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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 814
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Ernesti Glück

Bergmannssage am Lemberg.

In Bingert wohnte vorzeiten ein Bergknappe namens Ernst, der sehr arm, aber dabei fromm und fröhlich, schlicht und recht war und gar artige Liedlein und liebliche Weisen singen konnte. Dabei war er der hübscheste Bursche weit und breit. Der arbeitete in den Drei Zügen jahraus, jahrein fleißig, doch der Verdienst war gering. Zu Hause hatte er keine Seele, die ihm etwas hätte kochen können, darum aß er sein Stück Brot in der Grube, wenn die anderen Knappen zu Mittag heimgingen.

In dieser Ruhestunde schlief er einmal ein, und als er erwachte, sah er, daß eine Menge Erz neben ihm lag, das seine Haue nicht abgelöst hatte. Die anderen schalten ihn einen Nimmersatt, der sich keine Ruhe gönne, Ernst aber schwieg dazu.

Am anderen Mittag tat er nur, als schlafe er, und sah ein winziges Männlein kommen, das mit Fäustel und Eisen für ihn arbeitete. »Glück auf!« rief er dem Männlein zu. Dieses wollte entfliehen, kam aber doch wieder zurück und sagte ihm, es habe für ihn gearbeitet, weil er so artige Liedlein singe. Und das ging so fort.

Eines Tages tat einer der Knappen einen schweren Fall, so daß er nicht mehr recht arbeiten konnte und fortgeschickt werden sollte. Ernst, den der Mann mit Weib und Kindern jammerte, erbot sich, in der Ruhestunde für ihn zu arbeiten, und so durfte er bleiben und bezog nach wie vor seinen Lohn. Der gute Berggeist half aber da mit, denn er hatte seine Freude an dem wackeren Knappen.

Bald darauf sang Ernst nicht mehr, sondern war immer betrübt. Er hatte das schönste Mädchen von Hallgarten liebgewonnen, das ihm jedoch dessen steinreicher Vater nicht geben wollte, weil er nur ein Bettelbub sei. Das Bergmännlein kam wieder und fragte, warum er so traurig sei. Als ihm der Bursche seine Not klagte, fragte es wieder, ob er gar kein eigenes Feld besitze. »Nichts als eine Hecke am Lemberg hat mir meine Mutter hinterlassen«, sagte Ernst; »es wächst aber kaum ein Strauch darauf.«

Der Berggeist bestellte ihn für die Nacht, wenn der Mond scheine, damit er ihm das Fleckchen zeige. Ernst kam und das Männlein auch. Als sie an die armselige Hecke kamen, hüpfte das Männlein, klatschte in die Hände und rief ein über das andere Mal: »Da ist Ernesti Glück!« Der Bursche meinte, dem Berggeist rapple es hinter der Stirne, der aber sagte: »Du bist reicher als der Bauer in Hallgarten. Schürfe du morgen für dich, und bald wirst du freien können.«

Und so war es auch. Ernst schürfte mit dem grauenden Tag auf seinem kleinen Eigentum. Die Knappen lachten darüber, aber bald schwiegen sie, und er lachte. Das Erz, das er fand, war reicher als das in den Drei Zügen. Der reiche Bauer von Hallgarten schalt ihn keinen Bettelbuben mehr und gab ihm die Tochter mit Freuden.

Das Bergmännlein blieb dem Ernst hold; heutigen Tages aber sieht man es bisweilen recht traurig, weil die Grube Ernesti Glück nicht mehr gebaut wird.

 


 

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