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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 828
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Königskreuz

Von Franz Weiß.

        Dort bei Göllheim auf dem Felde
Schon seit langer Jahre Raum,
Von dem Blitze halb zerschlagen,
Steht ein alter Rüsterbaum.
Trauernd ruht in seinem Schatten
Eines Kreuzes steinern Bild,
Drauf die Zweige wie zum Schutze
Sich herniederbeugen mild.

Wohl bedeutsam ist die Stätte,
Die ein solches Zeichen schmückt,
Das nur selten, wo die Freude
Sich gebettet, wird erblickt.
Ward ein Mord einst hier begangen,
Oder birget wen das Grab,
Dem des Freundes Hand ein Zeichen
Seiner treuen Liebe gab?

Glüh'nde Strahlen wirft die Sonne
Nieder in des Tales Schoß,
Wo zur Ernte reif die Saaten
Harren rüst'ger Schnitter bloß.
Aber an den Hügelhängen
Hat der Herrscher Machtgebot
Andre Saaten aufgepflanzet,
Deren Schnitter ist der Tod.

In dem bergumkränzten Tale,
Hei, wie braust die laute Schlacht,
Heute gilt es Kron' und Leben,
Messen will sich Macht an Macht.
Mördrisch treffen sich die Heere,
Und in heißer Kampfesglut,
Achten sie nicht ihrer Wunden,
Kargen nicht mit ihrem Blut.

Lange schwankt des Sieges Waage,
Immer wilder tobt der Streit;
Jeder ist zum Heldentode
Wie zum Siege gleich bereit.
Ob auch ganze Scharen sinken,
Hingemäht vom scharfen Schwert,
Dennoch furchtlos stehn die Kämpfer,
Alle höchsten Ruhmes wert.

Und der Kaiser, kampfbegierig,
Sprenget vor auf hohem Roß,
Östreichs falschen Herzog suchend
In der Streiter dichtem Troß.
»Heute wirst du nicht entrinnen,
Wie du, Feiger, oft getan,
Reich und Leben sollst du lassen
Hier zur Stund'!« ruft er ihn an.

Und mit hochgeschwungnem Stahle
Dringt der Kaiser auf ihn ein;
Jener steht in kalter Ruhe,
Unbekümmert um sein Dräun;
Hebt das Schwert zum Todesstreiche,
Der vernichtend niederfährt
Und den todeswunden Kaiser
Niederschleudert von dem Pferd.

Mittag war's; im nahen Kloster
Schlug die Glocke zwölfmal an,
Als der hochgesinnte Kaiser
Endete die Heldenbahn.
Unter Rosseshufen liegend
Und mit Staub und Blut bedeckt,
Ward die kaiserliche Leiche
Nach der Mordschlacht spät entdeckt.

Dort bei Göllheim auf dem Felde,
Wo geflossen Kaiserblut,
Steht ein steinern Kreuz in eines
Alten Rüsterbaumes Hut.
Schattend neigen sich die Zweige
Auf des Helden Totenmal,
Leise schauernd, wenn des Frühlings
Lüfte wehen durch das Tal.

 


 

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