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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 818
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die Brautfahrt

Mit dem Erzbischof von Mainz lebten die Herren von Montfort in Fehde, darum auch mit ihrem Nachbar, dem Rheingrafen vom Stein, einem Bundesgenossen des Erzbischofs. Mit dem Ritter von Böckelheim aber, einem Freund derer auf dem Stein, stand ein Montforter in guter Freundschaft. Bei diesem sah er die Tochter des Rheingrafen, und es knüpfte sich ein Liebesbündnis, das natürlich geheimgehalten werden mußte. Aber des Fräuleins Vater, der davon nichts ahnte, sagte seine Tochter dem Rheingrafen von Grehweiler zu, und der Hochzeitstag wurde anberaumt. Den Liebenden war schlimm zumute, doch der Böckelheimer tröstete sie und versprach zu helfen.

Der Hochzeitstag kam, die Vermählung aber sollte auf dem Schloß zu Grehweiler gefeiert werden. Der Böckelheimer war auch geladen. Der gab dem frommen Pferd, das die Braut gewöhnlich ritt und das sie auch heute zu ihrem Bräutigam tragen sollte, heimlich ein Pülverlein, daß es erkrankte und unbrauchbar wurde. »Schickt nach meiner Burg«, sprach er, »und laßt den Zelter meiner Schwester holen; er geht sanft und ist lammfromm.«

Gesagt, getan. Das Pferd kam, war aber das des Ritters von Montfort, das den Weg von der Alsenz nach Hause gar wohl kannte. Es trug die Braut immer eine Strecke voraus, und an der Mühle, wo der Weg gegen Montfort abbiegt, flog es plötzlich mit seiner schönen Last windschnell davon. Der ganze Zug natürlich eiligst hintendrein.

Als man der Burg Montfort ansichtig wurde, war der Zelter mit der Braut schon am Tor. Das tat sich flugs auf und schloß sich hinter der Reiterin wieder. Der Rheingraf tobte und forderte sein geraubtes Kind zurück.

»Habe Euer Kind nicht geraubt«, gab der Montforter zur Antwort; »es wird freiwillig mein Weib.« Der Rheingraf zog mit Heerhaufen vor die Burg, aber der Montforter sprach: »Gegen den Vater meines Weibes streite ich nicht.«

Da redete der Böckelheimer ein gutes Wort zugunsten seines Freundes, und der Rheingraf gab nach; der zu Grehweiler aber hatte das Nachsehen.

 


 

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