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Bilderbuch ohne Bilder

Hans Christian Andersen: Bilderbuch ohne Bilder - Kapitel 34
Quellenangabe
typefiction
authorHans Christian Andersen
titleBilderbuch ohne Bilder
publisherPhilipp Reclam jun. Leipzig
translatorEdmund Zoller
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20060906
projectid60ab1870
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Dreiunddreißigster Abend.

»Ich habe eine große Liebe zu Kindern!« sagte der Mond, »die kleinen namentlich sind so drollig; wenn sie am wenigsten an mich denken, schaue ich manchmal zwischen Gardine und Fensterrahmen in die Stube. Es ist so unterhaltend, zu sehen, wie sie sich beim Auskleiden helfen; da kommt zuerst die nackte, kleine, runde Schulter aus dem Kleidchen, dann schlüpft der Arm heraus, oder ich sehe sie die Strümpfe ausziehen und ein hübsches, kleines Bein, weiß und fest, kommt zum Vorschein, ein Fuß zum Küssen und ich küsse ihn auch!« sagte der Mond.

»Heute abend, das muß ich doch erzählen! Heute abend sah ich in eines von den Fenstern, wo die Gardinen nicht herabgelassen waren, denn sie hatten kein Gegenüber; ich sah hinein zu einem ganzen Rudel kleiner Schwesterchen und Brüderchen. Da war ein kleines Mädchen, nur vier Jahre alt, kann aber sein Vaterunser so gut wie die andern und die Mutter sitzt jeden abend an seinem Bett und hört, wie es das Vaterunser betet, dann bekommt es einen Kuß und die Mutter bleibt, bis das Mädchen schläft, und es dauert nicht lange, so schließen sich auch die kleinen Augen. Heute abend waren die beiden ältesten etwas wild; der eine hüpfte auf einem Bein in seinem langen, weißen Nachthemde, der andre stand auf einem Stuhl, mit den Kleidern aller andern um sich her, er sei ein lebendes Bild, sagte der Junge, die andern sollten raten; der dritte und vierte legten das Spielzeug ordentlich in die Schublade und das muß auch so sein; aber die Mutter saß an der Kleinsten Bett und sagte, sie sollten alle still sein, denn die Kleine bete ihr Vaterunser.

Ich sah über die Lampe hinein,« sagte der Mond, »das vierjährige Mädchen lag in seinem Bette in dem weißen, feinen Linnen, und die kleinen Hände waren gefaltet, und das kleine Gesicht ganz feierlich, während es laut sein Vaterunser betete. ›Aber was ist das,‹ sagte die Mutter, und unterbrach das Kind mitten im Beten, ›als du sagtest: gib uns heute unser täglich Brot! sagtest du noch etwas, das ich nicht recht verstehen konnte. Was ist das? Du sollst es mir sagen!‹ Und die Kleine schwieg und sah die Mutter verlegen an. – ›Was hast du noch weiter gesagt als: gib uns unser täglich Brot?‹ – ›Werde nicht böse, süße Mutter!‹ sagte die Kleine, ›ich betete: und auch viel Butter drauf!‹«

Ende.

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