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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 966
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Trautberg bei Hafenlohr

Zum Stiftungsgut des vormaligen Klosters Neustadt am Main gehörte auch der Trautberg bei Hafenlohr, ein dichter Laubwald, in dessen dunklem Schatten das Säuseln der Winde geheimnisvoll widerhallt und in eine wehmütige Gemütsstimmung versetzt und dessen nördliche und östliche Abdachung mit einer gewissen Scheu von den Leuten der Umgegend betreten wird. In diesem Berg hausen die Ritter von der Tafelrunde und harren auf ihre Erlösung.

Mitte des neunzehnten Jahrhunderts befand sich ein Knabe in Hafenlohr, der öfters Erscheinungen dieser geisterhaften Ritter hatte. Während des Schulunterrichts oder auch auf dem Kirchenweg geriet er plötzlich in eine Art Verzückung und erhöhter Geistestätigkeit, aus der er erst nach einiger Zeit wieder zur Besinnung kam. Auf Befragen, was mit ihm vorgegangen sei, erwiderte der Knabe, es sei ihm gewesen, als werde er in der Luft fortgetragen, in einen Wald, der nach seiner Aussage der Trautberg gewesen sei; plötzlich hätte sich der Berg geöffnet, er sei in mehrere prächtige Zimmer geführt worden; in einem davon seien um einen runden Tisch zwölf bärtige Ritter in glänzender Rüstung gesessen, die den Knaben freundlich anredeten und ihm eröffneten, es werde ein großer Krieg entstehen, wobei Kaiser Karl wieder mit seinem Gefolge auftreten und das Deutsche Reich befreien werde; die Ritter gaben dem Knaben auch Ermahnungen zu Tugend und Gottesfurcht, worauf dieser sich wieder entfernte und nach seinem Erwachen den Leuten die gehabte Erscheinung erzählte.

Weil der Knabe aber durch seine Erzählungen die Aufmerksamkeit der geistlichen und weltlichen Obrigkeit auf sich gezogen hatte, wurde er gerichtlich zu Protokoll vernommen, worüber sich die Akten beim Landgericht Rothenfels befunden haben.

 


 

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