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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 765
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Gangolfsbrunnen

Von J. N. Vogl. – Sage der Milseburg; ob sie auch in Burgund heimisch ist, das unser Dichter nennt, ist mir unbekannt.

        Des langen Weges müde,
Im heißen Sonnenbrand,
Der heil'ge Gangolf wandert
Durchs ferne Heidenland.

Wie brennen die Sandalen
So schmerzlich ihm am Fuß,
Der Glühwind von der Wüste
Haucht seinen Feuergruß,

Am Gaumen klebt die Zunge,
Und jeder Nerv erschlafft,
Sich aufrecht zu erhalten
Hat kaum er noch die Kraft.

Da sieht er todesmüde
Mit einmal einen Quell
Aus einer Felswand sprudeln
Wie Silber rein und hell.

Und zu der Stelle schleppt er
Sich hin mit neuem Mut
Und schöpft vom kühlen Brunnen
Mit seinem Pilgerhut.

Und schlürft und schlürft, als gäbe
Der Quell den besten Wein,
Und schlürfet Mut und Stärke
Aufs neu' in sich hinein.

Da tritt aus naher Höhle,
Die er erst jetzt erblickt,
Zu ihm ein finstrer Heide,
Der höhn'schen Gruß ihm nickt.

»Behagt dir so die Quelle«,
Spricht der, »in Javas Sand,
So kauf sie dir, und bringe
Sie heim ins Christenland.

Ihr sprecht ja doch, des Glaubens
Bedürf's ein Körnlein bloß,
Um Berge zu versetzen
Von ihrem Mutterschoß.« –

»So ist es«, spricht der Pilger,
»Ob ihr es gleich verlacht,
Allmächtig ist der Glaube,
Allmächtig Gottes Macht.

Drum nenn den Preis der Quelle,
Ich geh' den Handel ein;
Was soll ich dir bezahlen?
Sag an, damit sie mein.« –

»So meinst du's, Tor, im Ernste«,
Der Heide drauf; »wohlan,
Gib hundert Silberheller,
Und nimm die Quelle dann.

Doch kommst du heim, so ziehe
Die Stirne nicht zu kraus,
Im Fall nicht wohlbehalten
Den Kauf du bringst nach Haus!«

Allein des Hohnes achtet
Der fromme Pilger nicht
Und reicht ihm dar die Summe
Mit ernstem Angesicht.

Drauf zieht er wieder weiter
Des Weges nach Burgund,
Von manchem Spott begleitet
Noch aus des Heiden Mund,

Und zieht wohl manche Monde,
Durchschiffet Meer und Fluß,
Bis in die ferne Heimat
Ihn wieder bringt sein Fuß.

Doch wie er nun erreichet
Sein Haus, von Moos bedeckt,
Da steht der fromme Pilger
Mit einmal froh erschreckt.

Denn seinen Glauben sieht er
Verwirklicht nun zur Stell':
Zunächst dem Hause sprudelt
Ein lustig frischer Quell.

Der sprang mit einem Male
Dort aus des Berges Wand,
Zu selber Zeit, als jener
Versiegt in Javas Sand.

 


 

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