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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 717
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Maiengang

Vor 80 Jahren wurde noch in Würzburg – wie in ganz Franken – der erste Mai als ein Volksfest gefeiert, von dem jetzt freilich unsere Jugend nichts mehr weiß. Die Mädchen sammelten sich in kleine Chöre und zogen von Haus zu Haus die Stadt durch. Eine trug eine Birke, die man den Maienbaum zu nennen pflegte, mit bunten Bändern geziert. Um diesen Baum schlossen sie, Hand in Hand geschlungen, tanzend und singend einen Reihen, empfingen an jedem Haus eine Kleinigkeit an Geld, das dann gesammelt und zur Veranstaltung eines festlichen Abendschmauses verwendet wurde. Der bei diesem Maiengang der fränkischen Mädchen gebräuchliche alte Volksgesang lautete:

Der Maie, der Maie
Ist gar 'ne schöne Zeit,
Da soll man lustig und fröhlich sein,
Lustig und fröhlich
Die Jungfrau, der Ehlich
Das Patschen, das Patschen
Gefällt uns gar zu wohl.
Es muß ein reicher Kaufmann sein,
Der uns ernähren soll.
Laßt die Jungfern springen,
Laßt die Vöglein singen.
Der Maie, der Maie
Ist gar 'ne schöne Zeit.

Auch war es Sitte – mehr auf dem Land als in der Hauptstadt –, vor den Häusern des Pfarrers, des Beamten, des Schulzen und anderer Leute, denen man Ehre erzeigen und eine Freude machen wollte, in der Nacht vor dem ersten Mai einen grünen, mit Bändern gezierten Baum zu errichten und dadurch die Bewohner gleich beim Erwachen zum Genuß der Freuden des Wonnemonats einzuladen. Man nannte dies: »Einem einen Maien stecken«, und davon kam das fränkische Sprichwort: »Wem man nicht wohl will, dem steckt man keinen Maien.«

 


 

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