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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 954
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Richard Löwenherz

Von K. Simrock.

    Der Wächter
an der Zinne
Diese Weis' und immer
diese Tag und Nacht
Singt der König im Verliese,
Bis der Morgen lacht.
Sieh, schon durch des Schwarzwalds Forchen
Blickt sein Strahl,
Seinem Winke zu gehorchen
Eilen Berg und Tal;
Möcht' er dem die Freiheit bringen,
Der mit schwindem Schwertesschwang
Weiß die Heiden zu bezwingen
Und die Herzen mit Gesang.
Blondel Löwenherz, von dir erfundnen
Liedeston
Sang ich nun am vielgewundnen
Rheine lange schon.
Dich mit Liedern auszuforschen
Nicht gelang,
Nie erwidern mir die morschen
Türme den Gesang.
Horch doch, ist es nicht die Weise,
Die von jener Zinne dringt?
Fiel sie hier so tief im Preise,
Daß sie schon der Wächter singt?
Wächter Der da unten mit der Zither
Schleicht einher,
Mehr ein Sänger als ein Ritter,
Was ist sein Begehr?
Horch, die Töne sind es wieder,
Täuscht mich's nicht,
Die so gern in seine Lieder
Der Gefangne flicht.
Einverstanden mit dem Helden
Mag der schlaue Fremdling sein:
Soll ich ihn mit Blasen melden?
Pflicht wohl wär's, doch herbe Pein.
Richard Singen lehrt' ich Wand und Sprache
Dieses Lied,
Seit des Österreichers Rache
Mich von Menschen schied.
Nach von unten, nach von oben
Klingt es hold,
Wie zum Wettgesang erhoben
Um den Ehrensold.
Dort der Wächter; wär's mein treuer
Blondel, der mir unten sang,
Kläng' es wohl mit anderm Feuer;
Freiheit ist der schönste Klang.
Blondel Bist du's, Richard, Herz des Leuen?
Heil dir, Held!
England ließ sich nicht gereuen
Schweres Lösegeld.
Immer konnte man dich milde,
Gütig schaun,
Männer boten Helm und Schilde,
Ring und Schmuck die Fraun.
Sieh, des Reiches Brief und Siegel
Gab mir Kaiser Heinrichs Macht,
Ungewiß, wo Österreichs Riegel
Dich verborgen hielt in Nacht.
Richard Blondel, Bruder! Reich und Krone
Dank ich dir,
Aller Frauen Schönste lohne,
Was du tust an mir.
Blondel Deines Volkes Lieb und Treue
Dankst du sie,
Deiner Milde, die ihr neue
Kraft und Fülle lieh.
Wächter Und mich dünkt, des Lobs gebührte
Auch der Weise wohl ein Korn,
Die euch hier zusammenführte:
Fröhlich stoß' ich nun ins Horn.

 


 

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