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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 980
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Graf von Lichtenholz

Bei Burghausen im Landgericht Arnstein liegen auf einem kegelförmigen, waldbewachsenen Hügel die Ruinen des Ritterschlosses Lichtenholz. Am Fuß dieses Hügels befindet sich ein unergründbarer Abgrund, den noch heute die Bauern der Gegend mit festem Geländer umrahmen, weil vier aneinandergebundene Heubäume den Grund nicht erreichen; auch nie jemand gerettet werden kann, der hineinzufallen das Unglück haben sollte.

In alter Zeit hauste auf jenem Schloß ein Graf, unbändig und wild, nur von dem Raub lebend, den er den aus oder nach Thüringen ziehenden Kaufleuten abgejagt hatte. Aber er blieb nicht bloß bei den Kaufleuten, sondern überrumpelte auch andere vorüberziehende Herren und zog dann mit seiner Beute wieder hinter die festen Mauern seiner Burg zurück.

So nahm er einst den Abt von Fulda mit mehreren Begleitern gefangen und entließ ihn erst gegen großes Lösegeld. Nach seiner Befreiung eilte der Abt an den Hof des Kaisers und verklagte den Raubritter wegen Landfriedensbruch. Der Ritter erhält von der ihm drohenden Gefahr Nachricht, nimmt plötzlich eine andere Miene an, schickt eine Gesandtschaft an den Abt und läßt ihn gleichsam zu einem Versöhnungsfest auf seine heimatliche Burg einladen. Inzwischen aber läßt er die Decke des großen steinernen Saales seines Schlosses ablösen und eine bewegliche aus Eisen anbringen.

Der Abt nimmt die Einladung zu dem Versöhnungsfest an und erscheint am bestimmten Tag mit einer nicht geringen Anzahl seiner Herren, und guten Mutes wird in dem steinernen Saal ein Versöhnungsmahl eingenommen.

Gegen Mitternacht entfernt sich der rachedürstende Ritter, schlägt mit großer Heftigkeit die schwere Eisentür des Saales zu, daß sich alsbald die schwebende Decke aus ihren Angeln hebt und die unten sitzenden Herren samt dem Abt mit einem Schlag unter furchtbarem Krachen zerschmettert.

Nachdem der Graf seine Rache gekühlt hat, sieht er die schwere Schuld samt ihren Folgen vor Augen, sattelt noch in derselben Nacht sein Pferd und stürzt mit diesem in den am Fuß des Berges liegenden Abgrund. Niemals konnte wieder eine Spur von ihm gefunden werden.

 


 

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