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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 8
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Vom Hans Gruber und der goldenen Kette

Hans Gruber, Bürger und Gastgeber zu Salzburg, der auch Holzmeister auf dem Untersberg war – ein schlichter, rechter Mann –, saß einst auf dem Untersberg auf seinem grünen Plätzlein, wo er immer gesessen war, und sah den Holzknechten zu, wie sie Holz machten. Als er nun eines Tages sein Brot gegessen und von einem Brünnlein, das in der Nähe seines Plätzchens war, getrunken hatte, trug sich folgendes zu: Während er den Knechten, über die er Holzmeister war, zuschaute, stand auf einmal nächst der steinernen Wand eine eiserne Tür offen, und eine Person, die wie ein Mönch aussah, sagte zu ihm: »Hans, geh herein!« Aber der Holzmeister getraute sich nicht und ging nicht. Abermals sprach der Mönch: »Hans, geh herein!« Aber der Hans ging nicht; denn er fürchtete sich. Zum dritten Mal sprach der Mönch: »Sieh, wenn du hereingehst, so gebe ich dir die goldene Kette, die ich hier am Arm trage!« Hans sah die Kette an seinem Arm wohl, aber er sprach: »Gib mir nur ein Glied von dieser Kette, so bin ich zufrieden, aber hinein gehe ich nicht, denn ich fürchte mich.«

Da riß der Mönch drei Glieder von seiner Kette ab und warf sie dem Holzmeister in den Hut, in den sie gerade fielen. »Laß diese niemanden unter drei Tagen sehen, und sei froh, daß du sie gerade in deinem Hut aufgefangen hast. Denn wäre ein Glied nebenhin gefallen, so würdest du mir nimmer entkommen sein dein Leben lang. – Bete fleißig!« Hierauf ging der Mönch in den Berg und schlug die Tür zu, daß es widerhallte.

Vorher hatte der Holzmeister schon durch die Tür in den Berg geschaut, und er hatte nicht anders gedacht, als sähe er einen neuen Himmel und eine neue Welt. Als der Holzmeister zu seinen Knechten, die wohl den Schall vernommen, aber, da sie weiter entfernt waren, den Mönch nicht gesehen hatten, zurückkam, erzählte er ihnen von dem Mönch, was er gesagt hatte und wie er durch die Tür eine neue Welt zu sehen geglaubt habe.

Von den goldenen Ringen aber schwieg er still. Diese hatte er in seinen Rockbusen gesteckt und drei Tage behalten. Sie waren Gold, und als er sie am vierten Tag wog, hatten sie drei Pfund drei Vierling an Gewicht.

Nachher ging der Holzmeister wiederum mit den Knechten auf den Wunderberg, um die eiserne Tür zu suchen; aber sie fanden sie nicht. Diese ganze Geschichte beteuerte Hans Gruber, und es ist ihm bei seiner Redlichkeit und Geradheit zu glauben.

 


 

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