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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 70
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Weihenlindens Ursprung

In der Gegend, wo Weihenlinden liegt, schwärmten die Hunnen umher und vertrieben die erschreckten Bewohner. Wer sich ihnen nahte, starb von roher Hand; und so erzählt die Sage, daß da, wo sich jetzt die Kapelle der Heiligen Jungfrau befindet, die umzäunten Gräber dreier von den Hunnen erschlagener Männer gewesen sind. Niemand konnte es ungestraft wagen, darüber leichtsinnig hinzugehen, und selbst das Vieh fiel tot nieder, wenn es versuchte, drüberzuspringen.

So stand der Ort bald unter dem Schutz öffentlicher Verehrung, und als endlich die Schweden jene Gegend heimsuchten, gelobten die Höglinger – aus Furcht, Gustav Adolfs Soldateska möchte wie überall auch hier plündern und verwüsten – auf jener heiligen Stätte eine Kapelle zu bauen, falls sie und ihre Habe verschont bleiben sollten.

Sie litten nichts von den Feinden, aber nach verschwundener Gefahr dachte die Gemeinde Högling nicht mehr an das Gelübde, bis endlich die Pest kam und daran erinnerte. Jetzt bauten sie über den Gräbern eine Kapelle aus Stein, und in dieser wurde eine Bildsäule der Heiligen Jungfrau aufgestellt – ein beinahe drei Fuß hohes Holzbild, das früher in der Pfarrkirche zu Högling gestanden war. Es stürzte zu jener Zeit – man wußte nicht, durch welche Veranlassung – plötzlich vom alten Stand herab, ohne sich jedoch im mindesten zu beschädigen, was man durch ein Wunder erklären zu müssen glaubte. Das Bild wurde nun für heilig gehalten und in jene neue Kapelle übertragen, wo sich Wunderbares ereignete. Die Bewohner der ganzen Gegend kamen zum Gnadenbild; reichliche Opfer flossen, so daß man bald auf den Bau einer größeren Kirche bedacht war.

Der Ort, wo die Kapelle sich erhob, hatte anfänglich keinen Brunnen, und man mußte das Wasser weit herbeitragen. Als die Höglinger beim Beginn des zweiten Baus nun auch einen Brunnen graben wollten, stießen sie dabei auf große Schwierigkeiten, und es schien, daß sie keine Ader treffen sollten. Ganz entmutigt über das wahrscheinliche Mißlingen ihrer Arbeit sahen sie ermüdet eines Tages drei Pilger daherkommen, und diese munterten die Arbeiter zur Fortsetzung des Werkes auf, indem sie freundlich versicherten, daß sich in kurzer Zeit ein Ring finden werde, der ihnen die Spur des heilsamen Wassers zeigen würde.

Und siehe da – bald darauf fanden sie einen silbernen Ring mit zwei Steinen und den Quell lebendigen Wassers. Nun gingen die Fremdlinge, und niemand sah sie wieder. So glaubten die Bewohner, es seien drei Engel gewesen, zum Zeichen des dreieinigen Gottes gesandt, weswegen sie die neue Kirche der Heiligen Dreieinigkeit weihten.

 


 

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