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Gutenberg > Alexander Schöppner >

Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 829
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Kaiser Adolfs Tod

Von Laurian Mooris

                  Es neigte sich der Tag;
Ein nebeliges Grau
Umfloß das Abendrot,
Umschwamm der Lüfte Blau;
Des Sturmes Fittich zog
In flatternden Gestalten,
Und immer mehr sah man
Die Schwingen ihn entfalten.

Dann Donner fürchterlich –
Und Blitze kreuz und quer
Durchzischten hell die Luft,
Als ob es Morgen wär'.
Die Vögel flogen wild,
Sich bergend in den Rissen
Des nahen Rosentals
Vor Wind und Regengüssen.

Drin saß Imagina
Still betend am Altar,
Verworr'n und aufgelöst
Flog um den Hals das Haar.
Die Blicke unverwandt
Zur Mutter mit dem Kinde,
Vergaß im heißen Flehn
Sie Donner, Blitz und Winde.

Und harrend des Gemahls
Ward trüber stets ihr Blick,
Gen Albrecht zog er heut
Und ließ sie hier zurück.
Das galt ein hartes Wort –
Das Schwert in ihrer Rechten
Wollt' sie zur Seite ihm
Des Reiches Glück verfechten.

Da nun der frühe Tag
Zum Kampf den Kaiser trieb
Und sie, auf sein Geheiß,
Ihn hier erwartend blieb –
Da hat ein langer Gram
Den freien Blick umhüllet,
Ein dunkles Ahnen ihr
Das reine Herz erfüllet.

Des Sturmes Wüten sank!
Der Mond mit bleichem Licht
Umgab das weite Land
Mit freundlichem Gesicht.
Da schwankt Imagina
Heraus zum Kirchportale
Und schaute in die Fern',
Und lauschte in die Tale.

Und durch die Föhren drang's
Wie rascher Pferde Tritt,
Und schnaufend näher kam's
Wie von zu langem Ritt.
Dann winseln hin und her
Wie von verlass'nen Hunden,
Die auf gerochner Spur
Den Herrn noch nicht gefunden.

Als sie zur Quelle kam,
Die von dem Hügel floß,
Schoß dicht an ihr vorbei
Ein reiterloses Roß;
Zwei Bracken ihm zur Seit'
Mit kreischendem Gehetze,
Zernagend in der Wut
Des Sattels lang Gefetze.

Ein greller Schrei entfuhr
Der ahnungsvollen Brust,
Und hin zur Erde sank
Imag'na unbewußt.
Es war des Kaisers Roß,
Verfolgt von seinen Hunden,
Die bei des Reiters Sturz
Vom Schlachtgewühl verschwunden.

Denn als nach langem Kampf
Der tapfre Adolf fiel,
Entfloh sein wildes Roß
Wohl ohne End' und Ziel;
Die Bracken hetzen drein,
Das rasche Tier zu lähmen,
Das ohne seinen Herrn
Versucht' die Flucht zu nehmen.

Und als zu neuer Qual
Erwacht Imagina,
Da stand das treue Paar
Bang winselnd vor ihr da
Und sprang wohl lockend hin
Zum Weg, den es gekommen,
Und klagend dann zurück –
War sie nicht nachgekommen.

Sie folgte! – Es lag still
Besternt und lau die Luft,
Als wär' die Erd' ein Sarg
Der großen Weltengruft.
Sie folgte – Gott, als läg'
In diesem Sarg ein Leben,
Das selbst der Himmel nicht
Ihr könnte wiedergeben.

Jetzt Trümmer argen Kampfs –
Ein Rumpf dort – hier ein Bein,
Dort Flehen um den Tod –
Hier um das Leben Schrein.
Die Hunde heulten bang,
Den finstern Weg sich bahnend,
Wie oft des Nachts sie's tun
Den Tod des Nachbars ahnend.

Dann standen sie verzagt,
Sich nähernd allgemach,
Wo an des Feindes Brust
Der tote Kaiser lag.
Da ihn zum letztenmal
Durchfuhr ein krampfhaft Recken,
Versuchten mit Gebell
Sie froh ihn aufzuwecken.

Er schlief den langen Schlaf,
Noch in der Faust das Schwert,
Das sich in mancher Schlacht
So stark und treu bewährt.
Imag'na starb vor Gram.
Tot – mit den treuen Hunden –
Hat man sie eines Tags
Auf Adolfs Gruft gefunden.

 


 

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