Wanga, und hing es hoch, guten Göttern zur Gabe als beste Beute, doch das Oberste unten, neben das alte, das uralte, das vor ungezählten Zeiten unsre Ahnen einst entrissen furchtbaren Feinden, den Recken von Rumaburg.

So hol' ich hierher mir – hört's, ihr Helden! – auch ihn, der, – so singt man und sagt man, – auf dem Palaste prangt König Karls dort zu Aachen: den ehernen Adler. In freiem Felde schlag ich die Schlacht mit dem Heere des Helden, Karls des Königs, noch heuer im Herbste, bevor noch der Winter die Wälder weißet oder doch noch im währenden Winter, sobald schiffsicher die See, bevor im Frühling der Falke über die Felder fliegt. Ich schlage die Schlacht, ich ersiege den Sieg, oder lasse mein Leben. Hört es, hier unter Helmen ihr Helden, und hört es ihr Hohen, ihr Herrscher in Walhall.«

Und er rührte mit der linken Hand an den Eber, der vor ihm über dem Opferfeuer auf gequerten Eisenstangen hing, und die Rechte mit dem Horn hob er über sein Haupt, emporblickend zu dem Wipfel der Eiche, der sich hoch in Rauch und Nachtgewölk verlor. Darauf setzte er das Horn an den Mund, von welchem der rote Langbart bis an den Wehrgurt herabfloß, und trank es leer.

Lauter, brausender, dröhnender Jubel antwortete dem stolzen Kampfgelübde. Die Männer riefen: »Heil König Göttrik!« und schlugen die Waffen an die Schilde und drängten sich heran, des Fürsten Rechte zu schütteln. Lange, lange währte es, bis der wilde Lärm sich einigermaßen legte; gar mancher schwor dem König zu, seines Gelübdes Genosse, die große Frankenschlacht Schild an Schild mit ihm zu schlagen.

Da drängte sich durch die Jarle und reichgewaffneten Königsgefolgen ein Bauer, in ein Wolfsfell gehüllt, ohne andre Waffen als den langen Eibenbogen über der Schulter, aus dem alten Lederköcher ragten die Pfeile, beschwingt mit der grauweißen Feder des Wildschwans; das weiße Haar hing in langen schlichten Strähnen auf seine Brust. Er suchte geraume Zeit vergeblich, sich bemerklich zu machen, des Königs Auge zu gewinnen; der schien ihn nicht zu sehen; der Bauer wandte sich an einen der Jarle: der zuckte die Achseln; an einen der Königsgefolgen, der wollte ihn unwirsch zur Seite stoßen: aber der alte Bauer war viel stärker als er aussah – mit einem einzigen Ruck hatte er den Vollgewaffneten weit hinweggeschleudert: er stand jetzt neben dem König, faßte ihn an dem lang herabwallenden Bärenfell und zog daran, nicht heftig, aber deutlich spürbar.

Göttrik wandte sich rasch: »Du dreister Bauer! Schon wieder da?« Zornesröte flammte über sein schönes Antlitz, die Nüstern der scharfgeschnittenen kühngebogenen Nase flogen. »Was suchst du?« – »Mein Recht!« »Das hast du schon oft gesucht,« lachte der König. – »Ich werd' es suchen, bis ich es finde, – und ich werde es finden: – durch dich – oder gegen dich.« Der König schwieg; geärgert sah er seitab; einer der Königsgefolgen bemerkte es: er wollte den Bauer fortführen, er faßte dessen Hand; ein Stoß vor die Brust, – der Jüngling taumelte zurück.

»Gib mir das Rotroß heraus, das du mir genommen. Das Ding hat gesprochen: es ist mein. Meine Hausmarke trägt es am Vorderbein. Deine Königsgefolgen, die bösen Buben, haben es mir von der Weide gestohlen.« Auf fuhr da Göttrik: das blaue Auge blitzte: doch er faßte sich. »Mir gefällt der Gaul. Ich reit' ihn alle Tage. Ich behalt ihn.« – »König, bitte mich: – so werd' ich dir ihn schenken!« Göttriks Faust fuhr an das schwergoldene Heft des Messers im edelsteinblitzenden Wehrgurt. »Fort mit dir, Bauer!« grollte er. »Hast du's noch nicht verstanden? Der König will's. Und Königs Wille soll fortab Recht sein in Dänenland.« Da sprach der Bauer drohend: »Hüte dich, Göttrik, Gottwins Sohn, vor Königswahn. Volkswille ist Recht in Dänenland. Und bleibt es. Ich denke noch die alten Tage. Schon drei stolze Könige vor dir wollten wie du. Weißt du, wer sie geholt hat? Der graue Schwan mit dem eisernen Schnabel! Noch einmal ruf' ich um Recht. Aber dann: – dann ruf' ich um Rache.« – Jähzornig riß der König das Messer heraus: – doch der Bauer war verschwunden hinter dem breiten Stamm der Thoreiche.

*

 

Zweites Kapitel.

Es blieb nicht Zeit, dem Vorfall nachzudenken; sofort trat vor den Fürsten ein Krieger und meldete: »An dem Verhack, welcher den Steig zu der Opferstatt sperrt, halten wir Wacht, wie du geboten. Wir griffen dort zwei Franken.« »Späher?« forschte der König rasch. »Nein, sie stellten sich selbst.« – »Überläufer? Gar viele Sachsen ...!« – »Nein. Der eine, ein Mönch, hat eine Botschaft, der andre ist sein Geleitsmann.« – »Eine Botschaft? Von wem? An mich?« – »Er sagt es nicht: – aber er will hierher – an das Opferfeuer. Sollen wir ...?« – »Bringe sie!«

Einstweilen standen fern von der Eiche bei den ineinander gefahrenen Wagen, in dem äußersten Ringe der wogenden Volksmenge, Fidus und Hülsung, von einem Hüter des Verhackes mit gezogenem Schwerte bewacht. Neugierig gaffend drängten sich Weiber und Kinder an die beiden, zumal der Mönch ward eifrig bestaunt: und wenig freundlich.

Ein altes Weib leuchtete mit einem brennenden Span dicht an des Priesters Gewand: »Ja, ja,« grinste sie, »der ist von denen! Die in solchen grauen Weibergewändern haben meinen armen Enkel – mit Gewalt – unter die Aller getaucht: – ja, ja, Mönch, ich bin aus Sachsenland hierher geflohen! – weil er sich der Taufe wehrte: und als sie ihm den Kopf heraushoben und er das Wasser von sich spie und ganz matt sprach: ›und ich glaube doch an Woden!‹ da haben sie ihn wieder untergetaucht – für immer – und ich stand dabei und mußte's mit ansehen. »Ah,« knirschte sie, »wie meinen Enkel sollte man ihn ersäufen.«

»Nicht ersäufen,« fiel ein Mann ein. »Wir haben das Feuer näher. Verbrennen! Alle beide! Bei lebendigem Leibe! Den Göttern zum Opfer! Wie sie mir Weib und Kind lebend verbrannten in meinem Gehöft an der Weser. Die Hunde!« Und er gab dem Mönch einen Faustschlag in den Nacken, daß er vornüber stürzte. Hülsung richtete den Alten auf; der zitterte sehr. »Du blutest an der Schläfe. Tut es weh?« »Ja – ein wenig – sehr! Ich fiel auf das Radeisen des Wagens. Aber« – er wankte – die Kniee schlotterten ihm – »es ist nicht das ...« – »Was hast du?« – »Furcht, Sachse! Elende Menschenfurcht, Furcht vor dem Tod! – Vor den Peinigungen. Horch, wie sie da so gräßlich jauchzen, – dort bei jenem großen Feuer. – Schon jetzt sind diese geflüchteten Sachsen, diese wilden Dänen so grimmig gegen mich –: gegen mein bloßes Mönchsgewand. Wie werden sie toben, wenn ich meinen Auftrag erfüllt habe! Sie werden mich zerreißen – Glied um Glied. Ach, ich bin alt, schwach ist das Fleisch! Und auch dich werden sie morden. – Weh, was bist du mir nachgedrungen durch alle Schrecken dieser Wälder! Du mußtest mich ja nicht gefunden haben! Warum gingst du mit mir bis hierher?« – »Warum? Die Treue gebot. Der Frankengraf soll nicht sagen, Hülsung, der für das Recht sprach wider ihn, weigert dem Grafen das Recht, das seine Pflicht zu leisten: er soll nicht sagen, der Sachse sei entsprungen vor der Gefahr. Ich schwor Treue Herrn Karl. Die muß ich halten.«

Da stürzte der Mönch auf die Kniee: »O Gott,« rief er unter strömenden Tränen, »wie beschämt mich, deinen Diener, o Herr, dieser Diener der Welt! Ich habe dir Treue geschworen und geschworen deinen Vertretern auf Erden – den geistlichen Obern: – er nur dem irdischen König. Er hält sie unverzagt. – Ich wankte in der Treue gegen den Himmelsherrn! Aber ich wanke nicht mehr.«

Und hoch aufgerichtet schritt er, eilig und eifrig, der Mahnung des vom König zurückkehrenden Dänen folgend, auf das Opferfeuer zu! kaum konnte Hülsung Schritt mit ihm halten. Als sie, von den Flammen hell beleuchtet, heranschritten, da sprang rasch an des Königs Seite ein junger schmucker Krieger, in reichem Waffenschmuck: an seiner ehernen Sturmhaube staken ein paar Geierfedern. »Herr,« flüsterte er in des Königs Ohr, hastig sich vorbeugend und auf die Fremden deutend: »die Götter selbst senden dir diese beiden. Das fördert deinen Anschlag. Der eine ist ein Mönch aus jener Burg, – ich kenn' ihn! – der andre gehört zur Besatzung. Wollen sie, können sie alles dir mitteilen, was wir so gerne wüßten.« Sie sollen wollen,« sprach drohend, aber ebenso leise der König. »Du hast eine Botschaft, hör' ich, Priester!« fragte er laut. »An wen?«

»An den Gott, dem ihr hier dient. Ich suche schon lang sein Bild! Ist das nicht – da hinter dir ... ich kann es nicht deutlich sehen – ein solches Bild?« Der König trat zur Seite. Voll sichtbar ward nun das über Menschenmaß hohe Holzbild, das in Halbrelief an den Stamm genagelt war: Haar und Bart waren grellrot bemalt, hellblau die Augen: mit der linken erzbehandschuhten Faust drückte er einen riesenhaften Wurm nieder, der gegen ihn emporbäumte, die Rechte schwang den Steinhammer; der Körper war unbekleidet, nur die Hüfte deckte der breite Stärkegürtel von erzbeschlagenem Leder. »Das ist Asa-Thor!« rief Göttrik. »Er lebt in dem Bild, er schwebt um dieser Eiche Wipfel.«

»So höre er denn!« rief der Mönch. »Es ist nur Ein Gott, der Vater des Herrn Christus. Dieser Götze aber ist kein Gott, sondern ein Teufel. Nieder mit ihm!«

Und bevor die Dänen ihm wehren mochten, hatte der Alte einen der zahlreichen, an die Bäume gelehnten Speere ergriffen und mit aller Kraft gegen das Bild geschleudert. Ein hundertstimmiger Schrei des Entsetzens, des Schreckens über den Frevel erscholl: aller Augen richteten sich auf das geliebte Götterbild: aber sieh: es war unversehrt. Obwohl der Mönch nur drei Schritte entfernt gestanden, hatte er weder Bild noch Baum getroffen, zu Füßen des Gottes lag der Speer im Feuer, gierig ergriff ihn die Flamme; der Mönch aber lag auf dem Boden: er war bei dem Ausholen zum Wurf ausgeglitten auf den glatten Tannennadeln, mit welchen der gestampfte Lehmboden hier überschüttet war; mit Mühe hob ihn Hülsung empor. Nun folgte bei den Heiden auf den Schrecken Wut gegen den frevelnden Mönch, aber auch ahnungsvolles Staunen über den Gott, der sein Bild geschützt hatte: dieses fromme Grauen erfüllte und lähmte viele der Dänen. Andre aber drangen tobend, mit geschwungenen Messern, auf den Priester ein – wohl warf sich der Sachse über ihn, mit dem eigenen Leib ihn zu decken: – doch schienen beide unrettbar verloren. Da sprang Göttrik mit Einem Satz zu den Bedrohten und spreitete mit der Linken seinen mächtigen Bärenmantel über sie wie einen Schild. »Haltet ein,« rief er mit donnernder, des Befehls in der tosenden Heerschlacht gewohnter Stimme. »Haltet, ihr Dänenhelden! Seht ihr denn nicht? Asathor will der Frevler Tod nicht. – Noch nicht! – Hätte er sie nicht ebensogut mit Miölnir mögen zermalmen, als – wahrlich ein viel wunderbarer Werk! – den so nahe heranfliegenden Speer zurückblasen mit dem Hauch seines Mundes, – mir war, ich vernahm seinen Bartruf wehen! – daß der frevelnde Schaft nun verzehrt wird von derselben Flamme, die da lodert zu Ehren des Gottes? Wie prahlen doch die Christen mit Wundern ihrer Heiligen, die sie nur darin finden, daß nichts geschieht! Fällt einer ihrer Bekehrer einen unsrer heiligen Bäume und bleibt er dabei am Leben, weil unsre hohen Götter dieses Pfaffengewürms nicht achten, – so ist's ihnen ein gewaltig Mirakel, wie sie's nennen. Hier aber! – Ich bin kein Priester: doch wir Nordleute bedürfen keines gelernten Zauberers, der allein zwischen den Himmlischen und uns vermittelte, wie die Christen: bei uns mag jeder den Willen der Götter deuten, der ihn ahnt! – Hier aber – wir sahen's mit Augen – hier traf der Speer nicht, der treffen mußte! Und niederstürzte der Gott den Werfer aufs Antlitz, und ins Feuer blies er den fliegenden Speer. Hier hat der Gott durch handelnde Tat sein Bildnis geschirmt. Er will nicht des Christen Tod. Er will, daß die beiden hier ihm zu seiner Rächung, uns zum Siege verhelfen. Sie hat der Gott aus Esesfeld uns zugesandt, auf daß diese Zwingburg falle. Hier, Volkhelm, mein jüngst eingeschworner Gefolge, nun verdiene dir die Geierfeder an deinem Helm. Dir übergeb' ich die beiden: – als Führer sollen sie uns dienen, als Späher, als Geiseln und – will es ihr Trotz so – den Sieggöttern als Opfer.«

*

 

Drittes Kapitel.

Wie nördlich der Eider, so deckte südlich dieses Flusses alles Land bis an und über die Elbe hin dichter Urwald, nur selten von einzelnen Rodungen gelichtet.

Solche fehlten ganz in der Richtung nach Osten: hier grenzten die nordelbischen Sachsen mit den slawischen Abodriten im heutigen Mecklenburg. Gar feindlich war die Nachbarschaft gewesen seit grauer Vorzeit: – erst in den letzten Jahren hatte der Kaiser Ruhe hergestellt zwischen beiden: den Sachsen, seinen nun unterworfenen Untertanen, und den Abodriten, seinen abhängigen Verbündeten. Aber Siedelungen waren hier gar nicht vorhanden: beide Völker hatten ihre Sicherheit darin gefunden, möglichst viel undurchdringbaren Wald zwischen ihren Grenzen zu belassen; nur eine einzige, nicht leicht zu verfolgende Straße führte von der Eider her durch den »Wendenwald«. Hierher, in diesen »Wendenwald«, hatte sich Volkfried mit den Seinigen geflüchtet.

Der Erdgang – es waren solche, wie Golo richtig gesagt, seit uralter Zeit sehr häufig unter den Gehöften aller Germanen, nicht nur der Sachsen – mündete in beträchtlicher Entfernung östlich vom Hofe der Volkingen, mitten in dichtestem Buschgenist, in einem alten verlassenen Dachsbau; von Geschlecht zu Geschlecht war das Geheimnis dieses letzten Rettungsweges immer nur vom Vater auf den Sohn vererbt worden, der verpflichtet war, es nach der Hochzeit der Ehefrau und noch zwei Getreuen mitzuteilen, damit es nicht durch plötzlichen Tod des einzigen Wissenden der Sippe verloren gehe.

Betreten hatte die Frau den Gang noch nie: er war höchst beschwerlich, an manchen Stellen so eng, daß nur mit äußerster Anstrengung eine schlanke Gestalt sich durchzwängen konnte, fast überall stockfinster, wo nicht, in sehr weiten Zwischenräumen, kleine Öffnungen, die, von oben her gesehen, Mauselöchern glichen, die höchst spärliche Luft einließen. Ohne den Hund, den sie voranlaufen ließen, hätten die Frau und die Kinder, bepackt mit Waffen und Vorratsäcken, den Ausgang schwerlich erreicht; aber des Tieres Trieb warnte vor tiefen Löchern, die manchmal plötzlich aufgähnten, und führte nach todesbanger, endlos scheinender Zeit des Kriechens und geduckten Schleichens endlich ins Freie. Tief auf atmeten Mensch und Tier, als sie, statt des dumpfen Erdmoders, wieder die frische Himmelsluft verspürten.

»Ich dachte: das geht nach Hel,« flüsterte erschauernd der Knabe, die Erdbrocken aus den Haaren schüttelnd. »Und du, Lindmuth – du?« fragte der Vater zärtlich. »Ich dachte: ob mich die lichten Engelein wohl auch so tief unten finden und in den Himmel tragen könnten? Denn ich glaubte, zu sterben.« »Und hast nicht geklagt?« lobte die Frau, die zitternden kalten Hände fassend. – »Sollte ich dir das Herz noch schwerer machen?« –

Lange, lange hatten sie in dem dichten Gebüsch gewartet auf Heimo, den Getreuen; Volkfried war sogar, trotz den Bitten der Seinigen, wieder in den Gang hinabgestiegen und eine Strecke weit darin zurückgekrochen; er hatte gerufen – ohne Erfolg. Als er wieder emporstieg und gen Westen schaute, wies er schweigend auf eine ferne Lohe.

»Was brennt da?« fragte Volkbert. – »Dein Erbe! Und darin wohl – Heimos Leiche! – Fort! – Die Flamme nimmt schon ab. – Sie haben uns nicht darin gefunden: – nun werden sie weiter suchen! – Fort! – Wir müssen tiefer in den Wald ...«

Die ganze Nacht liefen sie, fast ohne Rast, ohne Weg, nur stets nach Osten, von den Gestirnen geleitet, die durch die Wolken drangen, vorauf der Mann mit dem Hund, das Kurzschwert in der Rechten, manchmal die Dornbüsche zerhauend, Lindmuth mit der Linken nach sich ziehend; war der Weg oben von Strauchwerk freier, so setzte er das Kind auf den linken Arm und trug es weite Strecken; die Frau und der Knabe folgten.

Bei Sonnenaufgang machten sie Rast an einem Bach, wuschen sich und tranken gierig; die Frau schnitt dem Hunde, der oft leise gewinselt, den Pfeil aus dem Fleisch: dankbar leckte er der Herrin die weißen Hände.

Sie hatten alle heftigen Hunger: aber Volkfried verbot, an den Brotvorrat in dem Sacke zu rühren: »Der ist für die Not, für die letzte,« mahnte er. »Solang es so köstliche Moosbeeren gibt,« rief Lindmuth fröhlich lächelnd und brachte ihren ganzen Kittel gehäuft voll – »hat's aber keine Not! Wovon leben die Vöglein im Wald?« »Aber Hofwart?« fragte die Frau. »Der braucht Fleisch.« »Hier ist der Braten für Hofwart,« rief Volkbert, heranhüpfend. »Sieh, gut traf das Eichhorn mein Pfeil! Nur muß er den Braten fressen – ungebraten!« »Es ist gut für diesmal,« warnte der Vater. »Aber fortan darfst du keinen Pfeil mehr wagen an so geringes Ziel. Bedenk, wir werden leben müssen von Bogen und Pfeil.« »Wie lange?« fragte der Knabe.

Volkfried schwieg.

»Auf,« trieb er, »wir dürfen hier nicht länger säumen. Wir sind dem Hofe noch zu nah. Vorwärts, immer mir nach! –«

Den ganzen Tag gingen sie, so rasch der verwachsene Wald es gestattete, weiter, der Sonne entgegen, nach Ost, dann nach Süd.

Früh ward es dunkel unter dem breitschattenden Dach der Riesenbäume; aber noch vor völliger Finsternis machte Volkfried halt vor einem sanft ansteigenden Hügel, der, an seinem Fuß ganz von dichtestem, über mannshohem Gedörn umhegt, an den Seiten aber von mächtigen Ulmen bestanden war: wie prüfend, abmessend, ging er von einem Waldquell, der hier aus dem Moose sickerte, drei große Schritte nach rechts: dann blieb er stehen und bog das Gestrüpp mit beiden Händen auseinander: »Es ist richtig,« sagte er nun: »da gähnt der Eingang in die Höhle: hier, vor Jahren, entdeckte ich einmal auf der Bärenjagd dieses Bärenlager: es ist nun der Volkinge Haus und Heim! –«

Unmutig, scheu blickte der Knabe auf die schwarz klaffende Höhlung. Muthgard schwieg: sie drückte die Lippen rasch zusammen. Aber das Mädchen hatte der Mutter verhaltenen Seufzer doch vernommen. »Mutter, sei getrost,« flüsterte sie leise. »Ich schäme mich schon lange wegen meines Zweifels an den Engelein, – da unten im Erdgang. Der liebe Gott ist überall: – Fidus hat's gesagt! – auch in diesem finstern Geklüft. Er wird uns nicht vergehen lassen.«

*

 

Viertes Kapitel.

In den nächsten Tagen und Wochen hatten die Flüchtlinge, Kinder wie Eltern, Arbeit vollauf, die Zufluchtstätte, so gut es gehen mochte, wohnlich zu gestalten.

Die Knochen der Tiere, die der Bär in das Lager geschleppt und hier verzehrt hatte, wurden herausgeschafft, trockenes Waldmoos eingetragen, und der harte Felsboden dicht damit bestreut; ein paar Hiebe mit der Streitaxt in der Höhlung zeigten Volkfried, daß eine der Innenwände nur sehr dünn war: – sie ward schnell durchgeschlagen und so ein zweiter, zwar etwas niedriger Raum, tiefer im Hügel, gewonnen: dieser ward dazu bestimmt, die geringe Habe aufzunehmen, nicht nur das Mitgebrachte an Waffen, Gerät und Lebensmitteln, – auch die neuen Vorräte, die von alt und jung gar emsig, gleich vom nächsten Tag an, gesammelt wurden im Walde.

Denn vorsorglich machte sich Volkfried auf langen, unbestimmbar langen Aufenthalt gefaßt. Noch immer schwebte ihm der Gedanke vor, den Kaiser selbst anzurufen. Allein war die Reise von der Eider nach Aachen stets eine Art Wagestück, reich an Mühen und Beschwernissen, so schien sie jetzt so gut wie unmöglich.

Der Weg – gen Süden – führte notwendig über Brücken, durch Furten, durch Tag und Nacht bewachte Durchlässe der Grenzwehren, die von des Grafen Kriegern besetzt waren; auf diesen Straßen wartete der beiden Gatten das sichere Verderben. Zu den heidnischen Dänen, den Feinden der Franken, – nach Norden – zu fliehen, diesen Gedanken zu bekämpfen hatten beide gar nicht nötig: er stieg den Vielgetreuen gar nicht auf.

Aber auch nach Osten, zu den Abodriten, konnten sie sich nicht wenden: waren doch diese Slawen alte Feinde der Sachsen an der Wendenmark; manchen Schwertschlag hatte Volkfried mit ihren Raubreitern auf den kleinen zottigen Gäulen getauscht in früheren Jahren: – mancher Abodrite hatte seiner Wunden Blut oder gar erschlagene Gesippen an ihm zu rächen. Nun waren sie zwar des Kaisers halb unterworfene Verbündete: aber das hielt sie einerseits nicht vom alten Haß gegen die Sachsen ab: und andrerseits mochten sie gerade deshalb von Graf Hardrad gemahnt sein, ihm den Geächteten auszuliefern, falls sie ihn griffen. Denn daß man wegen der Tötung Fortunats und gewaffneten Widerstands gegen den Grafen diesen Spruch über ihn gefällt haben werde, war Volkfried gewiß. Er mußte das den Kindern klarmachen, die es nur schwer begriffen.

»Aber du tust doch gewiß nichts wider Recht, Vater?« staunte der Knabe. »Gewiß nicht. Ich brach nicht das Recht des Kaisers, ich übte mein Recht: ja, ich schützte auch des Herrn Kaisers Recht und wahren Willen. Denn Herr Karl will unser Sachsenrecht gewahrt wissen: ich schützte in Notwehr den Hoffrieden und – und eure Mutter.«

»Also können sie dich doch nicht strafen,« meinte Lindmuth.

»Mit Recht nicht, aber mit Unrecht.« – »So brechen ja sie Herrn Karls Recht!« – »Gewiß. Und Herr Karl würde mir zu meinem Recht verhelfen und jene strafen, wüßte er darum. Aber er weiß es nicht. Und wir können nicht zu ihm gelangen, weil die Rechtbrecher die Wege zu ihm sperren.«

Die Kinder schwiegen, offenbar wenig befriedigt.

»Ist es gewiß,« fragte am Abend vor dem Einschlafen das Mädchen die Frau, »daß Herr Karl uns helfen würde, wenn er die Wahrheit wüßte?« – »Ja, Kind, das ist gewiß. Er ist gerecht: er selber ist das Recht.«

»So will ich den Himmelsherrn bitten, daß er ihm die Wahrheit zeige – vielleicht in einem Traumbild! – Ihm zeige, wie wir hier im Wildwald hausen müssen – in steter Furcht und Sorge. Denn ich merke es wohl, wie – ganz anders als zu Hause! – der Vater hier das Schwert stets bei der Hand liegen hat und auffährt bei jedem Geräusch im Wald. Gott sollte das doch dem Kaiser sagen.« »Ein gerechter Kaiser,« schalt der Knabe unwillig, sich streckend auf dem Mooslager an der andern Seite der Höhle, »sollte auch nur gerechte Grafen haben! Oder er sollte alles wissen, was da geschieht in seinen Landen. Mich hungert! Nein! Beeren kann ich nicht mehr essen! Mich brennt der Gaumen schon: – er ist ganz wund von dem sauren Schmack.« »Nun, vielleicht,« beschwichtigte die Frau und schob dem Scheltenden die Brotrinde in die Lippen, welche Volkfried ihr als Abendschmaus zugeteilt hatte, »vielleicht erfährt Herr Karl von unsrer Not, auch in der Ferne. Wenn ihr still zuhören und allmählich einschlafen wollt ... –« »Wo ist der Vater?« fragte das Mädchen. »Es ist schon bald dunkel im Walde.« – »Der Vater will ein Wild beschleichen, Hirsch oder Reh, wann sie zur Abendtränke gehen. – Wenn du, Volkbert, still zuhören willst, erzähl' ich euch vom Herrn Kaiser.« – »Gern, Mutter, gern. Bitte, nimm das halbe Brot zurück, – ich sehe, du hast ja gar nichts.« – »Iß nur!« – Und er aß.

»Also: der Herr Kaiser hat zu Aachen in der Königsburg an seinem Bette – das Bettgestell ist ganz von Silber und auf den vier Eckpfosten ragen vier heilige Männer, aus edlem Holz kunstvoll geschnitzt – auf einem weißen Marmeltisch stehen eine goldene Kugel, die schwebt frei auf silberner Stange. Auf dieser Kugel sind abgebildet alle Landschaften und Gaue seines weiten Reiches: vom Mittagland, wo's niemals Winter wird, bis hier an die Dänenmark, vom Aufgang der Sonne in Awarenland bis wo sie niedersinkt in einem fernen, fernen Inselmeer. Und wo irgend in seinem weiten Reiche Herrn Karls Recht gebrochen wird, oder wo der Feind von außen einbricht, ... horch, da klingt die Kugel, gerade an der Stelle, wo Unrecht geschieht oder Feindesgewalt: erst ganz leise, dann immer lauter, bis der Herr Kaiser es hört ...« »Wenn er aber schläft?« fragte Volkbert. – »Es klingt zuletzt so laut, daß er vom Schlaf erwacht. Und dann springt er auf, vom Lager zur Nacht, oder vom Mahle bei Tag, der Herr Kaiser, der das Recht mehr liebt als Schlaf und Wein und köstliche Speise, und eilt auf die Kugel zu und merkt, wo man seiner bedarf und reitet zu Hilfe mit Richterstab und Königsschwert.« »Wenn er aber gar nicht in Aachen ist, sondern wo anders?« meinte der Knabe.

»Dann wachen Nacht und Tag zwölf Wächter neben der Zauberkugel: und zwölf windschnelle Rosse stehen unten im Hofe der Pfalz und stampfen den Marbelestrich: und sowie die Kugel ertönt, springt ein Wächter aufs Roß und jagt zum Kaiser; ihm es zu melden.« »Das ist schön,« sprach Lindmuth. »Wie stark muß doch die liebe, weise Kugel ertönt haben, als die Bösen über unsern Zaun drangen! Nun muß der Herr Kaiser schon bald bei uns sein.« »Meinst du, Mutter,« fragte Volkbert, »er ist morgen früh schon da?« – »Ich weiß es nicht.« – »Es wäre doch noch besser, – dann brauchte er keine Kugel und keine zwölf Rosse! – wenn der Herr Kaiser überall zugleich wäre.« »Dann wäre er aber der liebe Himmelsherr selber, Volkbert,« erwiderte die Schwester. »Ja, frommes Kind. Aber um sich allgegenwärtig zu machen – soweit ein Mensch das kann, – hat der Herr Kaiser sich etwas Wunderweises ausgedacht.« »Hat er sich Flügel zaubern lassen?« forschte der Knabe eifrig. »Heimo erzählte, ein kluger Schmied Weland ...« »Nein! Aber er sendet alle Jahre von seinem Palast in jeden Gau zwei seiner klügsten und gerechtesten Getreuen, fromme Bischöfe und tapfere Herzöge – -« »Warum immer zwei?« fragte Volkbert. »Damit immer einer den andern überwacht ...« – »O weh! Das ist schlimm! Er traut also doch auch diesen Treuesten nicht ganz!« – »Und diese beiden, – Sendboten, Kaiserboten, Königsboten heißen sie: – versammeln in jedem Gau, wohin sie kommen, alle freien Männer auf der alten Dingstätte und verkünden die neuen Beschlüsse, die Herr Karl und seine weisen Räte gefaßt haben für Heil und Wohlergehen der Freien. Und sie fordern alle Leute auf, unverzagt Beschwerde zu führen, laut zu sprechen oder leise zu den Königsboten, über alles Unrecht, das im Gau verübt worden, seit der letzten Sendboten Besuch ... –« »Auch über böse Grafen?« zweifelte der Knabe: schon ziemlich schläfrig klang der Ton. »Darüber zu allermeist! Falls die selbst Gewalt brauchen oder auch nur das Recht nicht schützen gegen andrer Gewalt.« »Da ist uns ja geholfen, sobald solch ein Königsbote in den Gau kommt,« meinte Volkbert und lehnte den krausen Kopf gegen die Wand. »Du mußt mir noch viel mehr erzählen von Herrn Karl und seinem Recht, liebe Mutter« – flüsterte das Mädchen. – »Aber leise: der Bruder schläft schon – das gibt so viel Friede, so starken Trost im Herzen. Und mir war doch heute manchmal bang in der garstigen Höhle. Aber nun bin ich ganz beschwichtet. Ich vertraue fest auf Herrn Karl! Weißt du noch mehr von ihm?« – »Noch viel! Ich erzähle euch noch vom Horn Herrn Rolands, das der Kaiser über aller Berge Gipfel hinweg vernahm, wann es um Hilfe rief in höchster Not. Und von der armen Blindschleiche, die ... Aber siehe: die Äuglein fallen auch dir zu. Ein andermal davon! Schlafe nur getrost. Sieh', ich halte hier deine Hand. – Und draußen vor der Höhle steht – ich sehe seinen Schatten, ich höre seinen Schritt – der Vater, den Speer auf der Schulter: er bewacht uns, treu und kühn.« »Ja,« flüsterte das schöne Mädchen im Entschlummern. »Und ihn, den guten Vater, schützt und bewacht da oben der treue Himmelsherr!« – –

*

 

Fünftes Kapitel.

Und viele Wochen vergingen so. –

Der stummen bangen Frage seines Weibes – nur ihre Augen, nicht ihre Lippen hatten geforscht! – gab Volkfried zur Antwort: er hoffe nach Westen, zu den Friesen, zu entkommen.

Er wußte, daß diese im Spätherbst mit vielen Segeln nach dem Küstenort Milindorf zu fahren pflegten, friesische Mäntel und geräucherte Fische feilbietend gegen sächsische Rinder, Waldhonig, Bären- und Wolfsfelle: der Ort lag nördlich von Esesfeld und war zu erreichen auf einem Volkfried wohlbekannten Wege, der durch menschenleeren Wald zwischen Sachsen- und Dänenland sich hinzog. Unter diesen friesischen Schiffern hatte er manchen Gastfreund; er durfte hoffen, ein solcher werde sein Verlangen, ihn auf seinem Schiff nach Friesland mitzunehmen, nicht abschlagen: von dort war Aachen sicher und gefahrlos zu erreichen.

Aber freilich: jener Tauschhandel ward erst eröffnet, kurz bevor die Schiffahrt zu Ende neigte, der Fischfang, die »Meeresernte«, abgeschlossen war. Es galt, noch gar lange auszuharren bis dahin; und Volkfried vertraute der Frau auch nicht an, daß er noch nicht habe entscheiden können, was gefährlicher und sorgenschwerer sei, auf jenem Wege durch den wildesten Urwald Weib und Kinder mitzuführen oder sie hier – ohne Schutz! – zurückzulassen im Versteck, bis er von Aachen wiederkehre. –

Die erste Zeit, den Rest des Sommers und den Frühherbst, ging es den Waldgästen nicht gar so übel; gegen Wind und Regen bot die Höhle Schutz; an sonnigen warmen Tagen aber verbrachten Mutter und Tochter viele Stunden in einem gar luftigen, freundlichen und doch schattigen Aufenthalt: in dem Geäst der höchsten Ulme, die den Hügel krönte.

Der Vater hatte den Stamm unten derart behauen, daß man auf den wenigen übriggelassenen wagrechten Zweige bequem hinansteigen konnte: in dem Wipfelgezweig aber hatte er ein paar sichere Sitze angebracht, auf allen Seiten mit Latten umhegt, gegen den Sturz zu schützen. Da saßen dann die Frau und das Mädchen, mit allerlei wirtschaftlicher Arbeit die niemals müßigen Hände mühend, während Vater, Sohn und Hund den wildreichen Wald durchstreiften und fast nie ohne gute Weidbeute heimkehrten. Es galt ja nicht nur für den nächsten Tag Speise zu schaffen, sondern Vorräte für solche Zeiten, da frisches Fleisch nicht zu erjagen war. Fern von der Höhle hatte Volkfried eine Räucherstätte angelegt, wo nach Möglichkeit stets Kohlen glimmend erhalten wurden: denn das Feuerreiben aus harten Hölzern war mühsam und langwierig, und nicht stets glückte es, den Funken zu fangen, den Eisen aus Stein hervorschlug. Starken Rauch vermied Volkfried und bei der Dunkelheit auch Feuer, um nicht die Feinde auf seine Spur zu führen. Sorgfältig ward hier alles Fleisch, dessen man nicht für den rinnenden Tag bedurfte, geräuchert, getrocknet und in der Vorratskammer der Höhle aufbewahrt.

Auch Fische fingen sie in dem nahen Bache in länglichen Körben, die Mutter und Schwester kunstfertig aus den Binsen der vielen Sümpfe zu flechten verstanden: sie wurden, mit Steinen beschwert, auf den Grund versenkt, die Öffnung nach dem Zutalfluß: der Knabe und Hofwart sprangen dann ein paar hundert Schritte weiter unten in den Bach und liefen und wateten darin, laut schreiend, patschend und bellend, zu Berg: die Fischlein flossen in Schrecken und Eile vor ihnen her und fuhren in die grünen Körbe, in denen der Vater sie griff. –

Aber auch Beeren jeder Art und Pilze, – die giftigen kannten auch die Kinder gar gut! – Holzäpfel und Waldbeeren, Hagebutten der Wildrosen und Haselnüsse mußten die Kinder suchen und ansammeln zu dichten Haufen geschichtet; ja auch Bucheckern und Eicheln gebot der Vater aufzulesen: wohl zog Volkbert die Lippe kraus und sah fragend zu ihm auf. »Ja, ja, mein Sohn. Geben die Heiligen, daß wir sie nicht brauchen! – Aber wir können's brauchen müssen.« »Sie schmecken nicht gut,« meinte Volkbert, als der Vater weggegangen war. »Hunger schmeckt noch schlechter! Gehorche,« schloß die Frau. –

Während der warmen, trockenen Jahreszeit also ging alles leidlich: diese Menschen waren an ein höchst schlichtes, ja rauhes, hartes Leben gewöhnt.

Aber nun kam der Herbst mit unendlichem Regen und kaltem Wind. Der liebgewordene Aufenthalt in der luftigen Wipfellaube war längst unmöglich: die grünen Blätter, die so lustig im Sommerwinde gespielt, sie lagen traurig am Fuße des Stammes, in Regenlachen verfaulend. Fast den ganzen Tag, wie die langen, langen Stunden der Dunkelheit mußten die vier Menschen in der niedrigen, engen Höhle zubringen. Feuer wagten sie hier nur selten zu machen: in der Höhle konnten sie dann nicht weilen: der Rauch war erstickend. Und draußen wollte es nicht brennen unter den triefenden Zweigen, auf dem pfützenreichen Boden; sie mußten jetzt auf gekochte, gebratene Speise verzichten. –

Einmal fand Volkbert im Moose – Hofwart hatte ihn geführt – ein verlassenes Nest ganz voll von Eiern der Wildente. Jubelnd lief er damit zu der Mutter: man mußte sie wegwerfen, sie waren alt und faul. – Der Bach war ausgefischt, soweit gen Südwesten hinauf man ihm zu folgen wagen durfte.

Aber das Schlimmste war: – oft und oft kehrten jetzt die beiden Jäger und der Hund ohne Jagdbeute heim: die Wildvögel waren weggestrichen, Hasen, Rehe, Hirsche, Wildschweine hatten sich verzogen: jene ins freie Feld in die Nähe menschlicher Anbaue, diese aber in den tiefsten undurchdringlichsten Wald und Sumpf. Erschreckend rasch schmolzen nun die Vorräte hin von Rauchfleisch und getrockneten Fischen, von Beeren, Pilzen und Nüssen: auch Bucheckern und Eicheln verschmähte der junge Volkbert schon lange nicht mehr: er verzog den Mund, er schalt auch wohl, aber er schluckte sie hinunter. Lindmuth klagte nie; aber sie schwand zusammen.

Der Vater sah es wohl; er fragte die Mutter; deren Stimme zitterte leise, wie sie antwortete: »Es ist doch wohl der Hunger! – Oder, – nein doch! – die immer kalte Nahrung. Wenn wir nur einmal wieder ein Stück Fleisch braten könnten!« Am andern Morgen war Volkfried mit dem Hunde allein auf die Jagd gegangen, bevor Volkbert erwachte. Erst spät in der Nacht kam er zurück – mit leerer Hand.

»Kein Wild weit und breit,« sprach er tonlos. »Nicht einmal eines Wolfes Spur.«

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Einmal in diesen schlimmen Tagen – es ging ihnen schon recht traurig! – war Volkfried am Abend mit hastigeren Schritten als sonst nach Hause gekommen: – wieder ohne Beute: »Was ist dir?« hatte die Frau gefragt, wie er sich, kurz aufseufzend, auf die Moosstreu warf. »Nichts! – Mich verdrießt, daß ich euch nichts bringen kann.« Aber in der Nacht hatte Muthgard, die schlaflos seinem raschen, ungleichen Atem lauschte, die Worte gehört, die er im Traume sprach. »Nein, Bruder! Weiche! Niemals! Ich geh' nicht zu dem Feind Herrn Karls! Auch nicht um Lindmuth! Nicht um Muthgard.« Die Frau nickte schweigend. »O wüßtest du, Herr Karl, wie er dir Treue hält!« –

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Am andern Morgen noch vor Tagesanbruch sprach der Mann zu der Frau: »Es muß ein Ende nehmen. Früher als je zuvor brach dieser Herbstregen ein. – Noch lange nicht – erst bei Vollmond – kommen zwar die Friesen nach Milindorf. Gleichviel! – Die Kinder schlafen doch? – Hier müssen wir elend verderben. Ich breche auf! Und ihr alle drei – ja, du auch, Hofwart, vielgetreuer –,« und er streichelte des klugen Tieres Kopf, »sollt mit mir gehn. Hier könnt ihr ohne mich nicht bleiben. Schlechter kann es uns nicht gehen auf dem Wege. Es wird auch schon bitter kalt. Und meinen guten Speer, den letzten guten! hab' ich gestern verworfen! Bogen und Köcher hatte ich Volkbert gegeben. Ich sah am Saum des schwarzen Moors eine hungrige Krähe hüpfen: ich wagte um Lindmuth! – die gute Waffe: ich warf: aber der Vogel flog auf im selben Augenblick und meine beste Waffe die Streitaxt ist zu schwach! – fuhr in den Sumpf, spurlos verschwindend! Umsonst watete ich eine Stunde lang in dem kalten Moorwasser: der unergründliche Wasserboden hat den Speer verschluckt. Jetzt hab' ich nur mehr den alten Schaft, mit der angeschnürten Steinspitze! Morgen schon brechen wir auf.«

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Sechstes Kapitel.

Aber am folgenden Tage, als Lindmuth, von der Mutter geweckt, aufstehen wollte, fiel das Kind wieder auf das Lager: »Ich bin so schwach,« sagte es ganz leise. »Es ist jetzt doch wohl der Hunger,« meinte die Frau und zerdrückte eine Träne.

Volkfried faßte den Speer und sprang zur Höhle hinaus. Da staunte er: – alles weiß ringsum! In der Nacht war Schnee gefallen, in ungeheuren Massen, Wald und Moor und alles bergend in gleichem unterscheidungslosem Weiß. – – Volkfried zog die Brauen zusammen: »Ist schlimm. Nun sind die mir bekannten Waldwege verschneit. Aber komm. Hofwart! – Unser liebes Kind soll Bratfleisch haben, oder wir sterben darüber – beide. Komm, Hofwart. Nein, zurück, Volkbert! Du bleibst bei der Schwester.«

Der arme, magere Hund sprang freudig bellend an dem Herrn hinan, als dieser kräftig ausschritt und den Speer schwang. Der Herr sah ihm in das schöne kluge, goldbraune Auge. »Nein, Hofwart! Du sollst nicht sterben, – wie ich heute nacht bedachte – damit wir – einmal! – satt werden. Verzeih mir den Einfall, alter Freund. Ich schäme mich! Ich komme mir vor wie ein Mörder seither. Nein! Komm, tapfrer Gesell! Wir holen zusammen den Braten für Lindmuth ... – Wo war's doch? ... Der Schnee macht alles gleich! – Dort ragt die alte Weide. Dort ist Osten. Im Osten war's. Und dieser neue Schnee kann helfen, ja, – wahrlich! – Da zieht schon eine frische Spur. Lauf, Hofwart! Vor Abend sind wir zu Hause. Ei, werden wir gut empfangen werden!«

Aber weder am Abend noch in der Nacht noch am folgenden Vormittag kamen Herr oder Hund nach Hause.

Noch eine lange, bange Weile harrte die Frau, die ängstlichen Fragen der Kinder nach dem Vater beschwichtend, immer neue Gründe für sein langes Ausbleiben vorbringend, an die sie selbst immer weniger glaubte. Endlich, als Volkbert wieder von dem hohen, jetzt ganz kahlen Baumwipfel niederstieg mit der Meldung, weit und breit sei vom Vater, auch vom Hunde nichts zu sehen, – da sprang die starkgemute Frau vom Lager des Mädchens auf.

»Volkbert, wir müssen den Vater suchen. Wenn er irgendwo läge! Ins Eis gebrochen! Von Schnee verschüttet! – Wenn er einsam sterben müßte, weil wir ... Lindmuth, mein tapfres Kind, fürchtest du dich, wenn wir dich allein lassen?«

»Ich fürchte mich nicht. Ihr laßt mich nicht allein. Fidus sagt, der Schirmengel ist stets bei mir. Ich meine oft, ich sehe ihn im Traum.«

»O treuer Himmelsherr,« rief die Frau, die weißen Hände gegen beide Schläfe drückend, »hörst du dies Kind? So tue nach seinem Glauben! – Komm, Volkbert! Wir müssen ihn finden!«

Und sie fanden ihn ...

Es war kein Schnee mehr gefallen, seit er die Höhle verlassen: so waren die Spuren des Mannes und des voranspringenden Hundes in der Neue gar nicht zu verfehlen: sie führten gerade gegen Osten, in den tiefsten dichtesten Urwald. Ganz deutlich sahen die Suchenden, wie der Mann manchmal mit Mühe, – mit dem Langmesser hatte er hier und da die schneebeladenen Zweige weggehauen – sich durch das unwegsamste Gestrüpp gezwängt hatte. Nun führten die Fußstapfen auf einen Hügel zu, ähnlich dem, in welchem die Flüchtlinge hausten. Volkbert erinnerte sich, der Vater hatte ihn oft gewarnt vor dieser Richtung: – er sann nach, welchen Grund er genannt: – aber da wies die Frau mit gellendem Aufschrei vorwärts springend, auf einen klaffenden Felsspalt des Hügels: der Schnee war weithin von Blut gerötet: – und mitten in dem roten Schnee lagen, nebeneinander hingestreckt, ein riesiger, ein furchtbarer Bär, Hofwart und Volkfried, regungslos alle drei.

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Der Knabe kreischte nun auf vor Entsetzen: die Kniee versagten ihm: er konnte nicht von der Stelle. Als er aber die Mutter bereits dicht neben dem Untier im Schnee knieen und des Vaters bleiches Haupt sanft aufrichten sah, da war auch er mit einem Sprung an des Vaters Seite.

Tot lag der Bär auf dem Rücken; die rechte Vorderbrante ruhte auf des Hundes zerschmettertem Haupt, die linke hielt zwischen Vorderbug und Brust den oberen Teil des zerbrochenen Speeres; ein mächtiger Blutstrom war ihm aus der Brust geflossen; zur Linken des Ungetüms lag auf der Seite Volkfried mit geschlossenen Augen, das Heft des blutigroten Langmessers in der Faust.

»Tot! Der Vater tot!« schrie Volkbert. »Nein! Das Herz schlägt noch,« sprach die Frau und schob in die halb geöffneten Lippen ein wenig Schnee. – Komm, reib' ihm die Schläfe, wie ich! Wir müssen ihn retten.« Beide riehen nun eifrig Stirn und Schläfe mit Schnee. Bald schlug er die Augen auf und atmete tief: »Du – Muthgard? – Liebes Weib! – und Volkbert! – Wo ist Lindmuth? – Ich wollte ... ihr ... Speise ... schaffen. Wo ist sie?« – »In Sicherheit. Ich sehe keine Wunde – außer hier – oh, der Schenkel ist's. Tut's hier weh?« »Kaum! Nur – ein wenig,« sagte er und vor Schmerzen sank er in Ohnmacht zurück ... –

Wohl war die Stelle wenig weiter als eine Stunde von der Höhle entfernt: aber viele, viele Stunden schwerster Arbeit vergingen, bis die Frau und der Knabe den großen Mann, sie das Haupt, er die Füße tragend, mit unzähligen Unterbrechungen in die Zufluchtstätte geschafft hatten. War er bei Bewußtsein, so unterstützte er wohl nach Kräften ihr Bemühen, bat aber auch wohl, vom Schmerz überwältigt, sie möchten ihn liegen und ruhig sterben lassen. –

Da schluchzte der Knabe wild auf; aber die Frau winkte ihm mit den Augen, zu schweigen: sie legte dann das Haupt des Wunden in ihren Schoß, wartete, bis er wieder betäubt war, und gebot dann dem Sohn, aufs neue ihn aufzuheben und weiterzutragen.

Endlich, endlich – es dunkelte schon stark – war die Höhle erreicht und der Wunde auf dem weichsten Moose gebettet. Volkbert schlug Feuer. Lindmuth schlief: die Frau sah auf ihr Antlitz, ein friedlich Lächeln spielte um ihre Lippen.

Volkfried aber sprach mit schwacher Stimme: »Lauf – Volkbert! – Lauf zurück zu dem Bären. – Nimm mein Messer – du hast es schon! – Schneide von dem Fleisch ab, so viel du tragen kannst, und schaff es her. Dir, Fran, machst dann Feuer an. Ja! Trotz aller Gefahr! – Ich will Lindmuth noch einmal essen sehen – essen nach Herzenslust! Bärenfleisch ist gut, sehr gut. Hofwart ist dafür in den Tod gesprungen: ... das Kind soll doch ... davon ... etwas haben ... –«

Da vergingen ihm wieder die Sinne.

*

 

Siebentes Kapitel.

Und so geschah's.

Und trefflich mundete der so teuer erkaufte Braten den lange Darbenden. Die wundenkundige Frau fand alsbald, daß die Pranke des Untiers zwar tiefe, bis auf den Knochen gehende Fleischwunden gerissen, aber den Knochen selbst nicht zerschlagen hatte. Kaum hatte sich der wunde Manu soweit erkräftigt, daß er sprechen konnte, als des Knaben wiederholte ungeduldige Fragen nach dem Verlauf des Kampfes nicht mehr zu hemmen waren.

Volkfried stützte das bleiche Antlitz auf die Hand, den Ellbogen auf das säuberlich abgeschürfte Fell des Bären, auf dem er neben Lindmuth ruhte, und erzählte: aber freilich, in seiner wortkargen Art, lange nicht ausführlich genug für die mit leisem, süßem Grauen gemischte Neugier des Knaben.

»Ich konnte nicht mehr mit ansehen, das!« Er drückte Lindmuth leicht an seine Brust. »Und nachdem tagelang kein Wild mehr sich im Freien zeigte, ich auch einen Dachsbau, – einen Fuchsbau sogar! – vergeblich aufgegraben, erinnerte ich mich, daß vor Jahren, als wir, Jäger in großer Zahl, den Bären auftrieben, welcher diese – jetzt unsre! – Höhle bewohnte, wir einen andern aufscheuchten, der gen Osten hin verschwand in undurchdringbarem Gestrüpp: – damals, im Sommer, konnte nicht einmal Hofwart ihm durch die dichtbelaubten Büsche folgen. Als wir nun wochenlang hier hausten, wurde auf einem meiner Jagdgänge jener andre Hügel durch das kahle Buschwerk hindurch sichtbar. Ich dachte wohl, das sei jenes zweiten Bären Lager und warnte dich daher, allein dorthin zu streifen. Dieser Bär fiel mir nun neulich ein, da ich die Kleine so bitter leiden sah. Ich wollte sehen, ob er noch lebe.« »Und du gingst« – sprach die Frau – »den Bären im Lager zu suchen!« »Allein! Mit dem Hund! Ohne mich!« klagte der Knabe. »Und mit dem schlechten Speer!« schloß die Frau. Lindmuth sprach nicht: sie zwang mühsam das Weinen zurück. »Ja, der Speer! Der war schuld. Sonst wär's ganz wohl gelungen. Als ich an den Höhlenspalt gelangt war, sah ich an der breiten Spur im neuen Schnee: der Bär war kürzlich zu Bau gezogen, sich einzulagern für den Winter. Die Spur war noch frisch: – er hatte sich noch nicht eingeschlagen zu Schlafe. Wie Hofwart in das Loch schnupperte und bellte, erdröhnte bald das Brummen des Hausherrn: ich stellte mich bereit, ihn zu speeren, wann er herausfahre. Aber so blitzschnell schoß er dem weichenden Hunde nach – ich konnte nicht zielen! Sowie er den Mann sah, ließ er vom Hunde, der seitwärts sprang. Der Bär erhob sich.« »O Vater!« rief Lindmuth. – »Aufrecht kam er auf mich zu, tapfer wie ein Held –« »Ja, tapfer wie Donar ist sein brauner Hund, der Herr Bär,« fiel Volkbert ein: »so lehrte mich Heimo.« – »Brummend, die Vorderbranten zornig aneinander schlagend, kam er heran. Ich muß sagen: er war furchtbar bös. Er hatte wohl gerade den Winterschlaf beginnen wollen. Grimmig sahen die kleinen, feindseligen Augen. Lieber drei Wenden als – den! Also rannte ich ihm entgegen, faßte den Speer mit beiden Händen und zielte scharf aufs Herz. Aber ein Schlag der linken Brante – der Stoß war abgeschlagen, die Spitze des Speers, der angeschnürte Stein, flog zur Seite, ein nutzloser Holzstumpf blieb mir in der Faust. Ich warf ihn weg und der Bär drang an.« »Vater, mach ein Ende!« rief Lindmuth. – »Ich sprang zurück, Aug' in Au' mit dem Feind, nach dem Messer im Gürtel tastend. Ich griff's nicht gleich. Ich war verloren –! Aber da sprang Hofwart, der treue, mit wildem Gebell das Untier an, entging geschickt dem ersten Schlag der Branten und saß ihm an der Gurgel – und hemmte ihn wacker.« »Da hättest du doch fliehen können!« rief die Frau. – »Ja! Vielleicht – vielleicht auch nicht; – sie laufen unglaublich rasch. Aber ich dachte gar nicht daran. Sollte ich Hofwart, den treuen, im Stich lassen? Feiger sein als der edle Hund? Ich fand mein Messer, sprang vor und, wie der Bär den festgebissenen Hund mit der Braute sich von der Gurgel schlug, traf ich ihn in das Herz. Aber im Fallen schlug er noch einmal nach mir. Ich flog in den Schnee. Und ich konnte nicht aufstehen. Ich rief, ich schrie – nach euch – lang! Ich dachte: was wird aus ihnen – wenn ich von hier nicht mehr fortkomme? Das war das Ärgste: ärger als der Schmerz. Und wie ich nicht mehr schreien konnte – ich wußte, ihr würdet mich suchen! – kam's über mich wie süßer Schlaf. Und wie ich erwachte und die Mutter sah,, da dachte ich: wir wären beide im Himmel. – Arme Muthgard, arme Kinder!« Tief aufseufzend wandte er das Antlitz ab. Er dachte daran, daß jetzt, durch seine Wunde, durch sein Siechtum jede Hoffnung durch Schnee und Eis die Friesen rechtzeitig zu erreichen vernichtet war. – –

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In den nächsten Tagen ging noch alles leidlich.

Lange Zeit hielt das Fleisch des Bären vor, das von dem Knaben bald allein, bald mit der Frau herbeigeholt ward. Es verdarb nicht: denn es fror in der nun streng einfallenden Kälte: die Schinken und die Tatzen waren Leckerbissen.

Die Wunden Volkfrieds schienen gut, aber langsam zu heilen. Lindmuth erkräftigte sich rasch. Aber auch eines recht großen Bären Fleisch geht allmählich zu Ende, soll es – allein – vier Menschen ernähren. Längst aufgezehrt war die letzte Rinde Brot. Ein paar trockene Krumen verwandte Lindmuth dazu, sie einem armen Vögelein dicht vor der Höhle auf schneebefreitem Platz zu streuen: es war ein Rotkehlchen, das die eine Schwinge gebrochen hatte und vielleicht deshalb im Spätherbst verblieben, nicht mit den andern fortgestrichen war. Es war ganz zahm und zutraulich geworden, hielt sich stets in der Nähe der Höhle, flog dem Mädchen auf dessen Zuruf auf die Schulter, auf die Hand, mahnte auch wohl, ihm Futter zu reichen mit seinem erregten Ruf: »Pitz-Witz! Pitz-Witz!«

Aber es kam der Tag, da Lindmuth ihm traurig sagte: »Ja, Pitz-Witz! Wir haben selbst gar, gar nichts mehr! Auch nicht Ein Krümchen Brot! Und keine trockene Beere mehr. – Es ist jetzt wohl bald alles aus mit uns und – mit dir.« Aber das Vögelein wollte es nicht glauben. »Pitz-Witz!« rief es und flog ihr nach bis an die Höhle.

*

 

Achtes Kapitel.

Noch einmal half den Darbenden der Zufall.

Volkbert, der Tag für Tag mit Bogen und Pfeil den Wald durchstreifte, ohne auch nur die Spur eines Wildes zu entdecken, fand in dem Hohlstamm einer Buche versteckt einen reichen Vorrat von Bucheckern, auch von Eicheln und Haselnüssen, die sich wohl ein Eichhorn hier zusammengetragen hatte; jubelnd brachte er seinen Schatz der Mutter, die ihn sorgfältig und sparsam in vier Teile gliederte; Lindmuth gab von jedem Nußkern, den sie aß, ein Stücklein dem Rotkehlchen, das es gar dankbar aufpickte.

Aber auch diese vier Häuflein neigten zu Ende.

Und eines Abends, als die Kinder schliefen, brachte die Frau das lang zurückgehaltene Wort über die Lippen. Sie sah, wie der Mann, dessen Wunden wacker heilten – aber gehen konnte er noch nicht! – sich in dumpfer Verzweiflung verzehrte. Das gab ihr die Kraft zu dem harten Entschluß. Sie ließ sich neben ihm nieder. »Volkfried, Lieber,« sagte sie sanft und schob ihm unvermerkt – es war ja ganz dunkel – von ihrem Viertel ein paar der größten Haselnüsse unter seinen Anteil. »Du kannst nun nicht zu den Friesen gehen. Laß mich gehen an deiner Statt. Ich fürchte mich nicht. Ich nehme die Streitaxt mit; die Kinder laß ich dir hier, dich zu pflegen.« –

Da schlang der starke Mann, sprachlos vor bitterstem Weh, den Arm um die schöne Frau und lehnte den Kopf an die Schulter und stöhnte tief auf; weinen konnte er nicht.

»Sieh,« fuhr sie fort, leise über seine Stirne streichend, »es tut zwar recht weh, dich zu verlassen. Ich weiß ja auch nicht, ob ich ... ob ich zurückkomme. Aber das weiß ich: es ist die einzige Hilfe, die uns von Menschen werden mag. Wohl sind die Dänen nah und nicht schwer zu erreichen, aber – nein! Niemals! Volkfrieds Weib darf nicht zu Herrn Karls Feinden fliehen. Ich weiß: es ist bei Todesstrafe verboten. Schwer lastet mir schon auf der Seele, daß ich gegen des Kaisers Gebot den Gebannten gespeist: ich belade nicht noch mehr mein Gewissen. Ach, wenn ich nächtelang den Himmelsherrn gebeten hatte, sich unser zu erbarmen, dir wenigstens ein Stück Wild vor den Bogen zu schicken und wenn er immer und immer nichts für uns tat, dann sagte ich mir wohl, ›das ist die Strafe meiner Schuld.‹ O, wie oft bat ich ihn, mich sterben zu lassen, – mich allein – aber nicht auch euch Unschuldige mit mir zu verderben. – Und deshalb, weil ich schuldig bin, ich allein, muß ich allein auch mein Leben wagen, ob ich uns alle errette. Ich weiß es wohl, der Weg ist ...«

»Nie legst du ihn zurück! Nicht ich selber käme jetzt durch den von Eis und Schnee bedeckten Wald! Es sind viele, viele Tagereisen bis nach Milindorf. Ja, auch zu den Abodriten, die so viel näher, kommst du nicht durch die tief verschneiten Waldsteige! O mein Weib, mein liebes, treues Weib! Es stößt mir das Herz ab! Um meinetwillen! Nur um meinetwillen mußt du all' das leiden, mußt du hier elend verderben!«

»Um deinetwillen?«

»Ja, weil du mich geliebt, weil du mein Weib geworden. Nein – laß mich ausreden. Ich hab' es so lange denken müssen – immer im Kreise herum, immer dasselbe diese langen Tage, die ich nun hier schon liege: – es ist eine Wohltat, es einmal auszusprechen. Hättest du, nach deines Vaters Wunsch, dem reichen Grafensohn, eurem Nachbar, der so lang, so dringend um dich warb: – er hat dich wirklich geliebt ...!«

»Ich glaube: ja!«

»Hättest du ihm die Hand gereicht! – Herrlich und in Freuden, reich und vornehm, lebtest du nun irgendwo, vielleicht zu Aachen in des Kaisers Pfalz: und keine von den stolzen Frauen dort, nicht Herrn Karls wunderschöne Töchter selbst, wären schöner, herrlicher als du. Statt dessen sagtest du dem Vater, er könne dich wohl zwingen nach dem Recht, aber nicht in der Tat: und an dem Tage, da er dich Richwalt gebe, sprängst du in die Elbe. Und doch war Richwalt schön, – sehr schön! – jung, und dennoch schon ein sieggekrönter Held, edelgeartet und viel, ach! viel klüger und geistmächtiger und redegewaltiger als der arme Volkfried, der Herr von ein paar magern Hufen, der Ungeschickte, der nie sagen kann, wie er's meint. Den güterarmen, gedankenarmen, redearmen Volkfried wolltest du haben oder keinen, sagtest du. Aber was zitterst du so? Friert dich?« – »Ja, mich fröstelt. Es war bitter kalt heut nacht! Aber es geht bald vorüber!« – »Und dein Vater – er hatte der Mutter versprochen in ihrer letzten Lebensstunde, er wolle dich nie wider Willen vermählen: sie kannte ihrer Tochter Herz! – er zwang dich nicht. Er wies den Grafensohn ab. Verzweiflungsvoll, ingrimmig schied der – dein Todfeind und der meine: – du weißt gar nicht, wie tödlich er mich haßt. – Er verließ seines Vaters reichen Besitz, er ging weit, weit nach Süden: – er ist verschollen. Dein Vater aber wollte wenigstens dem armen Freibauer sein Kind unerreichbar machen. Er verlangte für die Verlobung einen Muntschatz, der ... –« – »Der ganz unerschwinglich war, für den armen Volkfried, so wähnte er. Und wirklich: Jahre vergingen, – viele Jahre – ich hoffte nicht mehr. Da kam er eines Tages, der arme Volkfried, gesprungen in strahlenden Freuden und trug in seinen beiden Händen seine Sturmhaube und schüttete mir aus derselben einen ganzen Regen von Goldstücken in den Schoß und lachte laut – der stille, der ernsthafte, der gemessene Volkfried lachte ganz unbändig! – und rief: ›das hat der Sorbenkönig nicht gedacht, den ich für Herrn Karl erschlug vor seinem Lederzelt, daß er all diesen Hort für schön Muthgard zusammengeraubt hat.‹ Und der Vater, –« sie lächelte bei der Erinnerung in all' dem Weh der Gegenwart – »machte Augen – so groß! Aber sein Wort mußte er halten: so gab er mich dir. Doch so bitter verdroß es ihn, daß er sein Gut verkaufte und mit all dem Golde davonzog – auf Nimmerwiedersehn! Er soll's zu Metz einer Kirche vermacht haben.«

»Auch den Vater hast du mir geopfert! Wie den glänzenden Grafensohn ... –«

»Und tät's nochmal!«

»O wie dich's schauert!«

»Mich fröstelt noch ein wenig. – Ja, wenn ich alles voraus wüßte: unsre ganze Not – bis auf diese Stunde: ich tät's nochmal und würde doch dein Weib – mit dir zu leben, mit dir zu sterben, du Heißgeliebter!«

Und die verhaltne Frau warf beide Arme um seinen Hals und küßte ihn heiß auf den Mund.

Da, zum erstenmal, traten die Tränen in des starken Mannes Augen; aber er zerdrückte sie, bevor sie rannen. Und es waren, Tränen eines Schmerzes, der da selig macht. Und in der dunkeln, kalten Höhle schien es warm und licht zu werden, so glücklich waren die beiden Gatten, ja glücklich im Angesicht des drohenden Todes.

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Am andern Morgen war der Streit darüber erspart, ob die Frau die Wanderung antreten solle; sie konnte nicht aufstehen, so groß war ihre Schwäche.

Wochenlang hatte sie, wann nur irgend sie es unvermerkt vermocht, an ihrem Teile der Nahrung gespart und das Ersparte den andern, ohne daß sie es ahnten, zugesteckt; das Fieber rüttelte sie jetzt mit kaltem Schauer, während ihre Schläfen glühten; sie redete irr.

Volkfried hüllte sie in das Bärenfell; er schüttelte den Kopf: »Gott im Himmel, hilf! Oder mach' ein Ende. Aber rasch! Auch mit den Kindern.« –

Da legte sich eine leichte Hand auf seine Schulter. »Vater,« sagte Lindmuth, »nicht verzagen. Ich habe gestern nacht – ich konnte nicht gleich schlafen – gehört, was ihr spracht: – nämlich das von der Wanderung zu den Friesen oder zu den Abodriten. Nun kann die arme Mutter nicht gehen. Ich will gehen. Und Volkbert. Jedes für sich allein. Ich habe ihm alles gesagt: wie wir verloren sind, alle vier, wenn keine Hilfe geholt wird. Er sieht es ein. Er will ganz wie ich. Kommt eines von uns ... vielleicht ... nicht zurück, dringt doch ... vielleicht ... das andre zu Menschen durch. Zu den Dänen gehen wir nicht. So bitten wir um Urlaub, zu gehen.«

»Ich gehe zu den Friesen,« rief Volkbert herantretend, »weil das der bösere Weg; Lindmuth geht zu den Abodriten. Ich nehme die Streitaxt, die Schwester nimmt das Messer: – aber sieh nur, Lindmuth – sieh – den Vater – er sinkt um.« – »Er ist eingeschlafen. – Oder – wieder! – unmächtig. Nun sind sie beide stumm. Vater! Liebe Mutter! Wacht auf! Sagt doch, daß wir gehen dürfen!« Sie rüttelten beide an den Schultern, sie riefen laut in ihre Ohren –: aber die beiden Gatten blieben stumm, ihre Augen geschlossen. »Komm, Lindmuth,« rief der Knabe. »Wir können nicht warten bis sie erwachen. Komm! Es eilt!« »Warte nur noch, bis ich sie ganz zugedeckt habe, beide: die Mutter auch noch mit des Vaters Mantel. Und hierher – dicht neben beider Hände – die letzten Nüsse, daß sie leicht danach greifen mögen. – So! – Nun, lieber Himmelsherr, behüte du unsre armen Eltern!«

Sie folgte dem Bruder aus der Höhle.

Sowie sie heraustrat, flog ihr das Rotkehlchen auf die Schulter.

»Leb wohl, Schwester,« sagte Volkbert und gab ihr die Hand. »Ob wir uns wohl wiedersehn? – Dort steht die Morgensonne – dort ist Osten: das ist dein Weg. Ich gehe gerade aus – hinweg von dir – nach Westen, zu den Friesen. Knicke die Zweige an den Büschen, wie du schreitest, damit du dich mit helfenden Menschen zurückfindest zur Höhle: – die Fußspuren könnte frisch fallender Schnee bedecken.«

»Leb wohl, Bruder! Der wache Schutzengel schwebe über deinem Haupt!«

Der Knabe schwang die Streitaxt auf die Schulter und sprang davon, ohne umzusehen.

Lange blickte ihm die Kleine nach; dann bekreuzte sie Stirn und Brust und schritt mutig der steigenden Sonne entgegen.

Es war nicht kalt. Aber der Schnee begann in dichten, dichten Flocken zu fallen; sie achtete nicht darauf. Sie stapfte fort, ohne Weg, ohne Steg. Das Vöglein flog ihr neugierig nach von Busch zu Busch: wo immer es aufhüpfte mit dem leichten Gewicht, stäubte doch der Schnee auf und rieselte von jedem Ästlein. Und immer dichter, immer dichter, geräuschlos, – kein Lüftchen regte sich – immer dichter fiel der Schnee. – –

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