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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 849
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Kreuz auf dem Hesselberg

Von Adalbert Müller.

            Am Hesselberge im Frankenland
Vorzeiten ein ehern Kreuzbild stand.
Das blinkte gleich einem Sterne
Hinab in Tal und Ferne.

Im Winter, durch hartgefrornen Schnee,
Stieg einst ein Mägdlein heran die Höh'
Und setzte sich, müd und müder,
Zur Rast am Kreuze nieder.

Und wie sie ins Tal hinunterschaut,
Zum Dörfchen, am Bergeshang erbaut,
Da wird es vor Leid und Schmerzen
Ihr bitterweh im Herzen.

Denn in den Häusern und Häuschen all
Bereiten die Frauen das Vespermahl;
Der Speisen würzige Düfte
Verdampfen in die Lüfte.

Und ach, des Mütterchens Herd allein
Erhellt nicht der Flammen falber Schein;
Kein Rauch entqualmet dem Schlote,
Des regen Feuers Bote.

»O weh!« so jammert, so ruft sie aus.
»Lieb Mütterchen liegt mir krank zu Haus;
Sie stöhnt und möchte verzagen
Vor Frost auf hartem Schragen.

Noch hat kein Süpplein sie heut erquickt;
O wie sie schmachtet und leidend blickt!
Und ich, der Siechen zur Labe,
Nur Tränen – Tränen habe.

Ach, ob ich klagte und ob ich bat,
Doch keiner – keiner geholfen hat;
Will denn der Witwen, der Armen
Sich niemand mehr erbarmen?

Doch ja«, – und sie schaut zum Kreuz empor,
»Hier oben hört mich des Helfers Ohr;
Es steht meinem Jammer offen –
Auf Christus will ich hoffen.

Du heiliger, benedeiter Gott,
Laß nicht, o Vater, in dieser Not
Lieb Mütterchen mir verderben,
Lieb Mütterchen mir sterben.

Du bist des Erbarmens ew'ger Quell,
Der Born der Liebe fließt reich und hell;
Ein Tröpfchen auf ihre Wunden,
Und Mutter wird gesunden.«

Und sieh – urplötzlich aus starrem Eis
Erhob sich ein maiengrünes Reis,
Mit rosigem Strahle glühten
Am Kreuzesstamm die Blüten.

Die Kleine labt sich am Wunderstrauch
Und schlürfet entzückt den Balsamhauch
Und bricht, die Mutter zu trösten,
Ein Zweiglein von den Ästen.

Und eilet heimwärts mit flücht'gem Schritt,
Und wie sie ins dunkle Stübchen tritt,
Da glänzt mit der Sonne Blenden
Der Zweig in ihren Händen.

Die Mutter verläßt der Schmerz zur Stund',
Sie fühlt sich erstarkt – sie ist gesund;
In heißem Gebete loben
Sie den Erretter oben.

Das Mägdlein pflegte mit treuem Fleiß,
Mit zarter Liebe das Wunderreis;
Da war der Himmlische Segen
Fortan auf ihren Wegen.

 


 

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