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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 819
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Drei Züge

Bergmannssage vom Lemberg an der Nahe.

Es war einmal vor vielen Jahren ein Ritter auf der Ebernburg, der hatte all sein Hab und Gut durchgebracht, daß er mit Weib und acht Kindern hungern mußte. Das ging ihm schwer zu Herzen.

Da ging er einst auf den Lemberg in den Wald und sah auf einem Baumstrunk einen sitzen, der ihn hell verlachte, weil er so betrübt aussah. Der arme Ritter wurde grimmig und drohte mit dem Bogen, aber der Geselle lachte nur ärger. Der Ritter zielte und schoß. Der andere aber stand auf, warf ihm den Pfeil zurück und sagte: »Ihr seid ein schlechter Schütze, gebt mir Euren Bogen her.«

Dem Ebernburger wurde etwas unheimlich, doch reichte er den Bogen hin. Jener nahm eine rote Hahnenfeder vom Hut, legte sie auf, schoß aufs Geratewohl in den Wald hinein, und ein mächtiger Rehbock stürzte getroffen zusammen.

»Füttert Eure hungernden Würmer damit!« sagte der seltsame Schütze. Der Ritter stand kreidebleich und war keines Wortes mächtig. »Wollt Ihr den Bock nicht?« sprach jener. »Sagt's nur, so mag er wieder davonlaufen. Soll ich Euch helfen?«

»Ja, hilf, wenn du kannst!« rief der Ebernburger wie betört.

»Ich weiß eine Quecksilberader«, sprach der Unheimliche, »die kann Euch zum reichen Mann machen, aber ich muß etwas dafür haben.« Er griff ins Gras, rupfte drei Halme ab und fuhr fort: »Da sind drei Züge; tut einen davon. Zieht Ihr den großen Halm, so seid Ihr selbst mein eigen; zieht Ihr den mittleren, so ist's Euer Weib; zieht Ihr den kleinsten, so sind's Eure Kinder.«

Dem Ritter schwindelte, denn er wußte nun, wen er vor sich hatte; und doch zog es ihm ordentlich die Hand zu den drei Halmen. Schon berührte er sie, da zuckte er zusammen und rief: »Heiliger Gott, erbarme dich mein!«

Da tat's einen Donnerschlag, daß der ganze Lemberg zitterte, der Ritter bekam eine so gewaltige Maulschelle, daß er trillte und wie ein Kreisel den Berg hinunterflog. Als er wieder zur Besinnung kam, lag er unten bei seinem verpfändeten Dörflein Feil.

Er faßte indessen Mut, ging in den Wald zurück und fand richtig den alten Baumstrunk wieder, aber weder den mit der Hahnenfeder noch den toten Rehbock dabei. Die Stelle merkte er sich wohl, nahm am anderen Tag Bergleute von Bingert mit, grub nach und fand die reiche Quecksilberader. Die Grube verkaufte er dem Rheingrafen vom Stein um schweres Geld. Sie heißt heute noch die Drei Züge.

 


 

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