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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 7
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Das Schloß der Zwerge

Von Schöppner.

        Ein Bauer hat erzählt: »Ich fuhr ein Fuder Wein
Am Untersberg vorbei von Salzburg nach Hallein.

Es war bei Niederaim am Brückenkopf gerade,
Als mir von ungefähr ein graues Männchen nahte.

›Grüß Gott, mein lieber Hans, wohin mit deinem Wein?
Ei, folge mir zum Berg, ich will dein Käufer sein.‹

Ich schüttelte den Kopf, der Antrag schien mir Posse,
Und trieb mit hellem Knall zu rascher Fahrt die Rosse.

Da springt der Zwerg mit Wut hervor und donnert: ›Halt!‹
Und zähmt der Rosse Mut mit riesiger Gewalt.

Mir gruselte vor Angst, es sträubten sich die Haare:
›In Gottes Namen denn! Befehlet nur – ich fahre.‹

Das Wichtlein ging voraus, ich fuhr bedenklich nach,
Da überkam mit Macht ein Schlaf mich allgemach.

Doch hielt der Schlaf nicht lang, und als ich jetzt erwachte,
Ein wunderschönes Schloß vor meinen Augen lachte,

Auf einem Felsen hoch gebaut von Marmelstein,
Die Fenster von Kristall im Morgensonnenschein.

›Wohlan, mein lieber Hans!‹ begann hierauf der Kleine,
›Das ist der Markt, dahin du fährst mit deinem Weine.‹

So fuhr ich durch das Tor mit hellem Peitschenknall,
So daß des Hofes Raum erklang vom Widerhall.

Da kamen wie geweckt vielhundert kleine Leute
Und hüpften auf mich zu und grüßten voller Freude.

›Willkommen, lieber Hans! Sei froh und wohlgemut,
Bei uns ist Überfluß und Küch' und Keller gut.‹

Sie spannten hurtig dann die Rosse von dem Wagen
Und sorgten in dem Stall für deren leeren Magen.

Mich selber brachten sie in einen Speisesaal,
Darinnen duftete der Tisch vom besten Mahl.

Doch schmeckte leider mir kein Trinken und kein Essen,
Ich konnte meinen Wein und Wagen nicht vergessen.

Und als ich nun gespeist, da zog der Zwerge Troß
Mit Ungestüm mich fort, zu zeigen mir das Schloß.

Ein Flügel tat sich auf, da ward ein Saal betreten,
Geschmückt mit Stickerei auf seidenen Tapeten.

Doch war ein zweiter Saal noch herrlicher an Pracht,
Die Decke und die Wand von purem Gold gemacht.

Die Fenster von Kristall und spiegelglatt der Boden
Mit Steinen wohlgefügt, mit weißen und mit roten.

Und an den Wänden rings erblickt' ich Ritterwehr
Und Waffen mancherlei, von edlem Golde schwer.

Und mitten in dem Saal, da standen erzgegossen
Der Riesenbilder vier, mit Ketten angeschlossen.

Und ob den vieren stund ein gülden Königlein,
Das schien der Recken Herr und Oberster zu sein.

Da fragt' ich einen Zwerg, was dieser Bilder Sinn sei;
Der gab mir den Bescheid, daß Wissen kein Gewinn sei.

So sah ich manchen Saal von wunderbarer Pracht,
Doch endlich traten wir in einer Wölbung Nacht.

Nur spärlich drang der Tag durch eines Loches Spalte,
Ich schaute flugs hindurch in eines Hofes Halde,

Da sah ich eine Schar der schönsten Frauen gehn,
Dergleichen nie mein Aug' hat Schöneres gesehn.

Doch faßte flugs ein Zwerg mich an dem Zopf behende
Und machte süßem Schaun gewissenhaft ein Ende.

Danach gelangten wir in eines Kellers Raum,
Der war so riesengroß – ich sah das Ende kaum.

Da lagen ohne Zahl die Fässer goldnen Weines,
Der Nektar von Tirol, der Himmelstau des Rheines.

Da setzten sich die Herren auf eine Bank von Stein
Und sagten schönen Dank für meine Fuhre Wein;

Und einer kam daher mit schwerem Sack beladen
Und zählte auf den Tisch die prächtigsten Dukaten.

›Das nimm‹, begann der Wicht, ›an Zahlung für den Wein!‹
Ich schob mit großem Dank die goldnen Füchse ein.

Darauf entließen mich die Wichtlein aus dem Schlosse,
Schon harrten wohlgeschirrt am Wagen meine Rosse.

Ich schwang mich lustig auf und fuhr in leichtem Trab
Des goldnen Glückes froh den Wunderberg hinab.«

 


 

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