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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 69
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Die übergoßn' Alm

Von F. v. Kobell.

              Bal's d' aufisteigst zum Blimbachtor,
Da siechst den ewign Schnee;
Wo dort jetz alls derfrorn, is sunst
Wohl gstanden schöner Klee
Und Woad für vieli hundert Küh,
An Alm, wie koani mehr;
Des aber is vor alters gwest
Und is scho hübsch lang her.
Und selm, da habn Dirndl ghaust,
Auf dera Alm da drobn,
Die san wohl gwest gar schön und reich,
Sunst weiter nit viel z'lobn.
Sie habn a lustigs Lebn gführt,
Denn was die Alm dertragn,
Wie Milch und Kaas und Butter gwest,
Des ko ma gar nit sagn.
Und weil's halt so dergebn hat,
San d' Dirndl fürnehm worn
Und übermüti, wie's halt geht,
Voll Hoffart hint' und vorn.
Und ham die Küh mit Glockna ziert
Vo Silber, Narr, a Pracht,
Und d' Stier die Horn aufs schönst vergold't
Und selli Sachan gmacht.
Und Wein vo Salzburg faßlweis
Ham s' in die Keller ghabt,
Da hat an diem a Jagabua
Sei Noagl einigschnappt.
Statt aber, daß s' aa was derkennt
Und bet't hättn fruah und spat,
Ham s' nie an unsern Herrgott denkt,
Nie dankt für soviel Gnad!
Amal, in ihnern Übermut,
Ham s' gar a Straßn gmacht
Vo lauter Butter über 'n Berg
Und ham drauf tanzt und glacht.
Und daß der Teufi aa was hätt,
Ham s' gmoant, so soll er s' habn,
Die Straßn, frißt er s' über Nacht
Mit seine Brüderln zsamm;
Des habn s' gjuxt und gruafa laut
Hin gegn des Teufishorn
Und gschrien: »Du lus auf da drent
Mit deini langen Ohrn.«
Und ham so furt to, bis die Stern
Am Himmi scho zun sehen;
A selles Volk is kaam amal
Mehr auf an Alma glegn. –
O Übermut, du findst dei End,
Du findst es oft gar gschwind –
Um zwölfi nachts ans Fenster stößt
Und pfeift a scharfa Wind.
Und wia wann oana sterbn taat,
Hat's nacha draußtn to,
A schreckligs Seufzen hat ma ghört
(A dieweiln hört ma's no);
Und drauf a Sturm is rübergsaust
Von Funtntauern her,
Und war, als waar's lebendi worn,
In großn, stoanern Meer.
Als schlügn Felsn ananand
Wie Welln, grausi schwaar,
Als wann der Teufi mit der Höll
Da aufikemma war.
Und kracht und dunnert hat's, als wann
Der Watzmann stürzet ei,
Als kaam vom Himmi a Lawin
Und schlüg in d' Alma nei!
O heilige Muatta, steh uns bei,
O schauderhafti Nacht,
Da hat wohl alls in Berg und Tal
Mit Angst und Betn gwacht.
Und wia der Tag na kemma is
Ko so was Grausigs gschehgn?
Schau, d' Alm und d' Sennderinna drauf,
Koa Mensch hat s' nimmer gsehgn.
In Schnee und Eis vergrabn san s'
Mit Hüttn, Kiah und Kalbn,
Drum hoaßt ma s' aa no heuntigs Tags
Die übergoßn' Alm.
Und is die Alm a Zoacha, gell,
Wie's geht mit'n Übermuat
Und wann ma blind vor lauter Glück
Auf Gott vergeßn tuat.

 


 

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