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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 847
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Lied vom Pappenheim

          Hascha, wen sieht man dort reiten?
Was muß doch dieses bedeuten?
Haben alle lange Stangen,
Was werden sie nur damit anfangen?
Krumme Degen an der Seiten;
Wollt' auf mein Eid raten
Das sind die Krabaten;
Auch der General Heimpappen,
Ich tu ihn wohl kennen,
Seht, wie er tut rennen
Auf seinem schönen Rappen;
Mit ihm reit't der Scharnbacher,
Seine Reiter hinter ihn nachher;
Es wird setzen grobe Kappen.

Hascha, es sind ihr' viel hundert,
Mit Copin durchrennet, daß mich wundert,
Wo tut bleiben heut unser Wundsegen;
Drum sind sie also ganz verwegen,
Die schießen all zu, daß's donnert.
Dem Jodel, dem Becken,
Im Rücken tut stecken
Ein Spieß, ist abgebrochen.
Der Hauptmann, der Jäger,
Auch seine zween Schwäger
Seind neben viel andern erstochen.
Das tut der Pappenheim ausrichten,
Wir müssen all trachten und dichten,
Daß wir's an ihm tun rächen.

Hascha, hier müssen wir weichen,
Wir wollen's drum nit verzeihen,
Dem Pappenheim und den Krabaten,
Das seind die rechten Teufelsbraten,
Die wir wöllen erreichen,
Ja alles vergeben,
Die wütigen Löwen,
Die seind schon unter ihnen.
Die Unsern verzagen,
Die Ihren nachjagen,
Kein Teufel kann ihnen entrinnen.
Reicher Christ, dich unser erbarm,
Zu helfen uns, streck aus dein Arm,
Weil wir jetzt nit mehr können.

Hascha, dort kommt der unsinnig
Von Pappenheim geritten ganz grimmig,
Rennt über alle Zäun' und Gräben,
Daß ihm gleich die Haar aufstäben,
Stellt sich, als wär' er winnig.
Kein Prügel, kein Stecken
Will gegen ihn klecken,
Noch unsere Kolben spitzig,
Kein Büchsen, kein Degen,
Auch gar der Wundsegen,
Er sei selbst ganz der leidige Teufel,
Seht, wie er dreingeht hitzig.

Hascha, ich sag' noch und zweifel,
Ob das nicht seind lauter Teufel,
Die herkommen aus der Höllen,
Zu denen sich Pappenheim tut gesellen.
Weil ihr ein so kleines Häufel,
Sich gegen uns wagen,
Die meisten erschlagen.
Uns auf den Fuß nachziehen,
So schrecklich sich wehren,
Daß ich doch tät' schwören,
Sie müssen sich alle verkriechen.
Die wir hielten schlecht und wenig,
Machen uns ihnen untertänig.
Müssen sich fürchten und flichen.

Hascha, ihr lieben Spießgesellen,
So wir nit alle heut sterben wöllen,
Laßt uns laufen zum Pappenheim,
Wenn sein Herz wär' Eisen und Stein.
So wir's ihm recht erzählen,
Und ihm fallen zu Füßen,
Schön bitten wir müssen;
Daß er uns wölle vergeben
Was wir sie verbrachten,
Und täten stets trachten
Nach seines Vaters Leben.
Was wir tun, das weiß wohl er
Und gilt auch viel bei dem Kaiser;
Wir wöllen ihm uns ergeben.

Hascha, der Pappenheim gütig
Wir seinen Herrn Vater demütig
Bitten, er woll' sich erbarmen,
Unserer Weiber und Kinder armen,
Die zaghaft und kleinmütig.
Die Straf nit mehr denken,
Das Leben uns schenken,
Beim Kaiser uns versöhnen,
Wöllen ihn gar gern
Für unseren Herrn,
Solang wir leben, erkennen,
Wenn er wiederum woll' einstellen,
Denen, die uns töten wöllen,
Das Morden, Rauben und Brennen.

 


 

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