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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 949
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Teufelsbrunnen

Zu Einöd wohnte einmal ein reicher Bauer, dessen Hochmut aber noch viel größer als sein Reichtum war. Der hatte eine wunderschöne Tochter, auf die alle Burschen der Gegend ihre Augen richteten. Denn wenn ein Mägdlein nicht nur mit Geld und Gut, sondern überdies mit Schönheit geziert ist, da fehlt es nicht an Schützen, die nach so einem Goldvöglein zielen. Allein die Jungfrau machte sich aus all den Freiern wenig, denn sie hatte ihr Herz schon einem Jüngling verschrieben, der zwar nur der Sohn eines armen, alten Schäfers, aber der bravste und wackerste Bursche in der Gegend war.

Weil aber der Martin arm war, so wollte der Vater Marias nichts von der Heirat wissen; ja von dem Augenblick, da er die Wahl seiner Tochter erfahren hatte, ließ er der Armen weiter keine Ruhe, zankte und schmähte sie, schalt und tobte so lange, bis sich der gute Martin entschloß, der Maria zuliebe das Dorf zu verlassen und in die Fremde zu wandern und so allen Argwohn des Vaters niederzuschlagen. Er hoffte nämlich in der weiten Welt sein Glück machen zu können und bald als ein wohlhabender und ansehnlicher Bursche vor dem mammonsüchtigen Alten erscheinen zu können. Also machte er sich auf, gelobte seiner Zukünftigen nochmals Liebe und Treue; wohingegen Maria den Schwur tat, daß sie dem Teufel verfallen wollte, wenn sie ihrem Martin nicht treu bliebe. Darauf zog dieser getröstet fort in die Fremde und ließ sich beim kaiserlichen Heer anwerben.

Für Maria kam eine traurige Zeit, sie weinte oft Tag und Nacht und hielt sich einsam und zurückgezogen von ihren Gespielinnen.

So vergingen etliche Monate, da saß sie eines Tages an ihrem Fenster und arbeitete, als ein stattlicher Reiter – es war der Sohn des Burgvogtes von Zweibrücken – im Galopp die Straße heraufritt, seine Augen nach dem Fenster Marias gerichtet. Allein in demselben Augenblick, als ihn Maria erblickte, bäumte sich das Roß des Jünglings und warf diesen mit einem Satz auf den Boden herab. Alles lief zusammen, dem Unglücklichen beizustehen. Man trug ihn ins nächste Haus, es war das, wohin der Jüngling seinen Blick gerichtet hatte. Sogleich gebot der Vater Maria, den Verwundeten mit aller Sorgfalt zu pflegen, wozu es für die herzensgute Maid nicht einmal des Befehls bedurfte.

Mehrere Wochen lang mußte der Kranke im Haus zu Einöd verbleiben, Maria war ihm wie ein Engel zur Seite gestanden. Obwohl er nun vollkommen hergestellt war, glaubte er doch das Haus nicht mehr verlassen zu können, denn sein Herz hing an Maria, und auch Maria fühlte sich zu dem Jüngling hingezogen. Wohl mahnte sie der Schwur, den sie dem Martin getan hatte; aber leider trug die Macht des Augenblicks den Sieg über die Treue davon, und Maria wurde die Verlobte des Zweibrückers.

Wenige Tage darauf kam Martin vom kaiserlichen Heer zurück. Wie ein Donnerschlag traf ihn die Nachricht von dem, was vorgegangen war. Außer sich vor Zorn verschwand er zur selben Stunde. Niemand wußte, wohin er den Weg genommen hatte.

Indessen gab es im Haus Marias Vorbereitungen auf den Hochzeitstag. An diesem Tag selbst ging es natürlich recht lustig zu. Maria tanzte mit einer Ausgelassenheit, als wenn sie niemals um einen Martin Tränen vergossen hätte. Es war Mitternacht, als sich die Tür öffnete und zwei fremde, nie gesehene Jägersburschen in den Saal eintraten. Man nahm sie, wie das bei Hochzeiten immer der Fall ist, gastfreundlich auf und lud sie zum Tanzen ein. Das ließ sich der eine, ein Kerl mit blitzenden Augen und rabenschwarzem Haar, nicht zweimal sagen, während der andere, mehr sanften, aber düsteren Aussehens, den stummen Zuschauer machte.

Kaum hatte aber der Rabenschwarze die Braut erfaßt, als sich im ganzen Saal ein Schwefelgeruch verbreitete und alle Anwesenden ein unwillkürliches Grauen vor dem Fremden befiel. Indessen flog der Jäger mit seiner Tänzerin immer rascher im Kreis herum, bis daß ihr der Atem ausging und der Angstschweiß in dicken Tropfen über die Stirn lief. Da scholl ein höllisches Gelächter im Saal. In demselben Augenblick ergriff der rasende Tänzer auch den anderen Jäger, riß diesen mitsamt der Braut noch einmal im Kreis herum und fuhr dann wie der Blitz mit beiden zum Fenster hinaus, so daß die Scheiben klirrend auf die Straße flogen.

Entsetzliches Weh erfüllte die Luft, der Teufel hatte Maria samt ihrem Martin – der sich ihm verschrieben hatte – wirklich geholt.

Am anderen Morgen fand man drüben auf der Wiese am Berg ein Wasserloch von unergründlicher Tiefe, in dessen Umkreis alles Gras wie vom Feuer verzehrt war. Da war der Teufel mit seiner Beute hineingefahren, daher hat das Loch den Namen Teufelsbrunnen davongetragen. Das Fenster, durch das der Böse den Weg genommen hatte, blieb vermauert bis auf den heutigen Tag.

 


 

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