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Bilder aus Italien

Charles Dickens: Bilder aus Italien - Kapitel 1
Quellenangabe
typereport
authorCharles Dickens
titleBilder aus Italien
publisherWinkler Verlag
editorSiegfried Schmitz
yearo.J.
translatorJulius Seybt
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140926
projectid252c7a82
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Des Lesers Paß

Wenn die Leser dieses Bändchens so freundlich sein wollen, ihre Empfehlungsschreiben für die verschiedenen Orte, mit denen sich des Verfassers Erinnerungen beschäftigen werden, von dem Verfasser selbst zu nehmen, so wird ihre Phantasie diese Plätze vielleicht mit größerem Genuß und mit besserer Einsicht in das, was sie zu erwarten haben, besuchen.

Schon viele Bücher sind über Italien geschrieben worden, die viele Möglichkeiten eröffnen, die Geschichte dieses interessanten Landes und seine zahllosen Erinnerungen zu studieren. Ich nehme nur wenig Rücksicht auf dieses Magazin des Wissens, denn ich betrachte es durchaus nicht als notwendige Folge meiner Einsicht in diese Vorräte, daß ich die leicht zugänglichen vor den Augen meiner Leser ausbreiten sollte.

Auch wird man in diesem Bändchen keine ernste Untersuchung über die gute oder schlechte Regierung dieses Landes in irgendeinem seiner Teile finden. Kein Besucher des schönen Landes wird es versäumen, sich eine starke Meinung über diese Sache zu bilden, aber da ich mich während meines Aufenthaltes dort als Fremder jeder Diskussion über derartige Fragen mit Italienern, welchem Stande sie auch angehören mochten, enthielt, so möchte ich auch jetzt diese Saite lieber nicht berühren.

Während meines zwölfmonatigen Aufenthaltes in Genua fand ich nie, daß ihrem Wesen nach eifersüchtige Behörden mich mit Mißtrauen betrachtet hätten; und es sollte mir leid tun, wenn ich ihnen Gelegenheit gäbe, ihre arglose Höflichkeit gegen mich oder gegen irgendeinen meiner Landsleute zu bereuen.

Es gibt wahrscheinlich kein berühmtes Kunstwerk in ganz Italien, welches nicht leicht unter einem Berg von Papier, bedruckt mit Abhandlungen über dasselbe, begraben werden könnte. Daher werde ich auch, obgleich ich ein großer Bewunderer der Malerei und der Skulptur bin, nicht lange bei der Beschreibung von berühmten Gemälden und Standbildern verweilen.

Dieses Buch ist eine Reihe von Spiegelbildern – bloßer Schatten im Wasser – von Orten, welche die Einbildung der meisten Menschen mehr oder weniger anziehen, mit denen sich die meine seit Jahren beschäftigt hat und die für alle einiges Interesse haben. Die Beschreibungen wurden größtenteils an Ort und Stelle niedergeschrieben und von Zeit zu Zeit in Privatbriefen nach Hause geschickt. Ich erwähne das nicht als eine Entschuldigung der etwaigen Mängel des Werkes, denn es wäre keine, sondern bloß als eine Gewährleistung für den Leser, daß sie wenigstens niedergeschrieben worden, als der Verfasser erfüllt war von dem, was er sah, und noch beherrscht von den neuesten und frischesten Eindrücken.

Zeigen sie irgendwo eine phantastische und träumerische Färbung, so wird der Leser vielleicht voraussetzen, daß sie geschrieben worden im Schatten eines sonnigen Tages, inmitten der Gegenstände, von denen sie handeln, und sie werden ihm darum nicht weniger gefallen, daß sie dies örtliche Gepräge tragen.

Ich hoffe nicht, daß Bekenner des römisch-katholischen Glaubens irgend etwas, was in diesem Büchelchen vorkommen wird, mißverstehen könnten. In einem meiner frühern Werke habe ich mein Möglichstes getan, ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, und ich hoffe, daß sie in diesem auch gegen mich gerecht sein werden. Wenn ich ein Schauspiel erwähne, das mir absurd oder abstoßend vorkommt, so suche ich nicht es mit einem wesentlichen Bestandteil ihres Glaubens in Verbindung zu bringen. Wenn ich von den Zeremonien der Karwoche spreche, so spreche ich nur von ihrer Wirkung und fordere den guten und gelehrten Doktor Wiseman nicht auf, ihre Bedeutung darzulegen. Wenn ich einen Widerwillen gegen Nonnenklöster für junge Mädchen verrate, welche der Welt entsagen, ehe sie dieselbe geprüft und gekannt haben, oder an der Ex-officio-Heiligkeit aller Priester und Mönche zweifle, so tue ich nicht mehr, als viele gewissenhafte Katholiken im Ausland und im Inland tun.

Ich habe diese Bilder mit Schatten im Wasser verglichen, und ich möchte hoffen, daß ich nirgends das Wasser so sehr aufgeregt habe, um die Schatten zu zerstören. Ich kann niemals verlangen, auf besserem Fuß mit allen meinen Freunden zu stehen, als jetzt, wo abermals auf meinem Pfad sich ferne Berge erheben; denn ich brauche nicht anzustehen, offen zu sagen, daß ich jetzt, bestrebt, einen kurzen Irrtum wieder zu verbessern, den ich vor nicht langer Zeit beging, indem ich die alten Verhältnisse zwischen mir und meinem Leser störte und für einen Augenblick meine alte Beschäftigung verließ, sie jetzt in der Schweiz wieder freudig aufnehmen will, wo ich während eines zweiten Jahres der Abwesenheit die Gegenstände, die ich im Kopfe habe, ohne Unterbrechung ausarbeiten und zugleich, während mein englisches Publikum im Hörbereich bleibt, meine Kenntnis eines schönen und für mich unaussprechlich anziehenden Landes weiter ausdehnen kann.

Ich mache dies Buch so allgemein zugänglich wie möglich, weil es mir eine große Freude wäre, wenn ich hoffen könnte, durch seine Vermittlung meine Eindrücke mit manchen Eindrücken der vielen zu vergleichen, welche in späterer Zeit mit Teilnahme und Entzücken die Gegenden, die ich beschrieben, besuchen werden.

Und ich habe jetzt nur noch nach Paßmanier meines Lesers Porträt zu skizzieren, das ich vermutungsweise für beide Geschlechter wohl folgendermaßen entwerfen darf:

Gesicht: schön
Augen: sehr heiter
Nase: nicht gerümpft
Mund: lächelnd
Miene: strahlend
Allgemeiner Ausdruck: außerordentlich angenehm.

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