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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 702
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Walfisch zu Würzburg

In der guten alten Zeit unserer Ahnen war die Sang- und Dichtkunst nicht so unbeachtet beim Volk wie in der gegenwärtigen Zeit, wo man Dichter im Elend zugrunde gehen läßt, wovon wir Beispiele erzählen könnten. Damals zogen die Meistersänger und die fahrenden Schüler im Land herum und brauchten nirgends eine Paßkarte vorzuweisen. Sie stimmten ihre Lieder an, und wo sie einsprachen, waren sie willkommen und wurden aufs beste bewirtet und verpflegt.

Da steht zu Würzburg in der Bankgasse ein Haus, worin jetzt eine Bierwirtschaft ist. In diesem Haus nun sprach in jenen Zeiten einmal ein fahrender Schüler ein und wurde sehr herzlich aufgenommen. Dem Hausherrn gefiel besonders ein Lied vom Propheten Jonas im Walfischbauch, das der fahrende Schüler nicht oft genug singen konnte. Da der Hausherr unersättlich in seinem Verlangen war, das Jonaslied zu hören, mußte ihm der fahrende Schüler versprechen, drei Tage lang sein Haus nicht zu verlassen.

Als der dritte Tag zu Ende war, veranstaltete der Hausherr seinem teuren Sängergast einen Abschiedschmaus und lud seine Freunde dazu ein. Der fahrende Schüler sang beim Weggehen, er komme jetzt auch nach drei Tagen wie der Prophet Jonas aus dem Walfischbauch. Von der Zeit an nannte man dieses Haus den Walfisch, und so wird es noch jetzt vom Volk geheißen.

 


 

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