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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 71
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Wie die Kirche zu Ebersberg ihren Anfang genommen hat

Es war, wie die alten Geschichtsbücher melden, um das Jahr 879, als Graf Siegfried von Ebersberg ruhig auf seinem Schloß zu Sempt im Kreise seiner Familie lebte und unter anderen sein Vergnügen am Waidwerk in den umliegenden Wäldern fand. Dazumal war die Gegend von Ebersberg noch gar wild und schauerlich. Gewaltige Eichen und Buchen, von Schlingpflanzen durchflochten, reihten sich zu einem undurchdringlichen Urwald aneinander. Nur auf einzelnen schmalen Stegen und Wegen konnten die Jäger in dieser Wildnis vordringen, in der große schwarze Eber ihren Aufenthalt hatten.

Eines Tages ging der Graf von Ebersberg dem gewohnten Waidwerk nach, als man urplötzlich einen gewaltigen Eber sah, der durch seine Größe und Stärke in Erstaunen setzte. Auch sein Lager oder Bett wurde bald ausgekundschaftet; es war auf einer Anhöhe in einer Sandsteinhöhle unter einer uralten Linde gewählt. Alle Mühen und Anstrengungen des Grafen und seiner Leute, das schreckliche Tier zu fangen oder zu erlegen, waren vergebens. Einmal war man ihm nahe auf der Spur, so daß es den Augen der Jäger und Rüden sichtbar war, als es urplötzlich zum Entsetzen aller verschwand, so daß man erkannte, es sei kein natürlicher Eber, sondern der leibhaftige Teufel aus der Hölle gewesen. – Solches wollte sich aber auch noch später bestätigen, indem an jener Linde vor dem Höhlenlager des Tieres das umwohnende Volk zusammenströmte und heidnischen Aberglauben und Götzendienst trieb.

Das vernahm ein heiliger Mann, Konrad von Heuwa, der am Bodensee wohnte. Da sandte er Boten an den Grafen Siegfried von Ebersberg und ließ ihm sagen: »Hau die Linde um, und zerstöre die Höhle von Grund auf; an ihrer Stelle erbaue dem wahren Gott ein Kirchlein, denn es ziemt sich, daß er angebetet und dem Götzendienst ein Ende gemacht werde.«

Dieselbe Botschaft ist von einem anderen Einsiedler namens Gebhard von Straßburg an den Grafen gekommen, worauf dieser nicht länger säumte und nicht nur ein schon früher erbautes, aber verfallenes Valentinskirchlein erneuert, sondern auch eine Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes Maria gegründet hat.

 


 

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