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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 74
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Diez Swinburg

Andere nennen ihn Schaumberg.

Der Ritter Diez von Swinburg hatte in Ludwig des Bayern Kriegen unvergleichlich tapfer und uneigennützig gedient; namentlich war er ein rechter Verfechter am heißen Tag von Ampfing gewesen, wo der Gegenkönig Friedrich der Schöne von Österreich den Sieg an den Schweppermann, die Freiheit an dessen Schwager Rindsmaul verlor. Man war ihm einige tausend Pfund Berner schuldig. Er konnte sie nicht erlangen. Ihm dagegen nahmen unbarmherzige Gläubiger, was sie nur konnten. Er war für dieses Gesindel zu ehrlich, zu gutmütig, von allzu großer Leichtgläubigkeit. So verlegte er sich denn darauf, sein vier Heerstraßen überschauendes Schloß als das beste Saatfeld kommenden Reichtums anzusehen.

Bald klagten bei Ludwig dem Bayer, dem ersten deutschen Bürgerkönig, Augsburg und Nürnberg, aber auch Donauwörth, Rothenburg, Wissenburg und Schweinfurt über Diez' wilde Gewalt, die den ganzen Handel beeinträchtigte. Der Kaiser gab ein strenges Mandat gegen den Landfriedensbrecher. Diez wurde geächtet und gebannt und bald von einem Exekutionsheer überzogen. Er unterlag nach tapferem Widerstand. Die meisten seiner Knechte ließ man laufen, weil sie geglaubt hatten, nichts Böses zu tun; einige behielt man zurück zu gütlicher oder peinlicher Frage über Dietrich Swinburgs offenen Anhang, heimliche Gönner, Hehler oder Anstifter.

Diez hatte sich auf Entscheidung des Kaisers berufen. Die half aber wenig; man wollte ein abschreckendes Beispiel, die Städte galten alles, die Raubritter blutwenig. So wurden Diez und seine vier besten Knechte zu außerordentlicher Hinrichtung im Jahre 1337 nach München geführt.

Diez Swinburg bat nicht einen Augenblick für sich selber – sosehr es ihm auch nahegelegt war –, denn im Kaiser schlummerte noch immer ein altes Wohlwollen für ihn; der Ritterspruch lautete aufs Schwert für alle. Da bat Diez Swinburg die Ritter um Gnade für die vier ehrlichen, trefflichen Gesellen, die die Treue gegen ihn mit in seinen Untergang gezogen hatte, zumal für den jungen, schönen, tapferen Georg. Es wurde verweigert.

Nun tat Diez noch einmal eine gewaltige Bitte, so weich und flehentlich, daß es aus des alten, wilden Kriegers Mund einen Stein erbarmte: Bei der Hinrichtung sollte man ihn und seine vier Knechte in eine Zeile stellen, jeden acht Schuh voneinander, und mit ihm die Enthauptung anfangen. Er wolle dann mit abgeschlagenem Haupt aufstehen und vor seinen wackeren Knechten vorbeilaufen. Vor so vielen er vorbeigelaufen sei, denen möchte das Leben begnadigt sein. Als ihm dies die Richter spottweise gewährt hatten, stellte er seine Knechte – jeweils den liebsten am nächsten zu sich –, kniete herzhaft nieder, und als sein Haupt auf einen raschen Streich gefallen war, stand er alsbald ohne Kopf auf, lief vor allen vier Knechten hinaus, fiel dann hin und blieb tot liegen.

Die Richter getrauten sich nun nicht, den Knechten ein Leid zu tun. Sie berichteten alles dem Kaiser und erlangten, daß den Knechten das Leben geschenkt wurde.

 


 

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