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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 893
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Westerholz

Die Befestigungsspuren im Westerholz, das sich zwischen dem Dorf Kaufering und dem alten Ritterschloß Haltenberg ausdehnt, nennen die Leute »Burggräben«, und sowohl der Name als diese Gräben selbst weisen auf eine alte Burg hin. Das Volk sagt, hier sei vormals ein Schloß gestanden, das versunken ist. Deshalb habe man schon öfter Weiße Burgfräulein gesehen, und Leute, die zur Nachtzeit vorübergehen mußten, haben allerlei Spuk wahrgenommen.

Hochbetagte Leute erzählen noch, wie einmal ein Mann aus Kaufering zur Nachtzeit vorbeigegangen sei und am Eingang in diese Verschanzungen drei weißgekleidete Fräulein gesehen habe, die ihm bedeuteten, er solle hereinkommen. Der Mann aber sei mutlos geworden, habe Fersengeld gegeben und sei voll Angst nach Hause gerannt.

Ein anderer Mann aus Scheuring soll ebenfalls die Erscheinung eines solchen Fräuleins gehabt haben, dieser aber nicht gefolgt sein, sondern sich mit dem Spruch entfernt haben: »Alle guten Geister loben Gott den Herrn; was ist dein Begehren?«

Dieser Mann hatte sich nämlich eines früheren Vorkommens erinnert, wo ein Vorübergehender von dem Fräulein in die Burg gelockt worden sei, viele wunderbare Dinge gesehen hätte und mit Geld beschenkt worden wäre. Schwer beladen sei der Mann nach Hause gezogen, aber am anderen Morgen habe er in der Kiste, in der er dieses Geld aufbewahrte, nichts als dürres Laub gefunden. Dieses Fräulein soll bei den Burggräben am westlichen Saum des Waldes, nicht fern vom Lechfluß, vorbeigegangen sein.

Auf einer anderen Seite des Westerholzes aber, in südöstlicher Richtung, die ehemals von einer Straße durchschnitten worden ist, die von Landsberg gerade nach Friedberg führte, nun aber bloß mehr als Feld- und Holzweg benützt wird, hat man auch schon seltsame Dinge wahrgenommen. Hier steht am Eingang in den Wald, neben dem sogenannten Lechweg, eine Martersäule, die vor mehr als hundert Jahren schon zum Andenken an einen grausamen Mord gesetzt worden sein soll. Da erzählen nun alte Leute, daß hier ein unterirdischer Gang laufen müsse, weil man schon öfter unter der Erde ein großes Geröll – bald wie das Rauschen eines Stroms, bald wie das Knarren eines schweren Wagens oder auch wie das Getön eines Donners – gehört hat. Es ist schon lange her, daß einige Männer von Kaufering in ihr Dorf zurückkehrten und erzählten, wie sie dieses Getöse vernommen hätten. Ein beinahe achtzigjähriger Mann behauptete, er habe auch solches Geräusch gehört, und unter ihm sei der Fußboden gewankt.

 


 

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