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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 946
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Fräulein vom Wilenstein

Zwei Stunden von Kaiserslautern entfernt liegt das Dorf Trippstadt, in dessen Nachbarschaft am Ausgang des herrlichen Karlstals sich die Ruinen der Burg Wilenstein erheben, die ehemals ein Besitztum der Familie von Flersheim gewesen ist. Von dieser Burg geht unter den Bewohnern der Gegend die folgende Sage.

Ein stattlicher Jüngling – man wußte nicht, von wo er gekommen war – verdingte sich in der Nähe des Wilensteins zu einem Schäfer. Seine Schönheit und sein edles Wesen brachten ihn bald in das Gerede der Leute, denn er war kein Schäfer oder Knecht vom gewöhnlichen Schlag.

Auch das Töchterlein des Ritters von Flersheim vernahm die seltene Kunde. Sie war neugierig, den Hirten kennenzulernen. Da führte sie der Zufall eines Tages in die Nähe des Jünglings, als dieser ins Gras gestreckt bei seinen Schafen eingeschlafen war. Kaum dachte sie bei sich: Das ist er, so erwachte der Jüngling. Scheu flüchtete das betroffene Fräulein von dannen, aber das Bild des Schäfers wollte sie nicht mehr verlassen. Noch manchmal traf sie auf ihren Spaziergängen mit dem Jüngling zusammen und redete wohl auch ein freundliches Wort mit ihm. Bald glühten zwei Herzen von einem stillen Feuer, während sich keines dem anderen zu vertrauen wagte.

Indessen wurden alle ritterlichen Bewerber um die Hand des schönen Fräuleins abgewiesen. Niemand konnte begreifen, warum die Jungfrau den schönsten und tapfersten Männern abhold wäre. Endlich drang der Vater in sie, sich zu entscheiden und einem der edelsten Ritter, der um ihre Hand anhielt, das Jawort zu geben. Es war ein harter Kampf. Schwankend, doch gehorsam, folgte sie. Als sie aber wie gewöhnlich hinausging auf den Söller, nach dem Hirten umzusehen, der alltäglich die Schafe vor ihren Augen weidete, trieb ein anderer die Herde. Auf ihre Nachfrage vernahm sie, daß ihn ein stilles Leid unter die Erde gebracht habe.

Es war ein Donnerschlag für die Arme. Leichenblaß wankte sie zu einem Klausner im Wald, sich Trost zu erbitten. Auf einem Steg, über den sie schreiten wollte, sank sie betäubt ins Wasser.

Als der Ritter auf Wilenstein das unglückliche Schicksal seiner Tochter erfuhr, wollte er den im Leben Getrennten wenigstens nach dem Tod ein Denkmal der Erinnerung weihen. So ließ er bei der eine Stunde von Trippstadt in Richtung Kaiserslautern entfernten Aschbacher Höhe ein Kirchlein erbauen und dahinein die Bildnisse der Liebenden (nach einer Mitteilung nur Flöte und Stab des Hirten) bringen, wo sie der Wanderer noch heutzutage sehen soll.

 


 

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