Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 869
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
Schließen

Navigation:

Der schwäbische Herkules

Im Dorf Bechingen lebte im vorigen Jahrhundert ein überaus starker Mann. Vieles erzählt man sich beim Lampenschein der winterlichen Spinnstube von seinen Taten.

Einmal war er in einem württembergischen Dorf Knecht und bekam mit seinem Bauern Streit, und als dieser fluchend auf ihn eindrang, ergriff er ihn bei der Gurgel und warf ihn zur Scheune hinaus. Der wütende Bauer rief nun nach den Nachbarn, die auch anrückten, doch der mannhafte Knecht trieb sie am selben Tag mehrmals in die Flucht, schnitt immer wieder ruhig sein Futter weiter und legte sich abends im wohlverschlossenen Stadel schlafen.

Am Morgen erneuerten die Bauern den Angriff in vergrößerter Anzahl und litten endlich Sturm und schrien, wie es in württembergischen Dörfern, wenn man einen prügeln will, Sitte ist: »Uf ihn, uf ihn, er ist von Ulm!«

Der Pfarrherr kam auch und wollte vermitteln, doch eben machte der Bechinger mit einem gewaltigen Prügel einen Ausfall, warf viele zu Boden, prügelte manchen und trieb die übrigen in die Flucht, so daß ihm um die eigene Haut bangte und er sich im Stall versteckte. Der Knecht aber packte seine Habseligkeiten zusammen, zündete seine Tabakspfeife an und ging ganz ruhig zum Dorf hinaus der Heimat zu und verdiente dort sein Brot.

Damals war auf den Kopf des sogenannten »bayrischen Hiasls« ein bedeutender Preis gesetzt, doch der Hiasl war um seiner Stärke willen weit und breit gefürchtet, und niemand getraute sich an ihn. Nun erblickte ihn unser Bechinger einmal im Holz bei Obermedlingen, und zwar ohne den Hund Tiras; schnell ging er auf ihn zu, und ehe Hiasl noch zu den Waffen greifen konnte, hatte ihn der Bechinger zu Boden geworfen und wurde nach verzweifelter Gegenwehr über den Hiasl Herr und wollte ihm eben ganz ordentlich die Hände auf den Rücken binden, als er durch den Waldweg die Gesellen des Hiasls heraneilen sah und zu gleicher Zeit der Gebundene grimmig um Hilfe brüllte.

Da dachte der Bechinger an das, was ihn immer abgehalten hatte Soldat zu werden, nämlich, daß er nicht hieb- und kugelfest sei; er flüchtete in das Holz und entkam auch glücklich jeder Verfolgung, war aber erst aus aller Angst, als der Hiasl in Dillingen hingerichtet wurde, wobei er gemütlich zuschaute. Er ließ sich hierauf – wer sollte es glauben? – zu Bechingen als Webermeister und Taglöhner nieder, und würde er nicht längst schon im Reich der Toten wandeln, könnte er noch seine Abenteuer mit den Revolutionsmännern im Franzosenkrieg, deren er eine Menge erlebt haben soll, selbst erzählen.

 


 

 << Kapitel 868  Kapitel 870 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.