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Bayrische Sagen

Alexander Schöppner: Bayrische Sagen - Kapitel 670
Quellenangabe
typelegend
titleBayrische Sagen
authorAlexander Schöppner
year1979
publisherVerlag Lothar Borowsky
addressMünchen
created20010814
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170929
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Der Schmied von Ochsenfurt

Von Ludwig Braunfels.

        »Herr Schmied, laßt mal vom Hämmern ab,
Beschert mir eine kleine Gab'!
Ich bin ein alter Kriegesknecht,
Ging oft für Staufen ins Gefecht.«

Herr Stock, der Schmied, tritt aus der Tür;
Er langt den Seckel wohl herfür;
»Du standest zu dem rechten Herrn,
Für Hohenstaufen spend' ich gern.« –

»Ei, haltet Ihr die Staufen wert,
Was steht Ihr hämmernd hier am Herd?
Ein junges Blut, ein frischer Mut,
Dem tut des Schwertes Sausen gut.

Hätt' ich noch solche Eisenhand,
So zög' ich wohl ins welsche Land,
Wo Konradin, der Kaisersohn,
Sein Leben setzt an seine Kron'.« –

»Ei, zieht der Staufen ins Gefecht,
Ist Schurz und Hammer mir nicht recht;
Ich gürt' ein Schwert an meine Seit'
Und helf ihm streiten seinen Streit.«

Der Schmied, er zieht zum Tiberstrand:
»Wie blau die Luft! Wie grün das Land!
Doch müßt' ich nicht beim Staufen sein,
Besser gefiel mir's dort am Main.«

Der Schmied trifft bald die deutsche Schar:
»Wo fleugt der kaiserliche Aar?« –
»Dem Aare ward ein Garn gestellt;
Besiegt, gefangen unser Held!«

Doch plötzlich schallt es aus der Schar:
»Der Konradin! Er ist's fürwahr!
Befreit hat ihn der Engel Hand;
Nun hilft er uns ins deutsche Land!«

Sie heben klirrend auf den Schild,
Sie tragen jubelnd durchs Gefild
Den guten Schmied aus Frankenland,
Der denket: »Hie ist Gottes Hand!

Gab er mir Konradins Gestalt,
Gab er zum Helfen auch Gewalt!
Ja«, ruft er laut, »mit starker Hand
Führ' ich euch heim ins deutsche Land.«

Wohl geht der Weg durch Feindesmacht,
Wohl gilt es da manch heiße Schlacht –
Der Schmied führt sie mit starker Hand
Bis an das treue Alpenland.

Und hier auf deutschem Lagerfeld
Tritt vor das Heer der gute Held;
Er trägt kein Schwert an seiner Seit',
Er schwingt den Hammer, stark und breit.

»Ich führt' euch von den Welschen her,
Davon hat Gott allein die Ehr';
Nun muß es an ein Scheiden gehn,
Nun sollt ihr mich wohl selten sehn.«

Da geht ein Murren durch das Heer;
Der wackre Held, der schmunzelt sehr:
»Auf daß ihr wißt, warum ihr murrt
Ich bin der Schmied von Ochsenfurt.

Mein Ritterkleid behagt mir schlecht,
Mein Schurzfell ist mir eben recht;
Und kommt ihr mir einmal zum Main,
So trinkt mit mir den Frankenwein!«

 


 

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