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Bei uns zu Lande auf dem Lande

Annette von Droste-Hülshoff: Bei uns zu Lande auf dem Lande - Kapitel 6
Quellenangabe
typefragment
authorAnnette von Droste-Hülshoff
titleBei uns zu Lande auf dem Lande
publisherScherpe-Verlag Krefeld
year1948
senderwww.gaga.net
correctorhille@abc.de
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Das Brief-Tagebuch der Droste über »Bei uns zu Lande«

13. Dezember 1838 (Hülshoff) an Chr. B. Schlüter:

»Die vielfachen, ich möchte fast sagen ungestümen Bitten Malchen Hassenpflugs, haben mich bestimmt, den Zustand unseres Vaterlandes, wie ich ihn noch in frühster Jugend gekannt, und die Sitten und Eigentümlichkeiten seiner Bewohner zum Stoff meiner nächsten Arbeit zu wählen. Ich gestehe, daß ich mich aus freien Stücken nicht dahin entschlossen hätte, denn für erst ist es immer schwer, Leuten vom Fach zu genügen, und in dieser Sache ist jeder Münsterländer Mann vom Fache. Ich erinnere, daß einst ein sehr natürlich geschriebenes Buch in einer Gesellschaft vorgelesen wurde, die einen Soldaten, einen Forstmann, einen Gelehrten und einen Diplomaten in sich schloß; jeder war entzückt über alles, mit Ausnahme der Stellen, die jedes Fach betrafen. Der Soldat fand Schnitzer in den Schlachtszenen, der Forstmann in den Jagdabenteuern, der Gelehrte in den philosophischen Tiraden und der Hofmann in dem Auftreten und Benehmen der gekrönten Häupter; wie soll es mir nun gehen, der jeder Gassenbube im Lande die geringsten Verstöße nachweisen kann? Mein Trost ist, daß ich selbst hier aufgewachsen und somit so sehr Herrin meines Stoffes bin wie keines andern. Schlimmer ist es, daß die Leute hierzulande es noch gar nicht gewohnt sind, sich abkonterfeien zu lassen und den gelindesten Schatten als persönliche Beleidigung aufnehmen werden. In Paris und London ist es ein anderes, da haben sich die Leute einen breiten Buckel zugelegt, und die Schriftsteller sind so frech, daß eine Tracht Prügel ihnen mitunter wahrhaft heilsam wäre. Denke ich aber an den Nekrolog meines Vetters Droste in Bonn, den der Professor Braun so glänzend ausstaffierte, daß die ganze Familie davon einen Nimbus bekam, und doch, unter uns gesagt, kaum argem Verdrusse entging, so wird mir es überaus bedenklich zumute. Ich weiß am besten, daß ich meinen Landsleuten weit weniger Unrecht tun, als viel eher durch zu große Vorliebe und Idealisierung mancher, an sich unbedeutenden Eigenschaft mich lächerlich machen werde, und dennoch fürchte ich gänzlich in Verruf zu kommen, denn alles kann ich ihnen und meiner eigenen Liebe nicht aufopfern, nicht Wahrheit, Natur und die zur Vollendung eines Gemäldes so nötigen kleinen Schatten. Wenn Sie, teurer Freund, die Ausführung meines Vorhabens für gänzlich untunlich halten so sagen Sie mir es jetzt, wo es noch Zeit ist, ich bitte Sie darum. Über die Form bin ich noch unschlüssig und möchte Ihre Meinung hören. Was meinen Sie? Soll ich«jene des Bracebridgehall von Washington Irving wählen? Eine Reihenfolge von kleinen Begebenheiten und eignen Meditationen, die durch einen losen, leichten Faden, etwa einen Sommeraufenthalt auf dem Lande verbunden sind? Diese Form ist sehr ansprechend und gibt dem Schreibenden große Freiheit, bald erzählend, bald rein beobachtend und denkend aufzutreten, und außer Washington Irving hat Jouy sich ihrer fortwährend und mit großem Beifalle bedient in seinem »l'Hermite de la Chausée d'Antin«, »l'Hermite en province«, »l'Hermite de Paris«, de Londres, de la Guyane«, aber eben dadurch ist sie etwas verbraucht worden. Oder soll ich eine Reihe kleiner in sich geschlossener Erzählungen schreiben, die keinen andern Zusammenhang haben als daß sie alle in Westfalen spielen und darauf berechnet sind, Sitten, Charakter, Volksglauben und jetzt verloren gegangene Zustände desselben zu schildern? Dies ist schwieriger, bedarf weit reicherer Erfindung und schließt alle Meditationen und Selbstbeobachtungen fast gänzlich aus. Dagegen ist es weniger verbraucht, läßt höchst poetische und seltsame Stoffe zu, die jener andern Form des täglichen Lebens unzugänglich sind und hat den großen Vorteil, in keinem Falle zu beleidigen, da lauter bestimmte Individuen auftreten, noch obendrein zumeist aus dem Bauernstande, als dem mir am genauesten bekannten und auch noch eigentümlichsten; was sagen Sie dazu? Geben Sie Ihr Votum ab! Ich will nicht sagen, daß es den totalen Ausschlag gibt, aber es wird gewiß sehr berücksichtigt werden.«

29. Januar 1839 (Rüschhaus) an die Schwester:

»... jetzt, wo das Ding einen guten Fortgang hat, interessieren sich alle dafür, auch die Bökendorfer,... und jeder Narr maßt sich eine Stimme an über das, was ich zunächst schreiben soll, und zwar mit einer Heftigkeit, daß ich denke, sie prügeln mich, wenn ich es anders mache, oder nehmen es wenigstens als persönliche Beleidigung, auf. Und doch sagt der eine schwarz und der andre weiß. Die münsterschen Freunde ermahnen mich, um Gottes willen auf dem Wege zu bleiben, den ich einmal mit Glück betreten, und wo meine Leichtigkeit in Vers und Reim mir einen Vorteil gewähren, den ich um keinen Preis aufgeben dürfe. Malchen (Hassenpflug) und die Bökendorfer dagegen wollen, ich soll eine Art Buch wie Brace-Bridge- Hall schreiben und Westfalen mit seinen Klöstern, Stiftern und alten Sitten, wie ich sie noch gekannt, und sie jetzt fast ganz verschwunden wären, zum Stoffe nehmen. Das läßt sich auch hören, aber ich fürchte, meine lieben Landsleute steinigen mich, wenn ich sie nicht zu lauter Engeln mache.... Tunlicher scheint es mir, eine Reihe Erzählungen zu schreiben, die alle in Westfalen spielen und so alles Verlangte in sich schließen, ohne daß man grade zu sagen braucht: Dies soll ein Bild von Westfalen sein, und der Westfale ist so und so. Dann, meine ich, wird keiner (wie hier die Leute wohl etwas schweren Begriffs sind) es auf sich beziehn, sondern nur auf die Personen der Erzählung; auch kann ich dann von dem gewöhnlichen Gange der Dinge abgehn, kann Vorgeschichten und dergleichen mit einem Tone der Wahrheit erzählen, während ich sie in der andern Form nur als Volksglauben erwähnen darf. Doch ist die Form von Bracebridge... bei weitem die angenehmste, sowohl zum Lesen als zum Schreiben, well sie so mannigfaltig ist und eigne Beobachtungen und Meditationen, kleine lächerliche Vorfälle et cet. zuläßt, was sehr amüsiert, man öfter lesen kann und auch mehr eignen Geist voraussetzt, als Erzählungen, die, sie mögen so gut und charakteristisch sein als sie wollen, doch selten jemand zweimal liest, weil der Abstich vom ersten Male zu groß ist, wenn die Spannung auf den Ausgang fehlt. Dagegen finden die Leute zwischen so kurzer Ware immer allerlei, was sie selbst schon gedacht und beobachtet haben und deshalb zwanzigmal lesen können, weil es ihnen den angenehmen Eindruck,macht, als hätten sie es selbst geschrieben. So hat jede Ansicht ihre günstige Seite und jeder meiner unberufenen Präzeptoren recht. Aber mag ich nun tun was ich will, so stelle ich einige zufrieden und, stoße die übrigen vor den Kopf.«

23. März 1841 (Rüschhaus) an Chr. B. Schlüter:

Wissen Sie wohl, Professorchen, daß ich jetzt ernstlich willens, bin, ein ellenlanges Buch im Geschmacke von Bracebridgehall auf Westfalen angewendet zu schreiben, wo auch die bewußte Erzählung von dem erschlagenen Juden hineinkömmt? Das Schema zum ersten Teile, Münsterland betreffend, habe ich schon gemacht, und das ist für mich ein großer Schritt, denn eben dies Ordnen und Feststellen der wie Ameishaufen durcheinander wimmelnden Materialien macht mir immer zumeist zu schaffen, und habe ich das überwunden, gehts in der Regel sehr schnell. Nun aber ist nur mit meiner Grippe und Appendix vorläufig ein Schlagbaum vorgefallen, und ich muß mich gedulden oder vielmehr ungedulden, denn nun ich mal angefangen, brennts mir wie auf den Nägeln, und ich möchte lieber Tag und Nacht schreiben, als vielleicht noch drei Wochen die Hände in den Schoß legen und Daumen drehn oder die Wolken studieren. Aber das Schreiben will noch ganz und gar keine Art haben; es ist, als ob die gebückte Stellung den Reiz in der Kehle vermehrte, auch das Blut steigt zum Kopfe, und die Tränen laufen mir aus den Augen,, wie eben jetzt, so daß ich längst hätte aufhören sollen. Ich will und muß auch aufhören, aber erst noch wegen meines Buchs in spe. Es wird drei Abteilungen enthalten, und den verbindenden Faden gibt der Aufenthalt eines Edelmanns aus der Lausitz bei einem Lehnsvetter im Münsterlande (erste und stärkste Abteilung), der dann mit dieser Familie ihre Verwandten im Paderbornischen besucht (zweite Abteilung) und durchs Sauerland zurückkehrt, wo sie auch einige Zeit bei Freunden und entfernteren Verwandten verweilen (dritte und kleinste Abteilung). Diese sind die drei hervorstechendsten Provinzen Westfalens, und zudem die einzigen, wo ich hinlänglich eingebürgert bin, um festen Grund unter mir zu fühlen. Es werden alle normalen Charaktere, Sitten, Institute (z. B. Damenstifter, Klöster), Sagen und Aberglauben dieser Gegenden darin vorkommen, teils geradezu in die Szene gebracht, teils in den häufig eingestreuten Erzählungen. Ich hoffe Gutes von dem Buche....«

Der Entwurf von 1841.

»1795, Westfalia oder Tagebuch aus Westfalen, oder ein Sommeraufenthalt in Westfalen oder bei uns zu Lande auf dem Lande«.

Dieser Entwurf, der sich im Dorste-Archiv auf Haus Stapel befindet (abgedruckt bei Schulte Kemminghausen: Droste-Hülshoff, Werke, Bd.3 S.288/89 f.), deutet stichwortmäßig die geplanten 24 Kapitel des ersten Teiles an. Nachdem sich in den ersten drei vollendeten Kapiteln der Lausltzer in der münsterländischen Wasserburg umgesehen hatte, sollten die Lebenskreise Ring um Ring erweitert werden: die Dienstboten mit kurlosen Schicksalen, die teils ins Holländische hinübergreifen; die Welt des Dorfes, wo ein unklares Gemunkel über eine Kindsmörderin herumläuft, bis diese Geschichte nach einer persönlichen Aufzeichnung erzählt wird; Spuk- und Vorgeschichten, die allenthalben auftauchen und auf spätere Schicksale vorausdeuten; eine Bauernhochzeit, wobei die Beobachtung gemacht wird, daß der »schöne Mund der Münsterländer wie ein Vogelnest in einem Dornenstrauch« wirke; die Ankunft eines verarmten Oberst aus Holland, der auf dem Schloß im Münsterland eine hilfsbereite Aufnahme findet, denn der Münsterländer habe »Mitleiden selbst mit solchen, die noch mal unglücklich werden können«; zuletzt ein Besuch bei einem Schulzen und Ausführungen über den Schulzenadel, die sich wohl an Immermanns Oberhof anschließen sollten. Der blumenliebende und blumenzüchtende Vater, die alte treuherzige Amme und ein Dechant, der die Bauern gern mit den neusten technischen Errungenschaften (»Perspektiv«) konsterniert, das sind die hauptsächlichsten Gestalten. Gegen Schluß des Entwurfs drängt sich immer mehr eine romanhafte Handlung in den Vordergrund, die schon lange in dunklen unklaren Andeutungen als spannendes Moment die Kapitel durchzog. Der Müllerssohn, der schon im erhaltenen zweiten Kapitel als hintersinnig infolge eines verunglückten Heiratsprojektes eingeführt wurde, faßt eine Liebe zum Fräulein auf dem Schloß. Damit klingt das Problem des Standes- Unterschiedes aus dem jugendlichen Dramenfragment »Bertha« wieder an. Diese Geschichte des Müllerssohnes ist dieselbe, die Annette schon in der »Ledwina« behandeln wollte und dort als Episode. andeutet. Denn hier wie dort geht der hintersinnige Müllerssohn schließlich ins Wasser. Mit diesem Ereignis sollte der erste Teil zu einem überstürzten Abschluß gebracht werden, indem nun die Familie mit dem Sommergast abreist, wohl ins Paderbornische, wo nach den brieflichen Andeutungen der zweite Teil spielen sollte.

Am 20. Juli 1841 (Rüschhaus) an August von Haxthausen:

»Ich habe mein Buch über Westfalen (was den Titel »Bei uns zu Lande auf dem Lande« führen soll) bereits angefangen und ein ziemliches Stück hinein geschrieben. Es schien mir gut, und doch verlor ich auf einmal den Mut, da ich meine lieben Eltern so deutlich darin erkannte, daß man mit Fingern darauf zeigen konnte. Das war eigentlich nicht meine Absicht. Ich wollte nur einzelne Züge entlehnen und übrigens mich an die allgemeinen Charakterzülge des Landes halten. Nun, fürchte ich, wird es jedermann geradezu für Porträt nehmen und jede kleine Schwäche, jede komische Seite, die ich dem Publikum preisgebe, mir als eine scheußliche Impietät anrechnen. Eben jetzt heute bin ich zu dem Entschlüsse gekommen, es meiner Mutter vorzulesen, und ist sie es zufrieden, so schreibe ich weiter; wo nicht, so gebe ich es auf, und schreibe etwas anderes.«

1. September 1841 (Rüschhaus) an Schlüter:

(bei der Abreise nach Meersburg):

»Zu arbeiten denke ich auch drüben fleißig, mein angefangenes Buch über Westfalen zu vollenden.... Das Nötige dazu steckt schon tief unten im Koffer, und an Zeit und Ruhe wird es mir nicht fehlen, da Jenny mir auf meine Bitte ein ganz abgelegenes Zimmer in ihrem alten, weiten Schlosse, wo sich doch die wenigen Bewohner darin verlieren wie einzelne Fliegen, einräumen will.... Ich glaube übrigens, auf dieses Werk werden Sie, mein Freund, sehr lnfluieren, d. h. das Andenken an Sie, denn ich freue mich schon jetzt darauf, es Ihnen vorzulesen, und dieses wird mir unter dem Schreiben beständig in Gedanken liegen. Sagen Sie nicht (wie Sie zu tun pflegen), daß ich mich Ihren Ansichten immer heterogen stelle.... Von meinem Westfalen (»Bei uns zu Lande auf dem Lande« ist sein eigentlicher Titel) hoffe ich aber ein erfreulicheres; ists doch unser liebes Ländchen, und unser beiderseitiges Hängen an ihm schon ein gar starker Einigungspunkt. An dem bisher Fertigen glaube ich schon manches zu sehn, was guten Fortgang verheißt und nur einen hervorstechenden Fehler, zu große Breite an manchen Stellen; aber dagegen weiß ich Rat, habe ich doch den dritten Gesang meines St. Bernhard gestrichen und von dem ersten fast die Hälfte! Das Streichen und Feilen muß aber erst nach Vollendung des Ganzen geschehen, während der Arbeit macht es mutlos und unterbricht auch die poetische Stimmung zu sehr. Ich werde überhaupt immer zu breit, da mich die momentane Aufgabe jedesmal ganz hinnimmt und mir somit die Gabe fehlt, Nebendinge sogleich als solche zu erkennen und zu behandeln. Als Gegengewicht ist mir jedoch die Gabe des allerentschlossensten Streichens geworden, und ohne dieses würden meinem Pegasus längst Eselsohren gewachsen sein.«

26. Oktober 1841 (Meersburg) an die Mutter:

«Sage.. doch... an August (v. Haxthausen),.. daß ich fleißig sein und von hier ganz sicher etwas Fertiges mitbringen würde; in meinem Koffer (der noch immer nicht da ist) liegt, was von dem »Westfalen« (»Bei uns zu Lande auf dem Lande« heißts eigentlich) fertig ist, nebst dem Material...«

14. Dezember 1841 (Meersburg) an Elise Rüdiger:

»... (ich liege) wach im Bette und mache im Dunkeln Gedichte... (am) Tag schreibe ich an meinem größeren Buche, und abends bei Licht wird das bereits Fertige (später auch die geistlichen Lieder) abgeschrieben.«

26. Januar 1842 (Meersburg) an die Mutter:

»Ich habe schon einen ganzen Wust geschrieben, August würde sich aber ärgern, wenn er hörte, daß es meistens Gedichte sind, von denen ich gegen Ostern wohl einen neuen dicken Band fertig haben werde, während das »Westfalen« nur langsam voranrückt.«

4. Mai 1842 (Meersburg) an, Levin Schücking:

(anläßlich des Erscheinens der »Judenbuche« im Stuttgarter Morgenblatt):

»Ich finde, daß sich meine gedruckte Prosa recht gut macht, besser und origineller als die Poesie, aber anders, wie ich mir gedacht, und Dein früheres Urteil hat sich, im Gegensatz zu dem meinigen, bestätigt.

Der Dialog – dem ich jetzt einsehe durch Betonung beim Vorlesen sehr nachgeholfen zu haben – ist gut, aber doch unter meiner Erwartung und keineswegs außerordentlich; dagegen meine eigenen Gedanken und Wendungen im erzählenden Stile weit origineller und frappanter, als ich sie früher angeschlagen, und ich hoffe, darin mit einiger Übung bald den Besten gleichzustehn; wenigstens nach meinem Geschmacke, der freilich immer ein Privatgeschmack bleibt, aber übrigens mir nicht schmeichelt und nur mit dem zufrieden sein wird, was ihn auch bei andern völlig befriedigen würde.«

12. September 1842 (Rüschhaus) an Levin Schücking:

»... und ging statt dessen gleich zu Simrocks, wo ich Ursache hatte mit meiner Aufnahme vollkommen zufrieden zu sein, und Simrock mir, als auf meine »Judenbuche« die Rede kam und ich sagte, sie sei nur ein Bruchstück eines größeren Werks, dessen Inhalt ich andeutete, äußerte – wie es schien mit großem Ernste – er sei überzeugt, daß ich in diesem Genre das Beste leisten würde, was sich nur leisten ließ.«

16. November 1842 (Rüschhaus) an Levin Schücking:

»Adele (Schopenhauer) schreibt: ».....Ich in Ihrer Stelle, liebe Nette, würde vielleicht beide Bücher – die Gedichte und das prosaische »Bei uns zu Lande« et cet. – zugleich herausgeben.« Soweit Adele; was sagen Sie zu dem letzten Vorschlage, lieber Levin? Ich glaube, Adele hat recht; Cotta würde denken, daß entweder das eine oder das andre der Bücher bestimmt reüssieren werde, und deshalb vielleicht beide gut honorieren. Aber in diesem Falle kann ich kaum unter Jahresfrist auftreten, und dann doch nur mit dem ersten Bande des Prosaischen; wenigstens fürchte ich nicht weiterzukommen, da es im Frühling wieder nach Apenburg geht, und ein Buch, in einem fremden Hause geschrieben, schon, alles mögliche ist.«

16. Februar 1843 (Rüschhaus) an Levin Schücking:

»In meinem »Westfalen« kann ich allerdings mit Auswahl manches von den Skizzen (d.i. »Bilder aus Westfalen«) brauchen; aber Sie trauen mir wohl zu, daß dieses nicht den geringsten Einfluß auf meine Ansicht hat, da ich überreich an Material bin und Ihnen von Herzen gern noch mehreres abgäbe, wenn Sie es irgend brauchen könnten.«

24. Juni 1843 (Abbenburg) an Levin Schücking:

»... aus meinem «Bei uns zu Lande« habe ich schon die »Judenbuche« fortgegeben und darf es nicht femer zersplittem, wenn das Ganze noch Wert behalten soll.«

2. Januar 1844 (Meersburg) an Elise Rüdiger:

«Ich habe doch jetzt gerade die Abschrift meiner Gedichte fertig und wollte mich eben über das »Bei uns zu Lande« hermachen. Aber das kann warten...«

6. Februar 1844 (Meersburg) an Levin Schücking:

»Ich will jetzt auch nur wieder fleißig an mein »Bei uns zu Lande« gehn; ich denke, es wird gut; aber wie sich die Ansichten ändern – hoffentlich reifen –! Das Buch wird gewiß ein anderes, als es vor zwei Jahren, wo ich den Entwurf machte, geworden wäre, und doch lag es auch damals wahrlich nicht an meinen Kinderschuhen. Aber die Manier Washington Irvings und einiger französischer Genremaler hatte doch mehr auf mich lnfluiert, als mir bewußt war, und keine Manier hält vor; ist sie nach einigen Jahren verbraucht, so wird sie vorläufig um so viel widriger als die eigentliche Schreibart, wie altmodisch widriger ist als altfränkisch, und jeder, dem damals ein Plan steckengeblieben ist, freut sich hintennach, daß er den Purzelbaum nicht hat mitmachen müssen.«

2. August 1844 (Meersburg) an August von Haxthausen:

»Zunächst erscheint dann wohl mein Buch über Westfalen, was freilich noch lange nicht fertig ist, aber ich schreibe schnell, wenn ich mal dran komme, was sogleich geschehn soll, wenn ich in Rüschhaus zur Ruhe gekommen bin. Gott gebe, daß mir Stimmung und passable Gesundheit bleiben, um noch recht viel verdienen zu können, denn ich möchte gar zu gern zwei kleine Stiftungen machen für ein paar unverheiratete Mädchen aus Werners und Jennys Nachkommenschaft.«

31. Oktober 1844 (Rüschhaus) an Levin Schücking:

»Mit den Erzählungen will es nicht recht voran, ich bin noch an der ersten. Recht schöner Stoff, aber nicht auf westfälischem Boden...« (Erste Nachricht von der Arbeit an einem neuen Stoff, dem »Josef«).

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